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Muss fürs US-Geschäft geradestehen: Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler.
(Reuters)Erst vor rund vier Wochen hat die New Yorker Staatsanwaltschaft Klage gegen drei Banker von Wegelin erhoben. In Folge dessen und in Voraussicht, dass es auch zu einer Klage gegen die Bank kommen dürfte , hat die Bank Wegelin letzte Woche einen Grossteil ihres Geschäfts an die Raiffeisen-Gruppe verkauft.
Bei der ältesten Schweizer Bank, die acht solidarisch und unbeschränkt haftenden Teilhabern gehört, verblieb einzig noch das Geschäft mit US-amerikanischen Kunden. Mit der Abspaltung und dem Verkauf aller anderen Tätigkeiten schützte Wegelin ihr einstiges Kerngeschäft mit vermögenden Kunden in der Schweiz und in Europa.
Denn eine Klage, wie sie nun in New York erhoben wurde, kann die Existenz einer Bank bedrohen, da Kunden in einem solchen Fall ihre Gelder abziehen und Geschäftspartner ihre Zusammenarbeit aufkündigen dürften. Der geschäftsführende Teilhaber Konrad Hummler begründete den Verkauf denn auch mit der existenzbedrohenden Lage, in welche die Bank wegen der rechtlichen Auseinandersetzung mit den US-Behörden geraten sei.
Mit der Klage gegen Wegelin verhängt ist auch die UBS: Laut Anklageschrift waren es in gewissen Fällen ihre Berater, welche US-amerikanischen Kunden einen Wechsel zu Wegelin empfahlen, als die Grossbank unter dem Druck der Untersuchung der US-Behörden das grenzüberschreitende Geschäft mit US-Kunden aufgaben.
Eine Klage gegen die UBS lag auch in der Luft, als sich die Schweizer Regierung in die damalige Auseinandersetzung zwischen der UBS und den USA einschaltete und schliesslich 2009 jenen Staatsvertrag aushandelte, welche die Schweizer Grossbank zur Zahlung einer Busse von 780 Mio. Dollar verdonnerte und die Lieferung der Bankdaten von bis zu 4450 US-amerikanischen Kunden vorsah.
Laut der Anklageschrift hat die Bank Wegelin mindestens 70 US-Kunden übernommen, die vorher Konten bei der UBS hatten. Die Bank Wegelin sei an einer Verschwörung beteiligt gewesen, durch die über 1,2 Mrd. Dollar vor der US-amerikanischen Steuerbehörde (IRS) verborgen wurden.
blick.ch: Wegelin ist in den USA angeklagt. Was droht Konrad Hummler & Co?
Rainer Schweizer: Ihnen drohen nun sehr lange Prozesse.
Letzte Woche hat die Raiffeisen das Schweizer Geschäft von Wegelin übernommen. Ist das sicher?
Ja, das ist eine sehr gute und saubere Lösung und im Gegensatz zu den anderen Banken wird hier sicher gestellt, dass weder Mitarbeiter noch Kunden in Prozesse verwickelt werden.
In den USA laufen noch weitere Verfahren gegen Schweizer Banken. Drohen weitere Strafanklagen?
Ganz sicher. Davon müssen wir ausgehen.
Die Frage hängt im Raum, ob sich die US-Behörden mit Bern abgesprochen haben.
Das ist auch die Frage, die mich beschäftigt. Haben die Amerikaner sich mit Bern abgesprochen, oder nicht.
Und was meinen Sie?
Ich halte es für denkbar, dass man sich wegen der Bank Wegelin den Amerikanern nicht entgegen gestellt hat, um die CS, ZKB und andere grosse Banken zu retten.
Rainer Schweizer ist Rechtsprofessor an der Uni St. Gallen
«It’s time to say Goodbye», schrieb Kondrad Hummler am 24. August 2009 in seinem 265. Anlagekommentar, in dem er unmissverständlich empfiehlt, sich von den Amerikanern zu verabschieden. Auf der Wegelin-Homepage ist das Dokument nicht mehr verfügbar. Die Seite «finews.ch» hat es aber gerettet. Da steht: «Aggressives Potential und wirtschaftliche Entfaltung schliessen sich gegenseitig aus. Deshalb ist man wohl gut beraten, ganz generell den Abschied von Amerika zu vollziehen. Das schmerzt, denn die USA waren einmal die vitalste Marktwirtschaft der Welt. Aber bis auf weiteres muss es heissen: It’s time to say Goodbye.» Dumm nur, dass sich Hummler seinen eigenen Rat nicht befolgt. (Bö)
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