Neues Swiss-Flaggschiff So viel Schweiz steckt in der 777

Erstmals fliegt die Swiss eine Maschine des amerikanischen Herstellers Boeing. Und stellte die amerikanischen Ingenieure vor eine Knacknuss, weil sie auf eine Nespresso-Maschine bestand.

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Dieser Sonderwunsch entpuppte sich als besonders knifflig. Die Swiss wollte unbedingt, dass Nespresso-Maschinen in die neuen Boeing 777-300ER verbaut sind. Aus Schweizer Perspektive logisch: Wenn etwas Schweizer Kaffeekultur verkörpert, dann das Kaffee-Kapsel-System. Doch in der Flugzeug-Industrie ist das nicht so einfach. «Wir haben anderthalb Jahre daran gearbeitet», sagt Larry Schneider (52), Chefingenieur des Boeing-777-Programms.

Angefangen hat es mit zahlreichen Tests: Hält eine Nespresso-Maschine Druckunterschiede aus? Funktioniert sie auf 10 000 Meter Höhe? Kann sie zum Risiko werden? «Es hat uns ganz schön viel Arbeit gekostet», sagt Schneider. Boeing musste die Nespresso-Maschine flugtauglich machen und zertifizieren lassen. «Am Ende ist es uns gelungen, aber es dauerte lange», sagt er und schmunzelt über die Schweizer Nespresso-Versessenheit.

Andere Schweizer Produkte im neuen Swiss-Flaggschiff sind weniger offensichtlich. Aber es gibt sie. Zum Beispiel vom Textil-Spezialisten Lantal aus Langenthal BE. Dieser liefert die Stoffe und Sitzbezüge für die Passagierkabine. Zudem produziert Lantal eine spezielle Polsterung für die Business-Class-Sitze. Die Materia-lien dürfen nicht entzündlich sein, müssen ein geringes Gewicht haben und trotzdem atmungsaktiv sowie komfortabel bleiben.

Internet an Bord

Premiere im neuen Swiss-Jet

Flugzeuge sind eine der letzten Bereiche des öffentlichen Lebens, die mit Internet ausgestattet werden. Dies, weil die Technologie hochkomplex ist. Mit der neuen 777 ermöglicht die Swiss erstmals Wi-Fi und Handy-Telefonieren über den Wolken. Ob auch die anderen Flugzeugtypen damit ausgerüstet werden, ist noch nicht entschieden.

Auch aus der Schweiz stammen die Bordküchen – im Fachjargon «Galleys» genannt. Die Firma Bu-cher Leichtbau aus Fällanden ZH entwickelte das Küchensystem aus Aluminium für den neuen Jet. Die komplexen Konstruktionen müssen so geräumig, übersichtlich und ausdauernd wie möglich sein. Gleichzeitig dürfen sie kein Gramm zu viel wiegen.

Die «Triple Seven» ist die erste Boeing-Maschine der Swiss. Bisher setzte sie in der Langstrecke ausschliesslich auf die europäische Konkurrenz Airbus. Diese arbeitet stärker mit Schweizer Zulieferern zusammen als Boeing – nicht zuletzt wegen der geografischen Nähe. An der Konstruk-tion des Airbus-Superjumbo A380 sind über ein halbes Dutzend Schweizer Firmen beteiligt. Und dies nicht nur beim Interieur, sondern auch in Rumpf- oder Flügelteilen.In der Kabine setzt die Swiss dafür stark auf das Schweiz-Gefühl. Denn: Swissness lässt sich verkaufen. Laut der Swiss stammen 70 Prozent der Bord-Produkte aus der Schweiz. Pro Jahr werden 2,4 Millionen Flaschen Schweizer Wein ausgeschenkt, 14 0 000 Kilo Schweizer Käse serviert und zwei Tonnen Bündnerfleisch aufgetischt.

Vor kurzem wurde bekannt, dass die Swiss in Deutschland und Österreich auf Personalsuche sei. Das kam gar nicht gut an, zumal sich die Lufthansa-Tochter stets als Schweizer Airline gibt. Die Swiss ihrerseits beschwichtigt: 80 Prozent der rund 8200 Angestellten hätten einen Schweizer Pass.

Publiziert am 31.01.2016 | Aktualisiert am 25.08.2016
Andrea Hohendahl, Wirtschaftsredaktor.
Kommentar

Schatten über der Ära Hohmeister

Mit Fanfaren und Trompeten hat Harry Hohmeister das neue Flaggschiff der Swiss nach Zürich überführt. Die «Tripple Seven» krönt damit die Ära des Swiss-Chefs.

