Professor: Wirtschaft wächst nicht dank Zuwanderung

  • Publiziert: 23.05.2009, Aktualisiert: 13.01.2012

ZÜRICH – Die Wirtschaft brummte bis vor wenigen Monaten – vor allem dank gut ausgebildeten Ausländern, sagte der Bundesrat. Ein Experte rüttelt nun an dieser These.

Die starke Zuwanderung der letzten Jahre habe nicht zu mehr Wirtschaftswachstum geführt, sagt der Freiburger Professor Reiner Eichenberger. «Man sollte endlich aufhören, einfach zu behaupten, dass wir der Einwanderung das Wirtschaftswachstum verdanken.»

Die Schweizer Regierung habe noch im letzten Herbst behauptet, dass im internationalen Vergleich gute Wachstum von 0,5 Prozent sei auch eine Folge der Einwanderung, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler in der «NZZ» von heute.

Bereinigt um das starke Bevölkerungswachstum von 1,4 Prozent wäre die Wirtschaftsleistung pro Kopf damals aber längst um 1 Prozent gesunken, sagte der Professor an der Universität Freiburg. Bevölkerungswachstum verursache enorme Kosten. «Wir sollten auf Wirtschaftswachstum setzten, nicht auf Bevölkerungswachstum.»

Denn eine wachsende Bevölkerung führe zu dichterer Besiedlung, zu Landverschleiss, erfordere hohe Investitionen in die Infrastruktur, führe zu Lärm und Stress – etwa wegen den Verkehrsproblemen. «Die Schweiz hat europaweit das höchste Bevölkerungswachstum. Im Kanton Zürich beträgt es 2 Prozent. Wie soll das weitergehen?», fragt Eichenberger.

Das Thema Bevölkerungswachstum kritisch zu betrachten, gelte als anrüchig, weil bei diesem Thema eine gewisse Nähe zur Ausländerfeindlichkeit bestehe, weiss der Professor. «Dieses Thema hat die SVP gepachtet, weil die anderen Parteien nicht fähig waren, auf die Probleme, die es in diesem Bereich gibt, ernsthaft einzugehen.»

Eichenberger sieht die Migration jedoch nicht nur negativ: Heute kämen vor allem gut qualifizierte, produktive Einwanderer. Und das heisse: bauen, bauen, bauen. Davon könne das Gewerbe, das politisch von der SVP vertreten werde, profitieren. (hhs/SDA)

Widmer-Schlumpf will Mehrfachgesuche bekämpfen

BERN – Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf will mit einem revidierten Asylgesetz verhindern, dass Flüchtlinge mehrmals hintereinander ein Asylgesuch stellen. Im Jahr 2008 sei es in der Schweiz zu 1428 Mehrfachgesuchen gekommen. «Asylsuchende mit ablehnenden Entscheiden kommen immer wieder, bis zu zehn Jahre lang», sagte Widmer-Schlumpf in einem Interview, das heute in der «Mittelland Zeitung» und der «Südostschweiz» erschien. Widmer-Schlumpf möchte deshalb ein «einfacheres, schriftliches Verfahren und den sofortigen Vollzug» einführen.
play Viele Deutsche zogen in den letzten Jahren in die Schweiz. Was trugen sie zum Wirtschaftswachstum bei? (Stefan Jäggi)

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