Migros füllt die Taschen Die Döner-Connection

Döner Kebab ist so beliebt wie Burger oder Pizza. Rund 8000 Tonnen Fleisch werden pro Jahr zu Fleischspiesse verarbeitet. Die Migros ist der grösste Döner-Lieferant überhaupt.

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Der Burger als Star des Schnellimbisses. Das war einmal. Wenn es heute rassig gehen muss, greift man gerne mal zum Döner. Den Kebab am Spiess gibt es fast schon an jeder Strassenecke. 1300 Imbissbuden sollen es in der Schweiz sein. Zum Vergleich: McDonald’s und Burger King haben zusammen etwas mehr als 200 Restaurants.

Das Geschäft mit dem würzigen Grillfleisch brummt. Täglich werden viele Tonnen von Kalb, Lamm, Rind und Poulet durch den Fleischwolf gedreht und zu einer grossen Masse als Fleischspiess verarbeitet. Klar, dass bei diesen Mengen Fleisch auch die beiden Grossverteiler mitmischen möchten. Die Mig­ros-Tochter Micarna deckt rund 70 Prozent des Fleischbedarfs des grössten Dönerproduzenten Royal Döner ab.

Mit dem richtigen Riecher zum Kebab-König

Nicht umsonst ist Demir Zeynel (59) der unangefochtene König der Kebab-Branche. Sein Unternehmen Royal Döner aus Winterthur ZH besitzt einen Marktanteil von fast 70 Prozent. 1990 kam er als kurdischer Asylbewerber in die Schweiz. Sein Riecher erwies sich als goldrichtig, als er 1992 in einer Hinterhofmetzgerei in Winterthur mit dem Produzieren von Döner begann. Damals war der Fleischimbiss noch etwas Exotisches.

Inzwischen fabriziert das millionenschwere Fleischimperium mit seinen weit über 100 Mitarbeitern 15 Tonnen Spiesse pro Tag. Diese liefert Royal Döner an rund 700 Kunden in der ganzen Schweiz. Punkto Umsatz gibt man sich zugeknöpft: «Das kommunizieren wir nicht», sagt ein Sprecher. Laut Schätzungen dürften es gegen 40 Millionen Franken sein, die Royal Döner mit seinen Kebabs und anderen Produkten erwirtschaftet.

8000 Tonnen Fleisch pro Jahr

Die Nummer zwei in der ­Dönerproduktion heisst Birlik und stammt aus Kriens LU. «Wir verarbeiten pro Tag sieben Tonnen Fleisch», sagt Hasan Karabacak (53). Er bezieht einen Grossteil seines Fleisches über die Coop-Tochter Bell. Mit seinen 30 Mitarbeitenden kommt Karabacak auf einen Umsatz von etwa 14 Millionen Franken pro Jahr.

Die Branche setzt pro Jahr Hunderte von Millionen Franken um. Auf die Produktion der knapp 20 Hersteller entfallen etwa 80 Millionen Franken. Die Kebab-Buden kommen auf knapp 300 Millionen Franken. Das entspricht etwa einer jährlichen Fleischmenge von 8000 Tonnen. Zum Vergleich: McDonald’s brachte es 2012 auf rund 7500 Tonnen.

«16-Stunden-Arbeitstage sind normal»

Die meisten Imbisslokale sind selbständig. Es gibt aber auch Dönnerketten, wie Ayverdis oder Memo-Kebab. Sie betreiben mehrere Läden an verschiedenen Standorten. In Zürich waren lange die New-Point-Läden das Aushängeschild der Kebabszene. In Winterthur ist es Royal Döner. Das Franchising-Geschäft wird dabei immer wichtiger. Denn wer die Kette der Wertschöpfung kontrolliert, hat in der Branche das Sagen. Royal Döner plant laut eigenen Angaben Grosses. 

Wer dagegen alleine überleben möchte, muss mindestens 25 Kilo pro Tag verkaufen. Sonst ist er bald weg vom Fenster. Oder er wird von einem Konkurrenten geschluckt. «Pro Monat sollte eine Imbissbude 50'000 Franken Umsatz machen», sagt Karbacak. Dann «liegt ein Lohn zwischen 8000 bis 10'000 Franken drin». Doch «16 Stunden pro Tag sind normal», sagt der Birlik-Chef.

Zusammenhalt in der Branche

Die Preise für einen Döner schwanken stark. In Schaffhausen kostet er im Schnitt sieben Franken, in Basel sind es etwa acht Franken und in Zürich und Zug bis zu elf Franken.

