Medien Verlegerchef Supino ist für Programmieren statt Frühfranzösisch

Der neue Verlegerpräsident Pietro Supino sagt «kein gemütliches Medienjahr» voraus. Die Branche unter Heimatschutz zu stellen bringe nichts - stattdessen müsse sie sich um die Bedürfnisse des Publikums kümmern. Wie sein Vorgänger übt auch Supino Kritik an der SRG.

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«Machen wir uns nichts vor», sagte Supino an der Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Medien am Dienstag in Zürich. Die Entwicklung des Werbemarkts im vergangenen Jahr sei «grauenhaft» gewesen. In seiner ersten präsidialen Rede an der Tagung zeichnete er auch für die Zukunft ein düsteres Bild: «Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass 2017 ein gemütlicheres Medienjahr werden wird.»

Es helfe jetzt nichts, der Vergangenheit nachzutrauern und sich selbst unter Heimatschutz zu stellen. Stattdessen müsse sich die Branche mehr für die Bedürfnisse ihres Publikums interessieren und diese auch befriedigen. Dabei spricht Supino nicht nur den Inhalt an, sondern das Nutzungserlebnis als Ganzes, die «user experience».

Als wichtige Erfolgsfaktoren sieht er eine offene Geisteshaltung und das «Savoir-faire» der Branche. «Da sind wir herausgefordert», denn eine datenjournalistische Recherche setze idealerweise Programmierfähigkeiten und vertiefte Kenntnisse mit Datenbanken voraus.

Als Anregung wollte Supino folgende Idee verstanden wissen: Wichtiger wäre es seiner Ansicht nach, «Programmieren als Pflichtfach in der Primarschule einzuführen, als über die Frage von Frühfranzösisch versus Frühenglisch zu streiten» - auch wenn er persönlich für Ersteres sei.

Was den journalistischen Inhalt betrifft, so sieht der Verlegerpräsident die grösste Chance in der Entwicklung hin zum Postfaktischen. Während an die Stelle einer möglichst objektiven Wahrnehmung und Wiedergabe der Realität immer stärker eine gefühlte Wahrheit trete, setze das professionelle journalistische Handwerk auf grundlegenden Qualitätsmerkmale: auf Fehlerfreiheit, Wahrheit, Transparenz und Fairness gegenüber Personen und Institutionen, die von der Berichterstattung betroffen sind.

«Damit leisten wir einen Mehrwert für Menschen, die sich in einer immer komplexeren Welt informieren und orientieren und eine eigene Meinung bilden wollen», sagte Supino. Gerade in einem Land mit einem hohen Bildungsniveau und einer grossen politischen Partizipation wie der Schweiz werde das geschätzt, davon sei er überzeugt.

Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino ist im vergangenen September zum neuen Präsidenten des Verbands Schweizer Medien gewählt worden. Zumindest eine Tradition seines Vorgängers Hanspeter Lebrument setzt er fort: Auch Supino geht mit der SRG hart ins Gericht und kritisiert sie namentlich für ihre Onlinestrategie.

Aufräumen will er deshalb mit der «Behauptung der SRG, sie müsse zur Erfüllung ihres Auftrags über Radio und Fernsehen hinaus in neue Medien expandieren». Wer behauptet, ihre verfassungsrechtliche Grundlage aus dem Jahr 1984 würde einen Ausbau des öffentlich-rechtlichen Onlineangebots vorsehen, «sollte nicht auch behaupten, die demokratische Meinungsbildung sei ihm ein Anliegen».

So formuliert er es denn als eines der diesjährigen Ziele des Verlegerverbands: Er soll sich dafür einsetzen, dass sich die SRG auf ihren Auftrag als Radio- und Fernsehanbieterin konzentriere und die Kommerzialisierung ihres Angebots beschränke. (SDA)

Publiziert am 10.01.2017 | Aktualisiert am 10.01.2017
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