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Diese Woche wird Philippe Gaydoul nie mehr vergessen: Ausgerechnet am Donnerstag, seinem 35. Geburtstag, musste der Denner-Chef zur Notoperation. Beim Öffnen einer Schachtel hatte er sich eine Fingerkuppe an der linken Hand abgeschnitten. Tags darauf, mit bandagiertem Finger, wenig Schlaf und starken Schmerzen dann der grosse Auftritt: Verkauf seines Discounters an die Migros. Wirklich glücklich über den Coup wirkte der junge Manager aber nicht.
Der Eindruck täuschte nicht. «Der Verkauf ist bitter für mich», bekannte Gaydoul gestern mit entwaffnender Offenheit im Gespräch mit SonntagsBlick. Er habe aber keine andere Möglichkeit mehr gesehen, das Überleben des Familienunternehmens langfristig zu sichern.
Vorbereitungen für Verkauf dauerten ein ganzes Jahr
Aldi und Lidl haben Gaydoul in die Defensive gedrängt. Brancheninsider schätzen, dass die beiden deutschen Discounter zusammen schon in drei Jahren 3,375 Milliarden Franken Umsatz erwirtschaften werden. 35 Prozent dieser Einnahmen werden die beiden Billiganbieter von Migros holen, 9 Prozent von Denner – das wären pro Jahr 300 Millionen Franken weniger Umsatz. Dieses Szenario ist realistisch. Schliesslich haben sich die beiden Discount-Riesen in den Nachbarländern längst durchgesetzt. In Österreich kommen sie bereits auf 25 Prozent Marktanteil, im Herkunftsland Deutschland gar auf 40 Prozent.
Weil Gaydoul wusste, dass sein Unternehmen in den nächsten Jahren Umsatz, Marktanteile und damit auch an Wert verlieren würde, arbeitete er seit mehr als einem Jahr am grossen Befreiungsschlag. Systematisch streckte er seine Fühler nach allen Seiten aus. Dabei schaffte er das Kunststück, dass über seine Verkaufsabsicht und auch über die Verhandlungen mit der Migros bis zuletzt nichts nach aussen drang. Gaydoul weihte nur den Verwaltungsrat und sechs Vertrauensleute ein.
Ein Zusammengehen mit Coop wäre schwer gewesen
Ein Verkauf an Coop hatte ein grosses Handicap: Im Bereich Alkohol und Zigaretten hätte Coop/Denner über eine marktbeherrschende Stellung verfügt. Ein Zusammengehen hätte die Wettbewerbskommission deshalb kaum akzeptiert. «Ein Deal mit Coop wäre kartellrechtlich noch schwieriger gewesen als mit der Migros», räumt Gaydoul ein.
Spekuliert werden kann über den Preis. Denner operiert mit einer Gewinnmarge von 1,5 bis 2 Prozent. Bei einem Umsatz von 2,6 Milliarden Franken entspricht das einem Gewinn von rund 50 Millionen Franken im vergangenen Jahr. Aufgrund dieser Zahlen dürfte die Migros für Denner kaum mehr als eine halbe Milliarde Franken hinblättern.
Jetzt liegt der Ball bei der Migros. Sie muss beweisen, dass sie den Ansturm der deutschen Billiganbieter auf Denner abwehren kann. Gaydoul: «Migros muss sich mit aller Kraft auf die neue Konkurrenz vorbereiten. Sonst hat sie ein Problem.»
In der Printausgabe:
Grosses Interview mit Denner-Chef Philippe Gaydoul
Philipp Gaydoul (35) mit Verband: Ausgerechnet an seinem Geburtstag verletzte er sich am linken Zeigefinger.- Foto: Sabine Wunderlin