Novartis-Chef Jimenez übt Selbstkritik: «Wir behalten zu viel für uns»

Novartis-Boss Joe Jimenez über hohe Medikamentenpreise, den gläsernen Patienten und die Zukunft des Gesundheitssystems.

Novartis-Chef Joe Jimenez muss den Rückgang der Quartalsergebnisse erklären (Archivbild). play
«Kein Erfolg - keine Bezahlung.» Novartis-Chef Joe Jimenez. KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

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Das Novartis-Krebsmedikament Gleevec kostete um das Jahr 2000 noch 36'000 Dollar, heute sind es schon 100'000 Dollar. Die Kosten im Gesundheitssektor explodieren, Hillary Clinton fordert eine Deckelung der Medikamentenpreise. «Die Kosten für Medikamente machen in den USA 15 Prozent der Gesamtkosten im Gesundheitssektor aus» kontert Novartis-CEO Joe Jimenez in der «NZZ am Sonntag». «Wir geben fast 10 Mrd. Dollar im Jahr für die Erforschung neuer Medikamente aus. Wenn wir ein sehr gut wirksames Medikament gefunden haben, dann erhöhen wir manchmal die Preise über die Zeit, um neue Innovationen zu finanzieren.» Aber der Pharma-Boss gibt sich durchaus selbstkritisch: «Angesichts von kommenden, neuen Therapien müssen wir einen Wechsel vollziehen zu einem System, bei dem die Pharmahersteller den Nutzen eines neuen Medikamentes mit dem Gesundheitssystem teilen. Im Moment behalten wir noch zu oft den gesamten Nutzen für uns allein.»

Das Modell müsse in Richtung Erfolgshonorar gehen: «Der Druck kommt von den Zahlern, also von Versicherungsgesellschaften oder grossen Spitälern. Es wird nicht mehr die Behandlung an und für sich honoriert, sondern der Erfolg der Behandlung. Kein Erfolg – keine Bezahlung.» Als Beispiel nennt Jimenez das Herzmedikament Entresto: Sinke die Zahl der Spitaleinweisungen wegen Herzinfarkten stärker als angenommen, werde Novartis am Erfolg beteiligt. Ist das nicht der Fall, gibts Rabatt.

Voraussetzung dafür ist, dass man die Patienten kennt - also totale Überwachung? «Es geht vor allem um die Erfassung von Ergebnissen», meint Jimenez. «Aber man kann sich eine Zeit vorstellen, in der die Leute rund um die Uhr medizinisch überwacht sind. Die Tech-Industrie spricht schon heute von unsichtbarer Beobachtung. Die Menschen werden es gar nicht mehr merken. Aber für den Herzpatienten, der vielleicht Tage vor einem potenziellen Infarkt Symptome zeigt, wird so ein System die rechtzeitige Intervention ermöglichen und so den Infarkt verhindern.»

Publiziert am 20.12.2015 | Aktualisiert am 20.12.2015
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  • Beat  Haueter 21.12.2015
    Ich sage schon lange, dass die Arztrechnung, inkl. Medikamente, erst bei völlig erlangter Gesundheit bezahlt werde soll. Wenn ich einen Tisch bei einem Schreine bestelle, muss ich erst bei Fertigstellung des Tischs bezahlen, und erst wenn ich keinen Fehler erkannt habe. Wieso muss im Krankheits- , äh Gesundheitswesen vorab bezahlt werden?!
  • Rolf  Hess 21.12.2015
    Die Mär von den riesigen Forschungskosten werden uns immer wieder aufgetischt. Es ist aber schon mehrmals bewiesen worden. dass für das Marketing, die Werbung und für die Salberei der Ärzte und Spitäler viel mehr Geld ausgegeben wird, als für die Forschung.
    Kommen die bekannten Tricks der Pharma noch dazu. Gleichwertiges neu verpacken und Preise mal 10 erhöhen. Generika und normale Medikamente Mischrechnen, damit die Abzocke funktioniert. Schaut doch die Gewinne und erzählt uns keine Märchen.
  • Ernst  Schaffhauser aus Bodensee
    20.12.2015
    jeder möchte Gesund alt werden, auch ich möchte Gesund alt werden, doch ich möchte auch Gesund Sterben, wenn ich sehe wie alte Menschen am Leben erhalten werden, mit Medikamenten und Maschinen, wie sie im Rollstuhl auf den Strassen herumgefahren werden, nichts mehr wahrnehmen, dann sage ich mit Bestimmtheit, ich möchte einmal Gesund Sterben, und nicht Medikamentös und Maschinell am Leben erhalten werden, nur um Geburtstage zu feiern die ich gar nicht mehr Wahrnehme, nein Danke
  • William  Quispe aus Bellinzona
    20.12.2015
    Die Krankenkassen sind eh nur noch Subventionen für chronisch Kranke, Komasaufer oder Menschen, die effektiv ein Leiden haben, das schlicht nicht finanzierbar ist. Ich habe diese Jahre der KK über 3000 "gespendet" und dafür keinen Rappen bekommen. Auf ein Leben hoch gerechnet gibt das bereits eine schöne Eigentumswohnung. Sowas ist doch krank.
    • Mike  Litoris 20.12.2015
      Weshalb unterliegt die Finanzierung der KK nicht der Progression? Es ist doch eine Art Sozialhilfe. Die hohen Prämien sind für die meisten Versicherten eine grosse Last, aber ein Milliardär frohlockt angesichts des bescheidenen Betrags.
    • André  Bühler aus Oberengstringen
      21.12.2015
      Hr. Quispe, Krank ist einzig und allein Ihr Vergleich zwischen Gesundheit und materiellen Werten Eigentumswohnung. Vielleicht sollten Sie die KK tatsächlich etwas belasten und Medikamente gegen Ihre unsägliche Arroganz einnehmen.
  • Ernst  Schaffhauser aus Bodensee
    20.12.2015
    der Mensch im Allgemeinen wird viel zu oft und viel zu lange künstlich am Leben erhalten, meistens möchte der Patient gar nicht mehr, doch die Familie, der Egoismus, und vor allem die ärzte, Spitäler wollen dass die Medikamente und die Maschinen Erforscht und benützt werden, Kostendeckend, Gewinnbringend, das ist das Zauberwort, so lange das so ist werden wir für unser Gesundheitswesen bezahle, nur wenn wir auch Gesund Leben können wir uns dagegen wehren, Rauchen und Alkohol des Menschen übel