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Am Montag ging ein mittleres Beben durch die Bankenwelt. Die erfolgsverwöhnte UBS meldete einen Verlust von vier Milliarden Franken im Sog der US-Hypothekenkrise.
Direkt betroffen ist davon auch Präsident Marcel Ospel (57) – 26,6 Millionen Franken Jahresgehalt. Nach dem US-Fiasko wird es weniger sein. Sinkt das Geschäftsergebnis, gehen auch die Vergütungen zurück. Davon sei auch er persönlich betroffen, erklärte Ospel der NZZ.
«Ich gehe davon aus, dass der Kompensationsausschuss des Verwaltungsrats meinen Lohn zurücknimmt.» Um wie viel? Die UBS will nicht weiter kommentieren. SonntagsBlick schätzt Ospels Einbusse beim prognostizierten Jahresgewinn von zehn Milliarden Franken auf etwa zwei Millionen.
Ospels Statement vom Samstag war seine erste Wortmeldung nach dem Debakel. Zuvor schien der oberste UBS-Banker wie vom Erdboden verschluckt. Ausgerechnet er, der sein Spitzengehalt gerne mit seiner Rolle als «aktiver Präsident» legitimiert, glänzte in einer der grössten Krisen der Bank durch komplette Abwesenheit.
Dafür hat die UBS eine Erklärung: Der neue CEO Marcel Rohner (43) sollte bei seinem ersten grossen Auftritt als Krisenmanager nicht in Ospels Schatten stehen. Rohner bestand die Feuerprobe mit Bravour. Der Befreiungsschlag glückte. Vier Milliarden Franken sind weg, doch die Unsicherheit auch. Der Aktienkurs schoss nach oben. Analysten lobten, dass sich die Grossbank durch den dramatischen Abschreiber viel Luft verschafft habe.
Und doch stand der grosse Abwesende Ospel im Fokus. Gleich an der Telefonkonferenz vom Montag fragte ein Journalist stellvertretend: «Ziehen die Krisen am UBS-Verwaltungsrat und am Präsidenten eigentlich immer spurlos vorbei?» In der Finanz- und Medienwelt machte sich Unmut breit. Schliesslich war es Ospels Traum gewesen, die UBS zur Weltspitze im Investmentbanking zu führen.
Bis 2008 sollte sie die Nummer eins sein. Als der Bereich 2006 schwächelte, machte der Präsident seinen Leuten Dampf: «Ich hasse es, wenn Wettbewerber an uns vorbeiziehen, die wir längst hinter uns glaubten.» Die US-Expansion trägt Ospels Handschrift. Und dann kein Wort zum grossen Taucher in ebendiesem Geschäft?
PR-Spezialisten sehen darin den Versuch, die Kritik so weit wie möglich vom Verwaltungsrat fernzuhalten. «Kommunikation ist ein starkes Führungsinstrument – gerade die UBS zeigt das immer wieder. Sie schafft es meisterlich, die öffentliche Wahrnehmung zu steuern», sagt einer der besten Kommunikationsprofis im Land.
Zuletzt zu beobachten war dies beim abrupten Abgang von CEO Peter Wuffli (49). Die Bank verbreitete eine offizielle Version, die mehr Fragen aufwarf, als sie beantwortete. Marcel Ospel höchstpersönlich wischte die Widersprüche in Interviews vom Tisch. «Kompliment, zumindest aus professioneller Sicht», meint ein PR-Mann. «Ob die Taktik auf Dauer aufgeht, steht auf einem anderen Blatt.»
Interview-Anfragen an Ospel wurden Anfang Woche kategorisch abgewiesen. Am Mittwoch wurde die Kritik beissend: «Müsste nicht auch der Verwaltungsrat der UBS geradestehen?», fragte die «Finanz und Wirtschaft». Der «Tages-Anzeiger» titelte: «Gesucht: Marcel Ospel, UBS-Präsident». Und kritisierte, dass man von jenem «keinen Pieps» höre.
Und siehe da, gestern tauchte der Präsident auf und sagte in Interviews: «Mea culpa.» – «Der Verwaltungsrat hat seine Pflicht wahrgenommen», versichert der UBS-Präsident Ospel der «Finanz und Wirtschaft». Und gegenüber der NZZ: «Wir haben enttäuscht, wir sind enttäuscht. Dennoch, wir werden gestärkt aus dieser Erfahrung hervorgehen.»
Das Gefühl für die Stimmungslage im Land hat der Mann aus Kleinbasel trotz Machtfülle nie verloren. «Ospel hat einen unverzichtbaren Sensor und spürt die Brisanz der Themen», analysiert Dirk Schütz im Buch «Herr der UBS». Der Autor schreibt dieses Gespür Ospels kleinbürgerlicher Herkunft zu.
In der Tat: Der Banker, der als Lehrling einen Monatslohn von 110 Franken bezog, stellt sein Sensorium einmal mehr unter Beweis. Noch so bereitwillig gibt Ospel in den jüngsten Interviews über seine Lohnkürzung Auskunft.