Pleite-Geier kreist über Island

  • Aktualisiert am 02.01.2012

REYKJAVIK – Unerbittlich fegt die Finanzkrise über Island hinweg: Dem Eiland droht gar der Staatsbankrott. Nun kommen die Banken unter die Staats-Knute.

Es sind schwere Worte, die Islands Ministerpräsident Geir Haarde heute in einer «Botschaft an die Nation» aussprechen musste: «Es besteht eine sehr reelle Gefahr, meine Mitbürgerinnen und Mitbürger, dass die isländische Wirtschaft im schlimmsten Fall mit den Banken in einen Abwärtssog gerät und das Ergebnis ein Staatsbankrott sein könnte.»

Um diesen wirtschaftlichen Supergau zu verhindern, hat die isländische Regierung die komplette Kontrolle über das Bankengewerbe übernommen – mit einem Notstandsgesetz. Dieses erlaubt es der Regierung, Banken umgehend zu verstaatlichen, zu Fusionen zu zwingen, Spitzenmanager auszuwechseln und Grenzen für deren Entlöhnung zu setzen.

Aggressive Expansion

Ministerpräsident Haarde kündigte als ersten Schritt den Verkauf von Auslandsaktivitäten der führenden Geldinstitute an. Die extrem aggressive internationale Expansion der drei grössten isländischen Banken – Glitnir, Landsbanki und Kaupthing Bank – gilt nämlich als entscheidende Ursache für die akute Krise auf der Nordatlantikinsel mit gut 300000 Einwohnern.

Die isländische Krone hat seit einer Woche gegenüber dem Euro mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. In den letzten zwölf Monaten ist der Kurs um mehr als 70 Prozent gesunken.

Zehnmal das BIP

Ob nationale staatliche Mittel ausreichen, um den gefährdeten Bankensektor zu stabilisieren, gilt als zweifelhaft. Das Bilanzvolumen der drei führenden Banken ist zehnmal so gross wie das jährliche Bruttoinlandprodukt.

Da bleibt wohl nur ein Ausweg aus dem Schlamassel: Die Regierung in Reykjavik wird die nach internationalen Massstäben sehr grossen Pensionsfonds des Landes anzapfen müssen. (SDA/hhs)

In Islands Hauptstadt Reykjavik herrscht Besorgnis: Kann die Regierung die Wirtschaft noch vor dem Bankrott retten?- Wikipedia

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