Nach Wärme-Winter 2015 Jetzt beschneien sie sogar die Gletscher

ZÜRICH - Der letzten Saison fehlte der Schnee: Für viele Skigebiete war sie ein mieses Geschäft. Deshalb machen Schneekanonenhersteller jetzt das grosse Geld.

Schneekanonen-Hersteller dick im Geschäft: Winter werden immer wärmer play

Unter Beschuss: Ab 2017 sollen auch Schweizer Gletscher beschneit werden.

Keystone

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Knapp 35 Zentimeter fehlen noch. Mit 50 Zentimetern Neuschnee hätte das Skigebiet Engelberg-Titlis schon gestern Skibegeisterte auf seine Hänge loslassen können. Aber es fielen nur 15 Zentimeter.

Die Saison wird deshalb wohl erst nächste Woche starten, oder am 22. Oktober. So lange will man künftig nicht mehr warten: «Wir planen, den Gletscher ab Herbst 2017 zu beschneien», erklärt Marketing-Leiter Peter Reinle (56). Die Vorteile: Eine Kunstschneeschicht könne die Sonnenstrahlung reflektieren und das Abschmelzen des Gletschers verhindern. «Zum anderen werden wir dann mit Sicherheit schon Anfang Oktober in die Saison einsteigen können.»

Schneekanonen-Hersteller dick im Geschäft: Winter werden immer wärmer play
Der Titlis-Gletscher soll ab 2017 beschneit und damit die Ski-Saison verlängert werden. SIGI TISCHLER

Nicht nur Engelberg-Titlis zieht mit Schneekanonen in den Kampf gegen grüne Skihänge. Laut Seilbahnen Schweiz (SBS) wird jede zweite Piste hierzulande beschneit – vor fünf Jahren waren es keine 40 Prozent. Kein Wunder: In warmen Wintern schmelzen sonst Umsätze und Gästezahlen dahin. Der schneearme Start in die letzte Saison war laut SBS eine «Hypothek», die in einem Minus von gut zehn Prozent bei Umsätzen und Gästezahlen im Vergleich zu den vier Vorjahren resultierte.

«2015 ist bei der Beschneiung ein Wendejahr»

Das grosse Geschäft machen jetzt die Schneekanonenhersteller. «2015 ist bei der Beschneiung ein Wendejahr», sagt Anton Bächler (80), der mit seiner Firma Schneemacher vertreibt. In diesem Jahr wollen die Kunden von Bächler Snow nicht mehr nur Steilhänge und Kanten beschneien, sondern möglichst alle Pisten.

Schneekanonen-Hersteller dick im Geschäft: Winter werden immer wärmer play
Schneemaschinen-Hersteller Anton Bächler verdoppelt 2016 den Umsatz von letztem Jahr Thomas Andenmatten

Bächler hat sein Festnetztelefon aufs Handy umgeleitet. Am Firmensitz in Oberkirch-Luzern ist er derzeit kaum anzutreffen, sondern Tag für Tag im Einsatz auf den noch grünen Pisten. Er stellt neue Schneewerfer auf, schaut, dass die Maschinen in Ordnung sind, zum Beispiel in Zermatt VS.

Gerade die niedriger gelegenen Skigebiete rüsten nun auf

Hier machen viele der 900 Kanonen aus einem Wasser-Luft-Gemisch auch dann Schnee, wenn es eigentlich regnet. Die Beschneiung funktioniert bis plus drei Grad. Eine Spezialschneekanone kommt sogar bis zu sommerlichen 30 Grad zum Einsatz. In den letzten zehn Jahren hat Zermatt fast 43 Millionen Franken in die Beschneiung gesteckt.

Neben Zermatt arbeitet Bächler mit knapp 100 anderen Schweizer Bergbahnen zusammen. Einige wollen nach dem schneearmen Winter neue Anlagen zukaufen und alte umrüsten. Gerade die niedriger gelegenen Skigebiete rüsten nun auf.

Die Pizolbahnen in Bad Ragaz SG etwa fühlten sich nach der warmen Saison 2015 in ihrer Entscheidung bestärkt, weiter in die Beschneiung zu investieren, sagt Geschäftsführer Klaus Nussbaumer (45). Die Mörlialp bei Giswil OW hat nach der letzten Skisaison entschieden, die Pisten noch stärker unter Schneekanonenbeschuss zu nehmen. Eine Viertelmillion Franken fliesst in diesem Jahr in die Beschneiung.

