USA verklagen Bank Wegelin Müssen weitere Schweizer Banken zittern?

  • Publiziert: 03.02.2012
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Muss fürs US-Geschäft geradestehen: Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler.

(Reuters)

NEW - Der Druck der USA gegen den Schweizer Finanzplatz im Kampf gegen Steuerbetrug steigt weiter: Das US-Justizministerium hat mit der Bank Wegelin erstmals ein Schweizer Finanzinstitut angeklagt. Bisherige Klagen der US-amerikanischen Behörden waren immer nur gegen Angestellte von Banken gerichtet.

Erst vor rund vier Wochen hat die New Yorker Staatsanwaltschaft Klage gegen drei Banker von Wegelin erhoben. In Folge dessen und in Voraussicht, dass es auch zu einer Klage gegen die Bank kommen dürfte , hat die Bank Wegelin letzte Woche einen Grossteil ihres Geschäfts an die Raiffeisen-Gruppe verkauft.

Bei der ältesten Schweizer Bank, die acht solidarisch und unbeschränkt haftenden Teilhabern gehört, verblieb einzig noch das Geschäft mit US-amerikanischen Kunden. Mit der Abspaltung und dem Verkauf aller anderen Tätigkeiten schützte Wegelin ihr einstiges Kerngeschäft mit vermögenden Kunden in der Schweiz und in Europa.

Denn eine Klage, wie sie nun in New York erhoben wurde, kann die Existenz einer Bank bedrohen, da Kunden in einem solchen Fall ihre Gelder abziehen und Geschäftspartner ihre Zusammenarbeit aufkündigen dürften. Der geschäftsführende Teilhaber Konrad Hummler begründete den Verkauf denn auch mit der existenzbedrohenden Lage, in welche die Bank wegen der rechtlichen Auseinandersetzung mit den US-Behörden geraten sei.

Mit der Klage gegen Wegelin verhängt ist auch die UBS: Laut Anklageschrift waren es in gewissen Fällen ihre Berater, welche US-amerikanischen Kunden einen Wechsel zu Wegelin empfahlen, als die Grossbank unter dem Druck der Untersuchung der US-Behörden das grenzüberschreitende Geschäft mit US-Kunden aufgaben.

Eine Klage gegen die UBS lag auch in der Luft, als sich die Schweizer Regierung in die damalige Auseinandersetzung zwischen der UBS und den USA einschaltete und schliesslich 2009 jenen Staatsvertrag aushandelte, welche die Schweizer Grossbank zur Zahlung einer Busse von 780 Mio. Dollar verdonnerte und die Lieferung der Bankdaten von bis zu 4450 US-amerikanischen Kunden vorsah.

Laut der Anklageschrift hat die Bank Wegelin mindestens 70 US-Kunden übernommen, die vorher Konten bei der UBS hatten. Die Bank Wegelin sei an einer Verschwörung beteiligt gewesen, durch die über 1,2 Mrd. Dollar vor der US-amerikanischen Steuerbehörde (IRS) verborgen wurden.

Rechtsprofessor: «Es drohen weitere Klagen»

blick.ch: Wegelin ist in den USA angeklagt. Was droht Konrad Hummler & Co?

Rainer Schweizer: Ihnen drohen nun sehr lange Prozesse.

 

Letzte Woche hat die Raiffeisen das Schweizer Geschäft von Wegelin übernommen. Ist das sicher?

Ja, das ist eine sehr gute und saubere Lösung und im Gegensatz zu den anderen Banken wird hier sicher gestellt, dass weder Mitarbeiter noch Kunden in Prozesse verwickelt werden.

 

In den USA laufen noch weitere Verfahren gegen Schweizer Banken. Drohen weitere Strafanklagen?

Ganz sicher. Davon müssen wir ausgehen.

 

Die Frage hängt im Raum, ob sich die US-Behörden mit Bern abgesprochen haben.

Das ist auch die Frage, die mich beschäftigt. Haben die Amerikaner sich mit Bern abgesprochen, oder nicht.

 

Und was meinen Sie?

Ich halte es für denkbar, dass man sich wegen der Bank Wegelin den Amerikanern nicht entgegen gestellt hat, um die CS, ZKB und andere grosse Banken zu retten.

