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(Illustration: Mix & Remix)
Firma fit, Familie futsch. Seit 40 Jahren hat sich die Produktivität der Unternehmen pro Arbeitsstunde verdoppelt. Die «Produktivität» der Familie aber ist dramatisch gesunken: Statt 2,4 bringen die Frauen in der Schweiz durchschnittlich nur noch 1,4 Kinder zur Welt. Zudem hat die Erziehungsleistung der Familie so sehr abgenommen, dass die Schule heute mit dem unbotmässigen Nachwuchs völlig überfordert ist.
Und das obwohl die Arbeitszeit in derselben Zeitspanne um gut sechs Wochenstunden gesunken ist! Das Problem: Die Arbeit fällt zunehmend dort an, wo es der Familie wehtut – in Nachtschichten, auf Abruf und vor allem in der Altersklasse zwischen 25 und 40. Und da Väter immer noch besser verdienen, müssen die Mütter nehmen, was übrig bleibt. Über 80 Prozent aller Teilzeitarbeit wird von Frauen geleistet.
Das alles geht der SP-Politikerin Simonetta Sommaruga auf den Geist. «Nach 40 Jahren Lippenbekenntnis zur beruflichen Gleichstellung der Frauen müssen wir Nägel mit Köpfen machen», meint sie. Ihr in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» lancierter Vorschlag, berufstätigen Vätern die Arbeitszeit auf maximal 70 Prozent zu reduzieren, stösst aber auf Widerstand.
«Das ist ein viel zu harter Eingriff in die persönliche Freiheit», meint die St. Galler Ökonomieprofessorin Monika Bütler. Auch Arbeitgeberdirektor Thomas Daum lehnt gesetzliche Regelungen strikt ab. Beide finden aber das Anliegen, Erwerbs- und Familienarbeit besser aufzuteilen, durchaus sinnvoll. Die zweifache Mutter Bütler kann auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen: «Mein Mann hat sein Arbeitspensum reduziert und einen Teil der Haus- und Erziehungsarbeit übernommen.» Daum muss passen: «Meine Frau ist Lehrerin, da kann man das Arbeitspensum leichter reduzieren.»
Sommaruga lässt sich von der Kritik nicht beirren. «Die Vorteile einer besseren Arbeitsteilung sind so enorm, dass man darauf nicht verzichten sollte», fasst sie zusammen und zitiert die Ergebnisse einschlägiger Studien: Betriebe mit familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen sind produktiver. Personen, die zu viel arbeiten, konsumieren mehr Fastfood, Nikotin und Alkohol. Und wie eine brandneue Studie aus England zeigt: Ehen, in denen die Männer zu Hause mitanpacken, werden deutlich weniger oft geschieden.
Professor François Höpflinger von der Uni Luzern weist auf einen weiteren Aspekt hin: «Warum sollen wir die 30- bis 45-Jährigen bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit belasten und dafür die über 60-Jährigen zwangsweise frühpensionieren? Der Soziologe hat einen konkreten Vorschlag: «Die Unternehmen sollten eine Reservearmee von Pensionierten unterhalten, die bei Bedarf einspringen kann.» So können Junge eher mal Pause machen, ohne zu befürchten, dass ihr Posten von einem Konkurrenten besetzt wird.
Dann könnten auch Frauen besser Kinder und Karriere verbinden. Sommaruga hat gezeigt, wie es auch geht. Sie ist mit dem Schriftsteller Lukas Hartmann verheiratet. Der hat drei Kinder in die Ehe gebracht und nutzt die Hausarbeit als Mittel zum beruflichen Erfolg: «Beim Putzen und Bügeln kommen mir oft die besten Ideen!»