Post streitet um Schliessungen

  • Publiziert: 10.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Lilian Spörri

BERN – 1150 Poststellen sollen laut einer Liste der Gewerkschaft Kommunikation in Gefahr sein. Welche Auswirkungen könnte das haben? Keine, meint die Post.

«Die Liste hat nichts mit der Realität zu tun», dementierte die Post bereits gestern. «Solche fiktiven Aufzählungen – egal welche –, die nicht von der Post gemacht werden, kommentieren wir nicht», sagt deren Mediensprecher Richard Pfister.

Tatsache ist aber: Seit 2000 wurden 977 Poststellen geschlossen. Und in den nächsten drei Jahren würden 500 Filialen «überprüft», so die Post. Nach folgenden Kriterien: Anzahl Kunden, Menge der Briefe und Pakete, die geografische Lage und die versorgungspolitische Situation. Dann werde entschieden, ob eine Poststelle weitergeführt, in eine Postagentur umgewandelt oder durch Haus-Service ersetzt werde.

«Keine längeren Wartezeiten»

Welche Postämter dies sind, will Pfister nicht nennen. Dafür rechtfertigt er den Kahlschlag, der schon Jahre dauert: «Wir müssen darauf reagieren, dass seit 2000 bis letztes Jahr 46 Prozent weniger Päckli, 46 Prozent weniger Briefe und 17 Prozent weniger Einzahlungen in den Poststellen gemacht werden», betont Pfister.

Der Post-Mediensprecher verneint, dass sich der Abbau von Filialen für den Kunden in längeren Wartezeiten auswirke: «Nein, im 2008 wurden 94,3 Prozent der Kunden innerhalb von sieben Minuten bedient.»

Verhandlungen mit klarer Absicht

«Kommts zur Schliessung einer Poststelle, suchen wir das Gespräch mit den Gemeinden», erklärt der Post-Mediensprecher. Und es werde nach «einvernehmlichen Lösungen» gesucht. So ganz reibungslos gehen diese Verhandlungen aber nicht. «Wir wurden sehr bald darauf aufmerksam gemacht, dass Widerstand gegen die Poststellenschliessung nicht sehr viel bringen würde», sagt Peter Wunderli, Gemeindeschreiber von Weiach. «Die Vertreter der Post teilten uns mit, es gebe gesetzliche Grundlagen zur Schliessung.» Das Zürcher Dorf Weiach beispielsweise musste seine Poststelle schliessen und in eine Agentur im Volg umwandeln.

Heinz Suter, Zentralsekretär bei der Gewerkschaft Kommunikation, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: «Ich habe beispielsweise mit einigen Gemeindevertretern im Bündnerland gesprochen. Das Feedback war immer das gleiche: Die Post ging in ihren Gesprächen nicht gerade zimperlich mit den Leuten um.» Vielmehr wurden die Gemeinden vor vollendete Tatsachen gestellt: Entweder eine Umstellung in eine Agentur, den Hausservice – oder halt gar keine Post mehr.

Widerstand läuft ins Leere

Deshalb habe die Gewerkschaft bereits Ende März die Gemeinderäte der betroffenen Orte angeschrieben. «Besonders bei den rund 800 kleinen und mittleren Poststellen lohnt sich der Widerstand», meint die Gewerkschaft.

Ein Widerstand, der meist ins Leere läuft. «Wir haben uns gesagt, dass ein Einspruch das Ganze nur verzögern würde», gibt auch Peter Wunderli zu. «Ja, die Gemeindevertreter wollen halt dann schliesslich lieber eine Agentur als gar nichts mehr.»

Post im Dorfladen oder vor dem Haus

Redet die Post von der Schliessung einer Filiale, so kann diese entweder in eine Agentur in einem Dorfladen umgebaut werden, die Gemeinde wird über den Post-Hausservice bedient oder die Niederlassung fällt – gemäss der Post – in seltenen Fällen ganz weg. In den Agenturen sind keine Einzahlungen und nur ein beschränkter Bargeldbezug (maximal 500 Franken mit Postcard) möglich. Ebenso können Gemeindeverwaltungen oder Büros keine Massensendungen aufgeben.
play Es werden immer weniger: So viele Poststellen wurden in den vergangenen Jahren geschlossen. (Grafik Blick.ch)

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