Euro-Krise Nach Griechenland der Flächenbrand

  • Publiziert: 29.04.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Matthias Pfander

BRÜSSEL – Portugal, Italien, Spanien, Irland haben Milliarden-Schulden – die Griechen-Tragödie weitet sich aus. Und die Schweiz wehrt sich nach Kräften.

Europa ist in der Krise: Nach Griechenland und Portugal kommt jetzt auch Spanien unter die Räder: Das Land erhält ebenfalls schlechtere Noten für seine Kreditwürdigkeit. Diese Meldung sorgte gestern Abend dafür, dass der Euro gegenüber dem Dollar sofort auf Tauchstation ging.

Nur gegenüber dem Schweizer Franken bleibt der Euro seit Tagen verdächtig stabil. Obwohl die Meldungen zum Schuldendebakel in Griechenland immer heftiger werden. Der Grund: Die Schweizer Nationalbank gibt kräftig Gegensteuer, vermutet ZKB-Experte Andreas Küffer (siehe Interview unten).

«Wir sind nicht Griechenland»

Die Lage in Spanien ist dramatisch. Zwar wird immer wieder betont: «Wir sind nicht Griechenland!» Das stimmt: Der Schuldenberg ist weit weniger hoch.

Doch das Land hat eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent. Sprich: Jeder fünfte Spanier hat im Moment keinen Job. Und man rechnet, dass die Wirtschaft auch in diesem Jahr weiter schrumpfen wird.

Das Gewicht von Spanien innerhalb der EU ist zudem massiv: Das Land trägt über 8 Prozent zur Wirtschaftsleistung der EU bei. Zum Vergleich: Griechenland weniger als 2 Prozent. Und Portugal sogar weniger als 1 Prozent.

Deshalb sind die Auswirkungen ungleich grösser, wenn es Spanien wirtschaftlich mies geht.

Italien: Eine Liga höher als Spanien

Doch damit nicht genug: Neben Griechenland, Portugal und Spanien gehören auch Irland und Italien zu den Sorgenkindern der EU. Irland hat wirtschaftlich etwa dieselbe Bedeutung wie Griechenland. Italien hingegen spielt sogar noch in einer höheren Liga als Spanien.

Aber Italien will nicht in denselben Topf mit den kriselnden Euro-Ländern geworfen werden. Denn das Defizit von Italien ist gemessen an der Wirtschaftskraft nicht riesig und das Land hat beim Sparen eine eiserne Disziplin. Doch der Schuldenberg ist massiv: 117 Prozent des Bruttoinlandprodukts – das heisst, die Schulden sind höher als die Wirtschaftsleistung, die das Land in einem Jahr erbringt. Bei Griechenland sind es sogar 124 Prozent.

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Trotz Krise bleibt der Euro stabil – dank der Nationalbank

Blick.ch: Wieso bleibt der Euro zum Franken trotz Griechenkrise so stabil?

ZKB-Devisenexperte Andreas Küffer:
Man vermutet, dass die Schweizer Nationalbank die Finger im Spiel hat.

Was macht sie genau?
Indem sie Euro kauft, stützt sie den Kurs. Man vermutet, sie hält ihn bei 1.4325 Franken für 1 Euro.

Warum macht sie das?
Die Euro-Länder sind die wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Ein zu starker Franken ist für die Schweizer Export-Firmen Gift. Weil Schweizer Produkte verglichen mit der Konkurrenz zu teuer sind. Schon jetzt leiden die Schweizer Firmen unter dem starken Franken.

Wo wäre der Kurs, wenn die Nationalbank nichts machen würde?
Das ist schwierig zu sagen. Ich schätze, er würde etwa bei 1.40 Franken oder sogar noch tiefer liegen. (Interview Matthias Pfander)
play Trotz der immer grössen Krise im Euro-Raum: Im Verhältnis zum Franken bleibt der Euro stabil. (Keystone)

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