Nach 1,25 Mrd-Franken Verlust tritt Axpo die Flucht nach vorn an Elektroschock für die Steuerzahler

ZÜRICH - Axpo fährt im letzten Geschäftsjahr (per Ende September) 1,25 Milliarden Franken Verlust ein. Mit einer neuen Firmenstruktur will CEO Andrew Walo dem Strompreisverfall entgegenwirken.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Keinen einzigen Passagier befördert Uber-Heli floppt am WEF
2 Schweizer Homepage sagt es voraus So soll das iPhone 8 aussehen
3 Sein Sohn starb 2015 Biden spricht am WEF über den Kampf gegen Krebs

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
16 Kommentare
Fehler
Melden

Noch ist der Name erst ein Papiertiger: «Axpo Solutions» heisst die neue Einheit unter dem Dach des Energieriesen Axpo. Sie umfasst Geschäftsfelder wie erneuerbare Energieerzeugung, zum Beispiel Wind- und Wasserkraft. Das sind Bereiche, in denen Axpo-Chef Andrew Walo (53) «stabile Erträge» und «attraktive Wachstumschancen» ortet. Ende 2018 soll die neue Einheit startklar sein.

«Wir wollen nicht passiv auf eine Erholung des Preiszerfalls am Strommarkt warten», begründet Walo den Konzernumbau. Wegen des starken Frankens und der niedrigen Energiepreise hat der grösste Schweizer Stromkonzern, Lieferant von rund 30 Prozent des Schweizer Strombedarfs, das schlechteste Ergebnis der Unternehmensgeschichte eingefahren: 1,25 Milliarden Franken Verlust machte Axpo im letzten Geschäftsjahr.

Das dritte Jahr in Folge rote Zahlen

Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem der Konzern mit Sitz in Baden AG nun rote Zahlen schreibt. Über diesen Zeitraum hinweg läppern sich die Verluste auf über drei Milliarden Franken zusammen. Die Abschreiber auf dem Kraftwerkspark und langfristigen Stromlieferverträgen betragen sogar mehr als fünf Milliarden Franken.

Die Gründe für das Debakel sind Jahr für Jahr dieselben: Die Strompreise sind so tief, dass sie die Produktionskosten nicht decken. Die deutschen Milliardensubventionen für Ökostrom machen traditionelle Energieträger unrentabel. Hinzu kommt, dass Drecksstrom aus Kohle ebenfalls spottbillig ist, da die Verschmutzung mit CO2 praktisch gratis ist.

Keine Dividende für die Kantone  

Eine Dividende können sich die Axpo-Eigner – die Kantone der Nordostschweiz – einmal mehr ans Bein streichen. Der Einfluss der Kantone wird in Zukunft beschnitten. Der Verwaltungsrat wird von dreizehn auf neun Mitglieder geschrumpft. Politiker gehören dem Gremium künftig nicht mehr an, sondern nur noch Experten aus verschiedenen Fachgebieten.

Wer tritt zurück? «Noch ist es zu früh, um über Namen zu diskutieren», beschwichtigt Verwaltungsratspräsident Thomas Sieber (53). Nach der Axpo-Generalversammlung im kommenden Frühling sollen keine Personen mit Doppelmandaten mehr im Axpo-Verwaltungsrat sitzen. Bis zur Generalversammlung 2018 soll die Neubesetzung über die Bühne sein.  

Neben der neuen Geschäftseinheit gibt es eine zweite mit dem Titel «Axpo Power». Dazu gehören die Atomkraftwerke Beznau und Leibstadt sowie das Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern. Sie sollen laut Walo die Stromversorgung des Landes sicherstellen.   

Die Einheit «Axpo Power» sei keinesfalls ein Auslaufmodell, sagt Walo. Im Gegenteil: Es steckten dort langfristig grosse Wachstumschancen drin. Dass die jetzigen Besitzer in den nächsten Jahren weiteres Kapital einschiessen müssen, kann er nicht ausschliessen. Aber: «Ich bin nahe daran, zu sagen, dass wir dafür Gewähr bieten können.»

Wirtschaftschef: Guido Schätti (guido.schaetti@ringier.ch ) Philippe Rossier

Das meint BLICK

Verluste bleiben beim Staat

Die Stromwirtschaft und die Banken haben etwas gemeinsam: Beide haben die Zukunft falsch eingeschätzt und Milliarden von Franken verlocht. Die UBS musste vom Staat gerettet werden. Bei den Stromkonzernen ist das nicht nötig, sie gehören ohnehin dem Staat. Die Rechnung zahlen aber auch hier die Steuerzahler.

