Muss jetzt die AHV gestärkt werden? Pensionskassen machen 4 Milliarden Verlust

Es sind verheerende Zahlen: Fast vier Milliarden Franken Verlust haben die Pensionskassen 2015 geschrieben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können sich nicht darauf einigen, wie unsere Renten zu retten sind.

Pensionskassen machen 4 Milliarden Verlust: Ist AHV stärken angesagt? play
Die Pensionskassen leiden unter dem Tiefzinsumfeld. Das hat Auswirkungen auf unsere künftige Renten. (Symbolbild) Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Banker-Legende Oswald Grübel (73) über Trump «Nehmen Sie nichts für bare...
2 WEF-Finanzchef Alois Zwinggi bringt Swissalp-Schwestern Pralinés «Ihr...
3 Bundespräsidentin Doris Leuthard im grossen Interview «Trump kann...

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
73 shares
40 Kommentare
Fehler
Melden

Es sind unvorstellbare Geldsummen. Schweizer Pensionskassen haben 2015 viel weniger aus ihren Kapitalanlagen eingenommen als noch im Vorjahr. Um 87,4 Prozent sackten die Erlöse auf rund 6,5 Milliarden Franken ab.

Laut den gestern publizierten Zahlen des Bundesamts für Statistik mussten die Pensionskassen in der Summe einen Verlust von 4 Milliarden Franken hinnehmen. Und dies trotz Auflösung von 13,3 Milliarden Franken Wertschwankungsreserven. Was zu tun ist, um unsere Renten zu retten, darüber streiten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände.

Gewerkschaften wollen Ausbau bei der AHV

«Es wird immer offensichtlicher, dass die Pensionskassen ihre Leistungsversprechungen nicht mehr einhalten werden können. Es wird zu massiven Rentenkürzungen kommen», warnt Thomas Zimmermann, Sprecher des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB). Er sieht deshalb das Vorhaben der Gewerkschaften bestätigt, die AHV als Kompensation auszubauen.

Am 25. September stimmen wir über die AHVplus-Initiative der Gewerkschaften ab. Sie will die AHV-Renten um 10 Prozent aufstocken. «Wenn wir das Rentenniveau halten wollen, müssen wir mehr einzahlen. Wir wollen die AHV stärken. Sie ist den Finanzmarktrisiken viel weniger ausgesetzt als Pensionskassen», begründet der Gewerkschafter die Initiative. «Zahlen wir hingegen mehr in die zweite Säule ein, kriegen wir dafür trotzdem weniger oder höchstens gleich viel Rente», warnt er.

Arbeitgeber wollen heutiges Rentenniveau halten

Anderer Meinung ist der Arbeitgeberverband. «Wer sichere Renten auf heutigem Niveau will, setzt sich für eine umfassende Reform ein», sagt Martin Kaiser, Vorsorgespezialist beim Arbeitgeberverband. Die Rede ist von der Rentenreform 2020. Sie umfasst Anpassungen sowohl in der ersten wie auch in der zweiten Säule. Der Arbeitgeberverband verfasste einen eigenen Entwurf dafür und stemmt sich darin strikt gegen einen Leistungsausbau. Ziel sei ein Halten des aktuellen Rentenniveaus. «Gemäss Bundesrat hätte die AHV wegen der unverantwortbaren Ausbauinitiative der Gewerkschaften ab 2030 jedes Jahr ein Finanzloch von 13 Milliarden Franken zu stopfen. Das ist mehr als der Gotthardbasistunnel insgesamt gekostet hat», rechnet Kaiser vor.

Die AHV sei zudem als umlagefinanzierte Versicherung viel stärker von der demografischen Alterung betroffen als die zweite Säule. «Im Moment finanzieren noch 3,5 Arbeitstätige einen Rentner. In 20 Jahren werden es nur noch zwei sein», warnt der Experte des Arbeitgeberverbands.

Publiziert am 07.09.2016 | Aktualisiert am 27.09.2016
teilen
teilen
73 shares
40 Kommentare
Fehler
Melden

40 Kommentare
  • Mike  Marti 08.09.2016
    So ists halt mit Schneeballsystemen. Früher oder später bricht das zusammen. Vorallem wenn man Leuten aus dieser Kasse Geld gibt, welche nie einen Beitrag geleistet haben und werden. Die AHV sollte getrennt werden und nur für wirklich nur den eingebürgerten vorbehalten sein und für alles andere muss eine andere Lösung her. Das darf nicht aus unserer Vorsorge stammen!
  • M  Stamm 08.09.2016
    Die Situation wird durch die Negativzinsen der SNB stetig verschlimmert. Obligationen, Aktien und Immobilien wurden durch die verfehlten Massnahmen der Zentralbanken auf Hoechstwerte getrieben. Eine Normalisierung der Geldmarktpolitik hat verheerende Folgen.
    • german  schnyder aus erschmatt
      08.09.2016
      ja die EU will immer tiefere zinsen und drückt EUROS wie verrückt
      das ist das wahre problem
      jahr 2000 1Euro 1.60franken
      2016 1Euro 1.09frankenken ca.
  • Gianclaudio  Moresi , via Facebook 07.09.2016
    Man kann die Pensionskasse auszahlen lassen, wenn man eine Eigentumswohnung oder ein Haus baut. Das ist eine sehr gute Investition.
    Die Ablösung der Pensionskasse ist aber eine abstruse Idee. Das Geld gehört der Person, die das Geld eingezahlt hat. Die AHV ist eine Kasse wo einige einzahlen, aber alle kassieren, auch die, die vielleicht in der Schweiz nur ein paar Jahren gearbeitet haben.
    • Claudio  Hammer aus Zürich
      08.09.2016
      Moresi: Das stimmt so nicht! Für jedes fehlende Beitragsjahr gibt es 2.3 Prozent weniger, ausserdem kommt es auf den Durchschschnittslohn während der Beitragsjahre drauf an.
      Ergo wenn man z.B. nur 15 Jahre einbezahlt hat, gibt es auch nur eine Minirente - da wird nicht einfach Geld verschenkt, wie Sie das hier darstellen.
      Und ohne Einzahlung gibts es überhaupt nichts!
  • Urs  Hagen 07.09.2016
    Da wird ein Obligatorium eingeführt, grosse Versprechungen gemacht um am Schluss dann die Hälfte zu bezahlen. Das Extreme dabei, Jahrzente lang haben die Pensuionskassenbosse Millionen an Löhnen abgeschöpft. Ich habe meine Hälfte der "versprochenen" Pensionskasse auszahlen lassen, nach dem Motto "lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach"
  • Christian  Meiergruber aus Winkel
    07.09.2016
    ist schon klar das Privat verwaltete Geldern in Krisenzeiten schnell mehr Verlust schreiben als Staatlich da es viel mehr Abzocker in den Kreisen gibt. Die Pensionskassen sind eine versteckte Bankensteuer die Verdienen ihr gutes Geld an uns und setzen daran alles so aussehen zu lassen das nach Abzug aller überrissenen Honorare und Boni weniger als Nichts mehr da ist.