Panikmache mit falschen Zahlen in Einkaufstourismus-Studie Die dreisten Tricks der Statistiker!

ZÜRICH - 10,7 Milliarden Franken sollen die Schweizer 2015 im Ausland ausgegeben haben, behauptet GfK Switzerland. Doch das ist eine haltlose Behauptung. Tatsächlich waren deutlich weniger als 10 Milliarden und weniger als vor zwei Jahren.

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«Schweizer geben 2015 rund 10,7 Milliarden Franken im Ausland aus», schreibt das Marktforschungsinstitut GfK Switzerland. Im Vergleich zur letzten Studie sei dies ein Anstieg von 6 Prozent. Das Problem dabei: Die Zahlen sind völlig aus der Luft gegriffen. In Wahrheit haben die Schweizer Einkaufstouristen letztes Jahr nicht nicht mehr, sondern weniger ausgegeben. 

Im Auftrag der IG Detailhandel hatte die GfK zwischen September und Dezember mehr als 4000 Personen online befragt. Doch die Resultate wurden grobfahrlässig verzerrt: Die GfK rechnete mit einem Wechselkurs von 1,24 Franken pro Euro. Damit wurden die tatsächlichen Ausgaben der Schweizer Konsumenten und Konsumentinnen künstlich aufgebläht.

Rechnet man mit dem realen Wechselkurs vom letzten Jahr (also etwa 1,05 Franken), fällt das Resultat ganz anders aus: Dann gingen die Ausgaben der Schweizerinnen und Schweizer um 15 Prozent auf 8,6 Milliarden Franken zurück. Berücksichtigt man, dass der Franken im Herbst schwächer wurde und nimmt einen Euro-Kurs von 1.09 Franken, betrugen die Ausgaben 9,5 Milliarden Franken.  

Ausgaben von Einkaufstouristen brechen um 20 Prozent ein

Doch auch das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Die GfK rechnet in den Gesamtbetrag auch die Ausgaben auf Geschäfts- und Ferienreisen mit ein. Die «gezielten Einkäufe im Ausland» – also das, was man im Normalfall unter Einkaufstourismus versteht – werden nur in den Folien separat ausgewiesen. Und siehe da: Sie schrumpften 2015 um 5 Prozent auf 4,8 Milliarden Franken. Auch hier rechnet die GfK mit einem fiktiven Frankenkurs. Die tatsächlichen Ausgaben (mit WK 1.09) betrugen 4,2 Milliarden Franken. Im Vergleich zu 2013 ist dies ein Rückgang um 900 Millionen oder 18 Prozent. 

GfK-Chef: Titel ist «unglücklich formuliert»

Von BLICK mit dem Manipulationsvorwurf konfrontiert, sagt GfK-Direktor Thomas Hochreutener, die eingangs zitierte Aussage, die auch der Titel der GfK-Medienmitteilung ist, sei «unglücklich formuliert». Der Entscheid, statt des realen Wechselkurses jenen von zwei Jahren zu nehmen, sei mit der IG Detailhandel gemeinsam getroffen worden. Ziel sei gewesen, die Vergleichbarkeit zu verbessern. Mengenmässig und in Euro gerechnet hätten die Schweizer letztes Jahr mehr im Ausland eingekauft. Hinter der IG Detailhandel stehen Migros, Coop, Denner und Manor

Publiziert am 18.02.2016 | Aktualisiert am 18.02.2016
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  • peter  schneiter 19.02.2016
    Das alles ist uninteressant. Fakt ist, dass sich Einkäufe im nahen Ausland immer lohnen. Wurden eigentlich die Onlineeinkäufe (Deutschland) auch berücksichtigt? Hier ist sicher jährlich eine viel höhere Summe zu erwarten.
  • Susanne  Keller aus Basel
    19.02.2016
    Also ich denke es ist bei weitem höher als angegeben. Meine Nachfrage bei vielen Geschäften zwischen Schaffhausen und Waldshut-Tiengen sprechen eine andere Sprache. Durchwegs sind im 2015 Zuwachsraten der "Schweizer-Schnäppchenjäger" zwischen 5 - 10 Prozent verzeichnet worden. Wobei auch dieses eher Tiefstapelei ist. Die Parkplätze der Läden sind bis 80 Prozent von CH-Kunden belegt. Wers nicht glaubt, soll sich mal die Mühe machen, an einem x-beliebigen Tag einen Überblich zu verschaffen.
  • Heiny W.  Dürr 19.02.2016
    Nun auch ich wage zu behaupten, dass diese "in Auftrag gegebenen" Statistiken an den Haaren herbei gezogen werden. Vergesst nicht, dass es heute kaum noch österr. /deutsche Geschäfte gibt, die die 20 Prozent, resp. 19 Prozent MwSt. wirklich noch ausbezahlen. In 99 Prozent der Einkäufe in A oder D werden max. noch 13 Prozent bis 15 Prozent der eigentlichen MwSt. ausbezahlt. Jetzt verdienen noch Inkasso Firmen mit !!
  • Hermann  Dornauer aus Bishkek
    19.02.2016
    Es ist wie immer, glaube nie einer Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast.
  • Vali  Hitz , via Facebook 18.02.2016
    Ich möchte gerne einmal Wissen wieviel jährlich nur Migros, Coop, Landi, etc. für Auslandeinkäufe (Importe vor allem von Lebensmittel, die wir hier auch herstellen) ausgeben....hört auf mit der ewigen Jammerei..
    • Guido  Jacopino aus Kriens
      19.02.2016