«Bad Bank»

Nun unterzieht sich Axpo einer Schönheitsoperation. Die unrentablen Wasser- und Atomkraftwerke kommen in eine Abwicklungseinheit. «Bad Bank» nennt die Finanzbranche solche Gebilde. Die ebenfalls unrentablen, aber hoch subventionierten neuen Energien werden in eine neue Firma ausgelagert und an private Investoren verscherbelt. Die bekannte Logik: Verluste dem Staat, Gewinne den Privaten.

Konsequent

Konsequent immerhin: Die Politiker ziehen sich aus dem Verwaltungsrat zurück. Sie haben bewiesen, dass sie vom Stromgeschäft nichts verstehen.

Publiziert am 22.12.2016 | Aktualisiert am 12.01.2017
teilen
teilen
0 shares
16 Kommentare
Fehler
Melden

16 Kommentare
  • Kai  Sutz 22.12.2016
    Es sollte uns bewusst sein, dass dies erst die Spitze des Eisbergs ist. Die Atomkraftwerke erwirtschaften jährlich mehrere hunderte Millionen Verluste und dies ist die logische wirtschaftliche folge davon. Wir, die Steuerzahler werden schlussendlich diese «Bad Bank» tragen müssen, wobei die horrenden Kosten des Rückbaus der AKWs noch nicht mal eingerechnet sind......Leider hat das Volk vor kurzem nein zur Atomausstiegsinitiative gestimmt...eine verpasste Chance!!
  • Elsbeth  Schmid 22.12.2016
    Da unsere Politiker an der neuen Geschäftsidee mitverdienen, ist doch klar, dass keine Einsprachen erfolgen. Da werden viele Gelder in der Bundes-Wandelhalle verteilt, damit die Politik nicht den Riegel schiebt. Die ausgelagerten Pleitefirmen darf dann der Bürger bezahlen. Zudem hat Herr Wimmer recht, ich habe noch nie von billigeren Strompreisen profitiert. Also wird weiterhin bei den örtlichen EW viel Geld verdient.
  • Arthur  Zwahlen aus Graubünden
    22.12.2016
    Der Blickkommentator sagt: Verluste bleiben beim Staat, und vergleicht Axpo mit UBS. Dabei vergisst er aber zu sagen, dass in Gegenteil zur UBS in den letzten 20 Jahren auch alle satten Gewinne beim Staat geblieben sind. Axpo ist nähmlich praktisch zu 100 Prozent im Hande des Staates (Kantone der Nordostschweiz) und alle Dividenden sind zu den Kantonen geflossen.
  • Klaus  Wimmer aus Biel
    22.12.2016
    Ich stelle fest, ich höre dass die Strompreise sinken, aber es kommt nichts davon beim Konsumenten an. Da drängt sich doch der Gedanke auf, dass die massiven Gewinne bei Tochtergesellschaften anfallen, davon wird es sicher eingige Dutzende geben.
  • Bernd  Matzgen 22.12.2016
    Würde man in Europa sämtliche staatlichen Eingriffe und Subventionen in die Stromwirtschaft verbieten, auch in die erneuerbaren Energien, dann sähe die Rechnung der Axpo anders aus und Wasserkraft würde rentieren. Vor Jahren konnte ja auch niemand ahnen, dass Europa eine sozialistische Planwirtschaft wird, a la ex UdSSR .
    • Liselote  Meier , via Facebook 22.12.2016
      Du weisst aber schon das Atomstrom genau so subventioniert ist? Scheinbar nicht. Direkt und Indirekt 7 Mrd. im Jahr. Und auch Falsch, der heutige Privatisierungsgrad ist um ein vielfaches höher als vor 20 Jahren hüben wie drüben.
    • Anselm-Gilbert  Karlen aus Naters
      22.12.2016
      Was bei der letzten Atom-Ausstiegsinitiative unverhohlen von Frau BR Leuthard gesagt hat, dass nicht alle Atomkraftwerke rentieren und somit künftig weniger in die Sicherheit investiert wird. Somit werden diese dann stillgelegt. Die Axpo mach nun mehr oder minder einen Epressungsversuch. Entweder ihr subventioniert die Atomkraftwerke oder wir legen diese still und es fallen Euch ( Kantonen) Milliarden Entsorungskosten an. Zudem zeigt die Axpo unverhohlen das die Neuen Energien rentieren werden.!