Prämienhammer - sobald Couchepin geht!

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Roman Seiler

Die Kassenprämien steigen in den nächsten beiden Jahren wohl nur um etwas über ein Prozent. Doch dann sind wieder happige Aufschläge fällig.

D ie Kosten in der obligatorischen Grundversicherung stiegen 2006 so wenig wie noch kaum zuvor: um 1,3 Prozent auf 20,7 Milliarden Franken.

Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Ausgaben der Kassen für Gesundheitsleistungen wieder stärker zunehmen. Stark gestiegen sind vor allem die Ausgaben für Spitalpflege und Medikamente. Daher schätzen Kassenvertreter, dass ihre Kosten 2007 um drei Prozent ansteigen werden.

Politisch-motivierte Kur

Trifft dies zu, erleiden die Krankenkassen in der Grundversicherung einen Verlust von mehr als 300 Millionen Franken. Aber das können sie verkraften: 2006 überstiegen die Prämieneinnahmen die Kosten bei weitem. Die Reserven (siehe Box) belaufen sich auf mehr als 3,6 Milliarden Franken oder 19 Prozent der Prämieneinnahmen – so viel wie nie zuvor.

Nun hat Bundesrat Pascal Couchepin (65) einen radikalen Abbau verfügt. Die Versicherer sollen ihr Reservepolster um mehr als 1,5 Milliarden Franken abbauen müssen. Genug, um die Prämien 2008 und 2009 um lediglich gut ein Prozent zu erhöhen. Das ist ein politischer Schachzug: Couchepin dürfte spätestens Ende 2008 zurücktreten. Bis dahin will der Gesundheitsminister gut dastehen.

Doch weil er sowie Bundes- und Kantonspolitiker es versäumt haben, wirksame Massnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen aufzugleisen, folgt nach ihm die Sintflut: Die Prämienbelastung wird dann wieder happig ansteigen.

Reserven

Krankenkassen müssen in der obligatorischen Grundversicherung Reserven aufbauen. Mit diesen Geldern werden nicht kalkulierbare Risiken abgedeckt. Beispielsweise sollen die Kassen auch alle Rechnungen von Versicherten bezahlen können, falls eine Epidemie ausbricht. Zudem dienen diese Gelder dazu, Fehlkalkulationen abzufedern, wie eine nicht vorhergesehene Kostenentwicklung.
Neu gilt: Die Reserven der14 grössten Kassen müssen 10 statt 15 Prozent der Prämieneinnahmen entsprechen. Bei kleineren gilt eine Quote von 15 bis 20 Prozent.
Nach ihm die Sintflut? Bundesrat Pascal Couchepin hält die Krankenkassenprämien auf tiefem Niveau.- Foto: Keystone

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