Wie hart die wirtschaftliche Realität ist, zeigt sich am Beispiel von angeblichen Preisabsprachen auf dem Platz Winterthur. Mehrere untereinander konkurrierende Kebab-Buden sollen in geheimen Treffs beschlossen haben, die Preise für ihre Döner zu fixieren. Statt neun Franken sollte der Döner Kebab in Winterthur zehn Franken kosten. Die Wett­bewerbskommission (Weko) ging der Sache nach, doch «es gelang uns nicht, eine Preis­abmachung stichfest nachzuweisen», gab die Weko unlängst zu Protokoll.

Dass hier die Wettbewerbshüter auf Granit bissen, zeigt: Kommt sie unter Druck, hält die Branche eisern zusammen. Man spricht nur dann, wenn es sich lohnt, und schweigt, wenn es um Ehre und Loyalität geht.

Publiziert am 15.10.2016 | Aktualisiert am 24.10.2016
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  • Annemarie   Setz 16.10.2016
    Herr Leibundgut: Ich bin eine Person die denkt, und ich weiss, dass es verschiededene Fleischstücke und auch Innereien von einem Tier gibt. Was ich meine, ist, dass bei vielen Döner Kebabs (natürlich nicht bei allen) man nicht weiss von welchen unterschiedlichen Tierrassen die Fleischstücke stammen, die verwendet werden. Bei einer St.Gallerbratwurst muss man die Bestandteile angeben.
  • Annemarie   Setz 16.10.2016
    Jetzt mischt auch Migros noch tüchtig mit bei diesen Döner-Klumpen, die aus mehreren Fleischsorten zusammengesetzt zu einem Einheitssstück geformt und dann fein abgeschnitten werden. Würde mich interessieren was für Fleisch von wie gehaltenen Tieren darin vorkommt, und wie lange ein solches Tier leben durfte. Wohl kaum hatte es ein schönes Leben auf einem gutgeführten Schweizer Bauernhof. Auf so etwas werde ich verzichten. Zu diesem Preis kann man sich etwas Anständigeres kaufen.
    • Urs  Leibundgut 16.10.2016
      Tia, etwas Denken schadet nie. Haben Sie sich schonmal überlegt, dass ein Tier nicht nur aus Filet, Nierstück und Huft besteht, sondern das 80 Prozent des verwertbahren Fleisches nicht Edelstücke sind? Denn aus diesen Stücken besteht das Fleisch in einem Döner. Und zur Herkunft das Filet das sie essen und das Wurstfleisch das sie ächten stammen vom selben Tier und beides ist auf dem selben Hof aufgewachsen.
  • Hans-Peter   Schütz aus Schaffhausen
    16.10.2016
    Es gibt bei uns einige Döner Buden die arbeiten sehr sauber, und mit qualitativ hochstehender Ware. Aber man muss halt wissen wo. Glauben Sie mir, ich habe geschäftlich mit ihnen zu tun.
  • Thomas  Forler 16.10.2016
    In Berlin gibt es Döner an jeder Ecke für 1.50 Euro. Bei uns bekommt man einen Döner kaum noch unter 8 CHF. Und ratet mal welcher mir besser geschmeckt hat?! Schon komisch.
    • Hans-Peter   Schütz aus Schaffhausen
      16.10.2016
      Und wo Herr Forler beziehen Sie Ihren Lohn? Ich gebe Ihnen Recht, dass es qualitative Unterschiede gibt, und ich muss es Wissen, denn ich habe geschäftlich mit sehr vielen Döner Buden zu tun. Aber es gibt bei uns Spitzen Döner, man muss nur Wissen wo!
    • Bruno  Waldvogel aus Interlaken
      16.10.2016
      Wenn Sie schon mit Dönerbuden zu tun haben Herr Schütz,dann schauen Sie,dass die strengen Vorschriften des schweizerischen Lebensmittelgesetztes eingehalten und umgesetzt werden.
      Und noch eine Frage zu Bild 1/4 Herr Schütz.
      Müssen bei der Herstellung von "Fleisch"von den Mitarbeitern nicht Handschuhe getragen werden.
  • Henri  Steinlin aus Courchavon JU
    16.10.2016
    Döner wurde heute leider einen eine "liebkos rasierten", fettigen Fleischkloss reduziert. Wenn es wieder "Retro-Döner" wie früher gäbe dann ... wieder mmhh