Post-Gewerkschaft lanciert neue Initiative Protest gegen Lädeli-Post

  • Publiziert: 14.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Guido Schätti
play Konflikt: Volg-Chef Kurt Wicki lobt die Post-Agenturen... (Siggi Bucher)

Mindestens jeden dritten Tag verschwindet in der Schweiz eine Poststelle. Eine Initiative will das stoppen. Sie könnte aber zu spät kommen.

Zehn Kilometer nach Winterthur ZH rentiert der Service public nicht mehr. In der 1300-Seelen-Gemeinde Dinhard im Zürcher Weinland hat die Post vor drei Jahren ihre eigene Vertretung geschlossen und im Volg-Laden eine Agentur eingerichtet. Briefe sortieren, Pakete entgegennehmen, Kunden bei Einzahlungen helfen und Bargeld herausgeben: Das gehört für Verkäuferin Jacqueline Hohl (50) seitdem zum Tagesgeschäft. Mit vier dreistündigen Kursen wurde sie zur «Pöstlerin» ausgebildet. «Man wächst hinein», sagt sie und eilt zur nächsten Kundin, die schon an der Kasse mit ihren Einkäufen wartet.

«Die Bevölkerung schätzt die Agenturen», sagt Kurt Wicki (64), «die Öffnungszeiten sind länger, der Service schnell und einfach.» Der Volg-Chef wurde von den PR-Leuten der Post am Freitag eigens nach Dinhard bestellt, um SonntagsBlick über die Vorzüge der Post im Dorfladen zu orientieren. Volg betreibt fast 100 Agenturen, 65 könnten noch hinzukommen. Der Detaillist erhält einen Fixbetrag und Beiträge, die nach Qualität und Menge schwanken.

Ein grosses Geschäft sei das nicht, sagt Wicki. Die Umsätze in den umgebauten Läden seien aber höher. «Und für das Personal sind die neuen Aufgaben ein echtes Job-Enrichment.» Reich werden aber andere. Egal, wie viele Päckli sie entgegennimmt, Jacqueline Hohl erhält wie früher 20 Franken pro Stunde. Eine Post-Angestellte kommt auf 33 Franken.

«Das ist Ausbeutung der ländlichen Bevölkerung», sagt Fritz Gurtner (54) von der Gewerkschaft Kommunikation. «Durch den Post-Umbau werden gut bezahlte durch schlecht bezahlte Jobs ersetzt.» Qualität und Breite der Dienstleistungen einer richtigen Poststelle und einer Agentur seien ohnehin nicht vergleichbar.

Gestern überreichte Gurtner den Post-Chefs Michel Kunz (50) und Claude Beglé (59) in Bern eine Petition mit 150 000 Unterschriften gegen das Poststellensterben. Jetzt soll eine Volksinitiative für ein flächendeckenes Poststellennetz den Druck noch einmal erhöhen. «Der Abbau ist zu stoppen, bis das Volk entschieden hat», fordert Gurtner.

Davon will Kunz aber nichts wissen. Der Umbau geht mit Volldampf weiter. 420 Poststellen sind bedroht. «Die Post will uns vor vollendete Tatsachen stellen», kritisiert Gurtner.


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play ...die Gewerkschaften kämpfen mit 150000 Unterschriften dagegen. (Keystone)

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