Lukratives Nebengeschäft Öffentliche Spitäler buhlen um reiche Patienten aus dem Ausland

ZÜRICH - Seit der Einführung von Fallpauschalen suchen Spitäler nach anderen Einnahmequellen. Etwa im Geschäft mit solventen Patienten aus dem Ausland.

  • Publiziert: 07.02.2012
  • Von Karin Müller
Die Ärzte stehen in Kontakt mit Experten in anderen Kliniken (Symbolbild) play Ausländische Patienten fliegen für komplizierte Eingriffe in die Schweiz. (sda)

Das Business mit dem Medizintourismus blüht. Gesundheitsökonomen schätzen die Einnahmen für die Schweiz auf rund 2 Milliarden Franken im Jahr. «Nebst verschiedenen privaten Kliniken zeigen vermehrt öffentliche Spitäler Interesse an internationalen Patienten», bestätigt Gregor Frei, Sprecher von Swiss Health.

Der Verein Swiss Health vermarktet beispielsweise die Kantonsspitäler Graubünden, Luzern oder Winterthur, Kinderpitäler und viele Fachkliniken.

Gewinnmarge liegt bei 15 bis 20 Prozent

«Wer jedoch denkt, es handle sich nur um Superreiche, die sich die Behandlung in einer Schweizer Klinik leisten, irrt», sagt Jan Sobhani, Mitbegründer der Patientenbetreuungsfirma Swixmed.

Diese Firma organisiert die besten Ärzteteams, übersetzt Patientenakten und übernimmt schon mal das Ärztegespräch für den Kunden. «Im Schnitt kostet eine Behandlung eines Kunden von uns rund 25'000 Franken», sagt Sobhani.

Natürlich gebe es auch Leute, deren Rechnung sich am Ende auf mehrere Hunderttausend Franken oder eine Million belaufe. Bei einer Gewinnmarge von 15 bis 20 Prozent zeigt sich, wie einträglich das Business ist.

Die Medizintouristen kommen beispielsweise aus Brasilien, Argentinien, arabischen Staaten, der Mongolei, Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken wie dem Baltikum.

Sonderwünsche werden gerne erfüllt und berechnet

Das Basler Unispital betreibt eigens dafür die Abteilung «International Service». «Wir betreuen rund 70 Patienten pro Jahr und machen einen Umsatz von 1,5 Mio. Franken», erklärt Andreas Bitterlin, Sprecher des Unispitals Basel. Der Medizintourismus ist gewinnbringend.

Bitterlin: «Da es sich in der Regel nicht um Notfälle, sondern um Wahleingriffe handelt, die eine längerfristige Planung zulassen, können wir Belegungs-Schwankungen ausgleichen.» Voraussetzung ist jedoch auch der professionelle Umgang mit Sonderwünschen.

Auch die Luxushotellerie profitiert

Das Erfüllen von Spezialwünschen sei hie und da etwas stressig, fügt Andreas Bitterlin bei: «Etwa das sofortige Installieren einer Satellitenschüssel, damit der Patient die Fussballmeisterschaft zu Hause in Dubai verfolgen kann.»

Übrigens profitiert davon auch die Luxushotellerie. Denn meistens reisen ausländische Patienten mit Familie an und wünschen Unterkünfte in 5-Sterne-Hotels.

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