 

Rainer Schweizer ist Rechtsprofessor an der Uni St. Gallen

Hummlers Kommentar zu Anlagen in den USA

«It’s time to say Goodbye», schrieb Kondrad Hummler am 24. August 2009 in seinem 265. Anlagekommentar, in dem er unmissverständlich empfiehlt, sich von den Amerikanern zu verabschieden. Auf der Wegelin-Homepage ist das Dokument nicht mehr verfügbar. Die Seite «finews.ch» hat es aber gerettet. Da steht: «Aggressives Potential und wirtschaftliche Entfaltung schliessen sich gegenseitig aus. Deshalb ist man wohl gut beraten, ganz generell den Abschied von Amerika zu vollziehen. Das schmerzt, denn die USA waren einmal die vitalste Marktwirtschaft der Welt. Aber bis auf weiteres muss es heissen: It’s time to say Goodbye.» Dumm nur, dass sich Hummler seinen eigenen Rat nicht befolgt. (Bö)

Link zum Kommentar als PDF.

Kommentare (24)

  • Walter Hermann  Fröhlich-Gantenbein
    Solange die USA Banken das Bankgeheimnis wirkungsvoll schützen können, solange sollte dies auch für die Schweizer Banken möglich sein. Zudem ist in Sachen Steuerbetrug der jeweilige Kontoinhaber und Steuerdeklarant für korrekte Angaben verantwortlich und nicht das Depot des Geldes..Bisher haben es die USA vorzüglich verstanden von den eigenen Schuldenproblemen abzulenken.
    • 04.02.2012
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  • Manfred  Wild
    Der Bundesrat, allen voran Frau Widmer tun ja alles daran kräftig mitzuhelfen. Frei nach dem Motto "Darf es noch ein bisschen mehr sein"? Wirklich beschämend wie die Schweiz vor allen zu Kreuze kriecht.
    • 03.02.2012
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  • Urs  Schaad , Zürich
    Die USA ist daran, den Schweizer Finanzplatz platt zu machen. Dem kapitalismusfeindlichen Bern und dem Publikum gefällt dies und die Massnahmen beschränken sich auf leises Applaudieren. Ich wünsche mir einfach, dass unsere beste Frau im Finanzdepartement eine Lösung hat, wie man dann die 50000 Arbeitslosen trotz Steuerausfällen der Banken und den Staatshaushalt ohne Mehrverschuldung finanzieren kann, ohne dass auch dem Schadenfreudigen die Rente verloren geht. Nach den Reichen trifft es letztlich die Übriggebliebenen, denen das Lachen noch im Halse stecken bleiben wird.
    • 03.02.2012
    • 2 Gefällt mir
    • Buhler  Roland , 11352 queens NY.USA
      wo bleiben den die klagen gegen die USA und den total bewuste verkauf von investmetns papieren welche aus ncihts anderem als unter unter dem niveau an leverage an die CH baenkler und deren kunden angegepriesen wurden ,, nicht nur ist das ein versstoss im int banken aggreement welche s ja bekanntlich die 9 due diligent eindaemmen sollte um schnelle und unbehinderte geschaefte abwickeln kann wo sind diese banken interne arbitrations verhandlunfg und die strafen busse gegen die uSA bankers, verschleierugn taktik und der verstodss der obiugen handels prinzipes und die ausbezahlung an kunden verluste wo sind diese den,0
      waarum klagt die Schweizerische B - V waltungs aemter der zustaendigen aemter nciht die USA an warum ????
      erklaer mir das,,, wir haben eine idiotin von BR justie udn hat keine ahnung von intl , handel abkommne , und intl banken abkommne sowie die kenntnise der Basle 1 regelung und gesetze,, amenm
      • 03.02.2012
      • als Kommentar auf Urs  Schaad , Zürich
      • 2 Gefällt mir
  • M.  R.
    Die schweizerischen Banken muessen vorsichtig sein mit Geschaeften mit Amerika.Eins muss man wissen man hat mal bezahlt an die Amerikaner,dann sind sie hungrige wie Woelfe,die die naechste Gelegenheit abwarten um wieder abzukassieren.Deshalb waere doch gescheiter Geschaefte mit Amerikanern in der Schweiz zu machen,als sich zu treffen in Amerika.Weil Amerika beobachtet euch in Amerika.....
    • 03.02.2012
    • 1 Gefällt mir
  • Christian  Dürig , Bern
    Die USA tun nur das einzig Richtige. Schurken gehören hinter Gitter.
    • 03.02.2012
    • 3 Gefällt mir
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