Arbeitgeber-Boss: «Mehr Lohn nur in Ausnahmefällen»

  • Publiziert: 03.08.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Matthias Pfander

BERN – Die erste Lohnforderung liegt auf dem Tisch. Doch Thomas Daum, Direktor Arbeitgeberverband, mahnt zur Vernunft. Wegen der Arbeitslosigkeit und weil viele Firmen ums Überleben kämpfen.

Blick.ch: Herr Daum, was sagen Sie zur Forderung von Travail.Suisse, dass die Löhne um 2 Prozent erhöht werden sollen?
Thomas Daum, Direktor Arbeitgeberverband: Querbeet-Forderungen führen nicht zum Ziel. Und in den nächsten 12 bis 18 Monaten hat die Sicherung der Beschäftigung absolute Priorität.

Müssen sich also die Arbeitnehmer auf eine Nullrunde bei den Löhnen gefasst machen?
In manchen Firmen liegt vielleicht trotzdem eine Erhöhung drin. Deutliche Lohnerhöhungen wird es aber wohl nur in Ausnahmefällen geben.

Wieso?
Die Teuerung ist negativ – von da her gibt es keinen Druck, die Löhne jetzt zu erhöhen. Und das dient beiden Seiten: Den Arbeitgebern wie auch den Arbeitnehmern.

Trotz tiefer Teuerung: Nächstes Jahr werden die Krankenkassenprämien explosionsartig steigen. Wie sollen die Leute damit klarkommen?
Es ist nicht die Aufgabe der Lohnpolitik, für den Anstieg der Prämien geradezustehen. Die Arbeitgeber sind nicht für diese Entwicklung verantwortlich. Es braucht politische Lösungen für die Probleme im Gesundheitswesen.

Travail.Suisse fordert vor allem für die unteren Einkommen eine Erhöhung. Auch weil die Arbeitnehmer von der Hochkonjunktur der letzten Jahre zu wenig profitierten.
Ich erwarte, dass sich die Arbeitnehmerverbände bewusst sind, was im Moment auf dem Spiel steht.

Was steht auf dem Spiel?
Viele Firmen kämpfen ums Überleben. Eine Erhöhung der Kosten darf es für diese Unternehmen nicht geben. Die Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Monaten weiter steigen. Die oberste Priorität muss deshalb lauten: Den Anstieg Arbeitslosenquote in Grenzen zu halten.

Auf den Punkt gebracht: Es wird bei den Löhnen also ein Arbeitgeberjahr geben?
Wenn man so denkt, vergisst man die Langfristigkeit der Lohnpolitik. Ich bin überzeugt, dass die Arbeitgeber die Situation nicht kurzfristig ausnützen. Es geht in den Unternehmen auch darum, die Weichen so zu stellen, dass man bereit ist, wenn die Wirtschaft nach der Rezession wieder anspringt.

play Mahnt zur Vernunft in den Lohnverhandlungen: Thomas Daum, Direktor Arbeitgeberverband. (Christian Lanz)

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Wirtschaft

Was soll mit den Löhnen passieren?»

  • 33,6% Eine Nullrunde ist ok wegen der Wirtschaftskrise.
  • 7,9% Sogar zu einer Lohnsenkung bin ich bereit wegen der Krise.
  • 58,5% Die Löhne müssen grad jetzt steigen. Das kurbelt die Wirtschaft an.