Beschneiung am Diavolezza-Gletscher geplant

Schneekanonen-Hersteller dick im Geschäft: Winter werden immer wärmer play
Piz Nair in Graubünden: Schon jetzt pflastern Kunstschnee-Pflatscher die Hänge. Screenshot

Schneemaschinenhersteller Bächler freuts: «Man kann schon jetzt sagen, dass wir den Umsatz von 2015 in diesem Jahr verdoppeln.» Auch anderswo brummt das Geschäft. Bei der Konkurrenzfirma Demaclenko in Wallenwil TG wimmelt man Anrufer gestresst ab: «Wir haben jetzt keine Zeit für Anfragen, wir sind in der Hauptsaison.» Schneekanonen der Firma stehen etwa am Piz Nair in St. Moritz GR. Dort kleben schon jetzt Kunstschnee-Pflatscher an den Hängen.

Der unweit davon gelegene ­Diavolezza-Gletscher könnte laut Gemeinde Pontresina GR ab Sommer 2017 beschneit werden. Aber nicht für den Skibetrieb, sondern als Alternative zu den ­Folien, die den Gletscher seit ­Jahren vor der Sonne abschirmen.

Publiziert am 09.10.2016 | Aktualisiert am 10.10.2016
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18 Kommentare
  • Ben  Alio 09.10.2016
    Da wimmelt es von Fachleuten...und oben drauf kommen dann noch Ricci Banzer und Rojo Riviera :-)
  • Yvonne  Henz-Kleger , via Facebook 09.10.2016
    kann man wieder zur normalen Natur retour? Ist doch nicht mehr normal, schaut doch noch, dass das ganze Jahr beschneit wird! Die Tourismusregionen sollten mal über die Bücher....... Preis etc.
  • Krill  Bill 09.10.2016
    Schnee und Schneesport ist - zumindest im aktuellen Jahrhundert - ein Auslaufmodell. Da nützen auch Schneekanonen nichts - oder wer will schon Skifahren, wenns rundherum grünt wie im Frühling! Aber anstatt sich Gedanken über alternative Geschäftsmodelle zu machen, werden Hänge zu Autobahnen geebnet und mit Schneespritzen überzogen! Sieht insbesondere im Sommer ganz auszeichnet aus und fügt sich hervorragend ins hochalpine Bild! So versauen sich die Tourismusdestinationen auch noch den Sommer...
  • Fritz  Kehrer 09.10.2016
    Mein lieber Mann. Das Wasser wird ja nicht aus den Trinkwasserreservoirs gepumpt, es ist Regenwasser welches in Becken gesammelt wird. Ausserdem wird der Kunstschnee nach dem Tauen wieder zu Wasser und komm so in die Sammelbecken.
    • Ricci  Banzer aus St. Gallen
      09.10.2016
      Ja, riesige Becken im Berg verbaut und wenns nicht reicht, pumpt man aus dem St. Moritzersee. Ich bin kein grüner aber bei allem Verständnis, solcher Unsinn solllte man lassen. Wie gesagt, wenn es keinen Schnee hat, gibt es andere Möglichkeiten, die Ferien zu geniessen. Wir alle sind schuld, dass es nicht mehr solche Schneemengen hat. Die Erde wird sich rächen.
    • Krill  Bill 09.10.2016
      Weise, sehr weise, Rici! Gehe mit Ihnen absolut einig. Es wird wärmer, Schnee wird Mangelware. Diese Temperaturänderungen gibt es seit Jahrmillionen, Schneekanonen nützen da lediglich dem Ego einzelner Individuen, die sich weder um Natur noch um unsere Nachfahren scheren. Aber so ist die Welt heute - leider...
  • Michi  Martin aus Aesch
    09.10.2016
    Für den Preis einer Woche Skiferien in der Schweiz, meist mit wenig, oder dann schlechtem Kunstschnee, reise ich 2 Wochen auf die warmen Kanaren, oder mache 12 Tage eine Kreuzfahrt. PS : Falls es mal Schnee hat, im Schwarzwald hat es nette Pisten und Pensionen, zu lockeren Preisen, ein Wochenende für Hotel, Halbpension und Skipass etwa 120 Euro !!!