Unique vergoldete Direktor – Aktionäre wussten von nichts Millionen-Bonus für was?

Wie es sich gehört für einen Schlossherrn: 2007 hat Josef Felder 2,5 Millionen ausbezahlt bekommen – drei Mal mehr als 2006.

  • Publiziert: 14.03.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Marcel Speiser und Daniel Meier
play Ex-Unique-Chef Josef Felder bekommt rund einen Drittel des Bonustopfs. <br></br> (Keystone)

Über 2,5 Millionen Franken hat Josef Felder (46) für sein letztes Jahr als Flughafen-Chef ausbezahlt bekommen. Nachzulesen ist das im neuen Geschäftsbericht von Unique. Dort steht auch, was der Flughafen Felder für das Jahr 2006 überwiesen hat: 813 047 Franken. Rechne: Die Überweisungen an Felder haben sich mehr als verdreifacht.

Eingeschenkt hat vor allem ein sogenannter «Langzeitbonus» von deutlich über 1,5 Millionen Franken. Dieses Extra-Zückerchen hat Felder laut Unique-Sprecher Jörn Wagenbach «über mehrere Jahre erarbeitet. 2007 kam der Langzeitbonus dann zur Auszahlung».

Seltsam. Fast 33 Prozent des Flughafens gehören dem Kanton Zürich und weitere 5 Prozent der Stadt Zürich. Also den Steuerzahlern. Und die würden gerne wissen, in welchem Zeitraum Felder den Millionen-Bonus verdient hat. Sie möchten eine Begründung für die dicke Extrazahlung hören. Und sie haben ein Recht zu erfahren, weshalb Felder in den Genuss eines Langzeitbonus kommt, nicht aber die anderen Unique-Manager.

Seltsam ist ausserdem: In den bisherigen Geschäftsberichten wurde Felders lukrativer Bonus verschwiegen. Obwohl er nicht erst 2007 eingeführt worden ist. Noch komischer ist, dass Flughafen-Sprecher Wagenbach beim Langzeitbonus von einer «vertraglichen Verpflichtung» spricht. Somit war es kein freiwilliger Zustupf. Gleichzeitig schreibt Unique aber: «Weder im 2006 noch im 2007 wurden Abgangsentschädigungen oder andere langfristige Vergütungen ausgerichtet.» Was gilt jetzt? Ist der Langzeitbonus keine langfristige Vergütung? Doch Unique bleibt hart: «Weitere Details gibt es nicht.»

Zuständig für die Zahlungen an Ex-Konzernchef Felder ist der Verwaltungsrat, präsidiert von Andreas Schmid (50). Der Profi-Verwaltungsrat sitzt auch im Entschädigungsausschuss. Zusammen mit dem Anwalt Kaspar Schiller (60) und dem Direktor der Zürcher Handelskammer, Lukas Briner (60). Zu Felders Gehaltssprung wollten sich die drei Herren nicht äussern. Gleich halten es die zwei Politiker im Verwaltungsrat (siehe Text ganz rechts).

Trotz totaler Funkstille ist klar: Das gesamte Gremium war mit dem Super-Bonus für Felder einverstanden. Denn: «Die Entschädigungen werden vom Verwaltungsrat, auf Antrag des Nomination & Compensation Committee, festgesetzt.» Das hält Unique unmissverständlich fest.

BLICK wollte auch mit Josef Felder selbst über seinen Langzeitbonus sprechen. Er liess ausrichten, er habe keine Zeit für Presseanfragen. Das ist sein gutes Recht: Felder trat Mitte Januar nach neun Jahren als Flughafenchef zurück.

Selbst ohne den Langzeitbonus ist Felders letztes Arbeitsjahr mit einem Lohnsprung versüsst worden: plus 20 Prozent auf knapp eine Million Franken. Noch besser erging es der Geschäftsleitung als Ganzes: Der Verwaltungsrat erhöhte die totale Lohnsumme für die obersten fünf Angestellten um 37 Prozent auf knapp 3,8 Millionen. Das ist notabene ohne den Spezialbonus für Felder gerechnet.

Für den Rest der gut 1500 Flughafen-Angestellten gab es weniger. Ihre Gehälter wurden um 3 Prozent erhöht. Kein Wunder reichte es nicht für mehr: Vom gesamten Bonustopf reservierte der Verwaltungsrat rund 30 Prozent allein für Felder.

Shopping – damit verdient Unique Geld

Der Flughafen ist zum Fliegen da. Sicher. Immer wichtiger aber ist: Der Flughafen ist zum Shoppen da. Nicht nur für Passagiere.

Der frühere Globus-Chef Thomas Kern ist nicht ohne Grund der Nachfolger von Josef Felder: Er kennt sich bestens aus mit Shopping-Centern. Und einem solchen gleicht der Flughafen immer mehr. Es gibt die Migros, CD-Läden, Kaffees, Schuhgeschäfte, Restaurant, Uhren-Boutiquen, Modehäuser, Bars, bald sogar ein neues Hotel. Abgesehen von den Zollfrei-Läden ist der grösste Teil der Shops auch zugänglich für jene, die am Boden bleiben. Fast 40 Prozent des Umsatzes macht Unique mit dem Nicht-Flug-Geschäft. Kassiert Parkgebühren, vermietet Läden, ist am Umsatz beteiligt. Letztes Jahr summierte sich das Ganze auf 307 Millionen Franken. Und das Nicht-Flug-Geschäft ist für Unique viel lukrativer als die Fliegerei.

Marcel Speiser

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