Neue Details im ACS-Untersuchungsbericht Enzler fädelte ein, Holenstein kassierte ab

BERN - Ex-Generalsekretär Stefan Holenstein hat möglicherweise zusätzliche Gelder des ACS zweckentfremdet. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der Treuhandfirma BDO.

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Guido Schätti

Es war wie im Mittelalter: Damals hatte die Kirche zwei Päpste, im Sommer 2016 hatte der Automobil Club der Schweiz (ACS) plötzlich zwei Präsidenten. FDP-Vizepräsident Christian Wasserfallen (35) liess sich am 23. Juni zum Gegenpräsidenten küren. Ende August setzte ein Berner Gericht der Posse ein Ende: Die Wahl Wasserfallens war ungültig.

Die Aufarbeitung der Affäre durch Gerichte und Experten dauert an. Fakten liefert nun der Bericht der Treuhandfirma BDO. Sie hat die Vorwürfe gegen Ex-Generalsekretär Stefan Holenstein (53), die Zürcher Sek­tionspräsidentin Ruth Enzler (48) und den amtierenden Präsidenten Mathias Ammann (52) untersucht. Die Zusammenfassung liegt BLICK vor.
Fazit: Enzler und Holenstein kommen flach raus. Ammann wird von den Vorwürfen entlastet. Er hat seine Spesen laut BDO «reglementskonform und vorschriftsgemäss abgerechnet».
Enzler wird im Bericht als «federführende Akteurin» des Putsches gegen Ammann identifiziert. Als ihre Helfer fungierten Holenstein und Martin Buchli, Präsident der ACS-Sektion Graubünden. Gegen ihn hat die Bündner Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen übler Nachrede eröffnet. Gegen Holenstein ermittelt die Berner Justiz. Der BDO-Bericht liefert ihr neues Material: Er bestätigt, dass sich Holenstein eigenmächtig bei der Kaderversicherung anmeldete und 2014 sowie 2015 knapp 49 000 Franken bezog. Neu ist, dass er 2016 weitere 24 400 Franken kassierte. Zudem rechnete Holenstein reglementswidrig 4242 Franken Kleinspesen ab, obwohl diese durch eine Pauschale von 10 000 Franken gedeckt waren.
Auch als Vorgesetzter muss sich Holenstein harsche Kritik gefallen lassen: Er sei «militärisch, autokratisch, zeitweise aber auch aggressiv und unbeherrscht» aufgetreten, steht im Bericht. Drei ACS-Angestellte hätten wegen ihm gekündigt.
Am nächsten Freitag wählt der ACS einen neuen Präsidenten. Ammann tritt nicht mehr an, Enzler will aber im Vorstand bleiben. Ammann fordert, dass auch sie abtritt: «Wenn Frau Enzler auch nur im Geringsten an den ACS denkt, stellt sie sich nicht zur Wiederwahl. Wir brauchen einen sauberen ACS ohne Falschspieler und Intrigantinnen.»
Enzler reagierte nicht auf Anfragen. Holenstein anerkennt den Bericht nicht: «Es handelt sich um ein wertloses Parteigutachten, das der höchst umstrittene ACS-Präsident in Auftrag gegeben hat. Die Vorwürfe sind konstruiert und halten vor keinem Gericht stand», sagt sein Sprecher Hans Klaus.

Publiziert am 09.09.2016 | Aktualisiert am 09.09.2016
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2 Kommentare
  • Thomas  Meier 10.09.2016
    Es isst sehr positif, dass sich Frau Emzler zur Wiederwahlt stellt.
  • Peter  Saluz aus Bern
    09.09.2016
    «militärisch, autokratisch, zeitweise aber auch aggressiv und unbeherrscht»? Das ist Führen nach Blocher-Prinzip. Das machen viele, die "kei Lust haben". Auch auf dem Tempelberg oder beim Zoll: es hat viele rechte Direktoren, die die GL mit einem Stammtisch verwechseln. Es ist traurig, dass Mensche heute noch Karriere machen, die über keine Soft-Faktoren verfügen und nachhaltig Führen, selber Vorbild sind. Folge ist Mobbing und viele psychische Krankheitsfälle bei den Mitarbeitern.