Der Superflieger ist nicht nur bequemer und leiser als die A340-Maschinen. Die B777-300ER fliegt erst noch weiter und ist viel sparsamer als die alten Airbus-Flieger. Die Erneuerung der Langstreckenflotte aus Swissair-Zeiten war längst überfällig!

Doch ist es auch betriebswirtschaftlich gescheit, eine Flotte von mehreren Flugzeugherstellern zu betreiben? «Ja», sagt die Airline. Weil auch die Konzernmutter 777-Maschinen von Boeing kauft, winken Swiss grosszügige Rabatte.

Doch der wahre Lackmustest steht der Swiss erst noch bevor: Ob Hohmeister bei der Beschaffung der Ersatzmaschinen für Jumbolinos mit Bombardier wirklich aufs richtige Pferd gesetzt hat, wird sich zeigen. Denn im Gegensatz zur «Tripple Seven» besitzt ausser der Swiss keine andere Airline einen Jet der neuen C-Serie.

Der kanadische Hersteller hat wegen dieses Jets wahre Existenzängste. Es wurde sogar ein Verkauf an Airbus erwogen – allerdings vergebens. Sollte sich der Airbus-Konkurrent auch noch als Problemflieger erweisen, wäre der Glanz des scheidenden Swiss-Chefs schnell verblasst. Hohmeister würde sich dann wünschen, seine Flieger doch lieber in Toulouse statt in Montreal geordert zu haben.

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23 Kommentare
  • Therese  Boston 01.02.2016
    Für mich ist es lächerlich wie die "SWISS" von Blick und den stolzen Schweizern wieder als Nationalidentität dargestellt wird.
    Die Wahrheit ist: Auf Kosten des Steuerzahlers wurde die schweizer Luftlinie Swissairan die Lufthansa verscherbelt. Und es ist jetzt mehr oder weniger eine Deutsche Luftlinie.
  • Mi  Gros 01.02.2016
    Wenn die Swissness nur noch über eine Nespressomaschine in einer 250 Millionen teuren, im Ausland produzierten Flugkiste verkörpert wird, dann haben wir aber in der Schweiz punkto Innovation aber ziemlich nachgegeben :-)
  • Thomas  Müller 01.02.2016
    Was lernen wir nun aus dem Artikel, wieviel Schweiz in der 777 steckt? DIe Kaffeemaschine und die Sitzebezüge und sonst gar nichts. Warum eigentlich wird solch ein Theater um ein neues altes Flugzeug bei der Swiss gemacht?
  • Michael  Rudolf 31.01.2016
    Ich dachte die Nespresso Maschine funktionniert auf dem Jungfraujoch und auch in Chiasso.
    Hoppla, da mussten die Ingenieure aber scharf nachdenken - Gratulation.
    • James  Blond , via Facebook 01.02.2016
      Oftmals ist es sinnvoll den Artikel zu lesen bevor man einen Kommentar postet. Weder das Jungfraujoch noch Chiasso befinden sich 10000 Meter über Meer. Zudem macht es doch einen signifikanten Unterschied ob ein elektrisches Gerät in einem Flugzeug Feuer fängt oder in einem Restaurant aus dem man flüchten kann.
    • Michael  Rudolf 01.02.2016
      James Bond - ja lesen ist gut, aber Wissen ist noch besser! Ein Flugzeug, das in 10000 m Höhe fliegt hat einen Kabinendruck, der etwa 2500 müM entspricht.
      Und ... wo haben sie denn gelesen, das die Kaffeemaschine Feuer fängt?
    • Bernd  Hanak 01.02.2016
      @ Michael Rudolf, Nicht so vorlaut. In der Luftfahrt dürfen nur geprüfte Bauteile verwendet werden. Remember Kitzhornbahn, schon vergessen ? Da hat ein Verbrecher einen Heizlüfter vom Baumarkt eingebaut und 120 Menchen umgebracht.
    • Andreas  Keller , via Facebook 01.02.2016
      ...und wenn das Kabinendrucksystem versagt, muss sie trotzdem mehr aushalten, ansonsten ist das durch die Nespressomaschine explodierte Loch im Flugzeug die Absturzursache. Ja - es ist wie beim Schach spielen - man muss 1 Schritt weiter denken als Sie es tun Hr. Rudolf...
  • Don  Camillo 31.01.2016
    Auch wenn viel Schöngeredet wird, die Swiss ist eine Firme mit Sitz in der Schweiz in ausländischer Hand. Die Swissness ist ein reines Marketing-Instrument, mehr nicht. Seit man die Swissair hat grounden lassen, ist für mich diese Gesellschaft nicht mehr buchbar!