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Offensive: Lidl-Chef Andreas Pohl will die Schweizer Konkurrenten das Fürchten lehren. Die Konsumenten können sich freuen. (REUTERS)
Die SonntagsBlick-Schlagzeile vom 20. September brachte Lidl-Chef Andreas Pohl (50) auf die Palme: «Lidl enttäuscht als Preisbrecher» stand über einem Preisvergleich von 40 Markenartikeln. Fazit: Bei Markenartikeln ist Lidl nur in wenigen Fällen klar billiger als Coop, Denner und Co.
Jetzt reagiert die Schweizer Tochter des deutschen Discount-Giganten und reisst die Preise herunter: Diese Woche verbilligte Lidl 36 Markenartikel um sechs bis 20 Prozent, darunter Umsatzrenner wie Coca-Cola, Red Bull, Nescafé oder Nivea Creme. «Lidl hat bereits beim Markteintritt viele Markenartikel unter dem damals gültigen Marktpreis angeboten. Nun wird Einkaufen bei uns noch günstiger», sagt Pohl zu SonntagsBlick. Bereits am nächsten Donnerstag will er weitere 20 Artikel verbilligen. Unter dem Strich sei Lidl bei 150 Markenprodukten günstiger als Coop.
Die Offensive hat Folgen für den Gesamtmarkt: Denner senkte schon am Freitag die Preise von 30 Produkten. «In der Schweiz sind Markenartikel zu teuer», sagt Denner-Sprecherin Anita Daeppen. Coop verbilligt morgen Montag 30 Artikel, doch damit sei die Zitrone ausgepresst. «Der Preiskampf schadet allen», sagt Coop-Sprecherin Susanne Sugimoto-Erdös. Der Wert von Qualitätsmarken leide unter dem ständigen Preisdruck der Discounter. Sie fordert Zugeständnisse der Industrie: «Der Handel kann nicht mehr alle Vergünstigungen selber tragen.»
Doch die Hersteller bleiben hart: «Die Margen im Schweizer Detailhandel liegen um 50 Prozent über jenen im Ausland», sagt Anastasia Li-Treyer (50), Direktorin des Markenartikelverbandes Promarca. «Das zeigt, dass viel Raum besteht für Preissenkungen.»
Profiteure des Hickhacks sind die Konsumenten. «Endlich kommt der Preiskampf in Schwung», sagt Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler (61). Bei seinem Schweizer Markteintritt vor sieben Monaten sei Lidl viel zu zahm gewesen. «Ein Discounter muss tiefere Preise bieten – sonst hat er keine Existenzberechtigung.»
Und wer sind die Verlierer? «Die Preissenkungen erfolgen nicht auf dem Buckel der Angestellten», sagt Lidl-Chef Pohl. Anfang Oktober hob er den Mindestlohn auf 3800 Franken an und zahlt auch gelernte Angestellte besser. Unter dem Strich steigt die Lohnsumme dadurch um 5,18 Prozent.
Die Arbeitsbedingungen seien heute bei Lidl etwa gleich gut wie jene der Schweizer Konkurrenten, bestätigt Carlo Mathieu (41) von der Gewerkschaft Syna. Einziger Makel: Einen Gesamtarbeitsvertrag hat Lidl weiterhin nicht. Das kann aber noch werden. «Wir führen Gespräche mit den Gewerkschaften», sagt Pohl.