Mars-Mega-Rückruf Ist das Ganze nur eine riesige PR-Aktion?

Gestern meldete Mars den Rückruf von Millionen Schoggi-Riegeln in 55 Ländern – auch in der Schweiz. Doch geht es dem Mars-Konzern tatsächlich nur um die Produktsicherheit? Konsumentenschützer wittern einen PR-Coup.

Kunststoffteilchen im Schokoriegel «Mars»

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«Eine solch aufgebauschte, grossflächige Rückrufaktion habe ich in meiner 8-jährigen Tätigkeit als Konsumentenschützerin noch nie erfahren», sagt Sara Stalder zu BLICK. Laut der Leiterin der Stiftung für Konsumentenschutz mutet der Mars-Rückruf eher nach einer gut orchestrierten Werbe-Aktion an als nach einem absolut dringenden Rückruf.

Ganz nach dem Motto: Für Mars ist die Produktsicherheit und Gesundheit das höchste Gut, viel wichtiger als der Umsatz, der mit dieser Aktion verloren geht. Oder die Tonnen von Schokolade, die jetzt vor die Säue geworfen werden müssen.

»Rund 2 Millionen Verkaufseinheiten allein in der Schweiz sind vom Produktrückruf betroffen«, sagt eine Sprecherin von Mars Schweiz zu BLICK. Allein bei Coop sind es 200'000 Stück.

Ist der Rückruf verhältnismässig?

Tatsächlich wirft der gestrige Rückruf des US-Süsswarenriesen Mars in 55 Ländern – auch in der Schweiz – Fragen nach der Verhältnismässigkeit auf. Denn: Nach Mars-Angaben fand lediglich ein einzelner Kunde in Deutschland ein Plastikteil von weniger als einem halben Zentimeter in einem Schoggi-Riegel.

Gestern meinte ein Firmensprecher, man habe den Rückruf bewusst auf einen langen Zeitraum ausgedehnt, um sicherzustellen, dass alle möglicherweise betroffenen Produkte auch zurückgeholt werden.

Der Schoggi-Konzern sagt zum Vorwurf der Konsumentenschützerin: «Qualität und Lebensmittelsicherheit stehen bei Mars Schweiz an erster Stelle! Nachdem in Deutschland in einem Produkt ein Kunststoffteilchen gefunden worden ist, haben wir uns - im Interesse aller Konsumentinnen und Konsumenten - zu einem freiwilligen Produktrückruf entschieden.»

Ob der Rückruf verhältnismässig ist und welche Kosten dadurch anfallen, beantwortet der Konzern nicht.

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). play
Konsumentenschützerin Sara Stalder vermutet eine PR-Aktion hinter dem ungewöhnlich grossen Mars-Rückruf. Monika Flückiger

 

Eine Produktionsstätte für die ganze Welt

Die grosse Rückrufaktion führe aber auch vor Augen, was Globalisierung heisst: eine Produktionsstätte für die ganze Welt, mit eben weltweiten Konsequenzen.

»Da fragt man sich schon, ob das Risikomanagement eines Unternehmens entsprechend der Wichtigkeit gross genug ist, wenn im dümmsten Fall die ganze Welt von einem wirklich schwerwiegenden Produktionsfehler betroffen sein könnte«, sagt Stalder.

Rückruf stützt Kritik an Hochpreisinsel Schweiz

Nicht zuletzt verweist die Konsumentenschützerin auf einen weiteren, interessanten Punkt: der Rückruf beweist einmal mehr, dass Produkte, die grundsätzlich aus einer Fabrik (Beispiel Mars die Niederlande) stammen, in den Export-Ländern unterschiedlich teuer verkauft werden: »Also nichts von Mehrwert bei den überteuerten Produkten, die in der Schweiz verkauft werden, sondern lediglich Gewinnabschöpfung«, kritisiert Stalder. »Und ennet der Grenze wird das gleiche, international hergestellte Produkt, das tupfgenau gleiche Produkt aus der gleichen Fabrikhalle, zu einem Bruchteil des Schweizer Preises verkauft", sagt Stalder.

Publiziert am 24.02.2016 | Aktualisiert am 03.06.2016
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26 Kommentare
  • Markus  Muster 25.02.2016
    Ob PR oder nicht, eines zeigt dieser Fall ganz schön: Heutzutage kann man machen was man will, es ist nicht Recht und alle andern wissen es besser. Ruft Mars die Produkte nicht zurück, wirft man ihnen Geldgier vor. Rufen sie die Produkte nicht zurück, wirft man ihnen Marketing-Gag vor. Was also sollen sie machen? Einen Kompromiss und 50 Prozent einziehen? Ach ja, wo sind jetzt die Studierten, die sich darüber beklagen, dass Mars unsere Strassen verstopft?
  • Urs  Meier 25.02.2016
    Als Laie sei mir die Frage vergönnt. Die ganze Pallette wird zurückgerufen. Das sind Produkte mit unterschiedlicher Zusammensetzung und Formen. Das müssten also auch unterschiedliche Verarbeitungsstrassen sein. Angeblich soll sich in einer dieser Anlage eine Plasikabdeckung gelösst haben welche den Schaden verursachte. Da stell ich mir die Frage, warum nicht nur die Produkte dieser Anlage? Dass bei diesem immensen Ausstoss, Anlagen umgerüstet werden bewage ich zu bezweifeln.
    • Marco  Weber 25.02.2016
      Kommt ganz darauf an in welchem Produktionsschritt dies geschah! Die Schokolade z.b. ist ja bei allen Produkten die gleiche behaupte ich jetzt mal
  • Vanessa  Meier 25.02.2016
    Im Gegenteil ich vermute das es um eine Erpressung geht. Mars werde ich nicht mehr kaufen.
  • Paul  Entlebucher 25.02.2016
    Dass es sich um einen PR-Gag handeln soll, ist unwahrscheinlich. Guerilla-Marketing bedient sich zwar ähnlicher Instrumente, aber meist zu Niedrigstkosten. Dies wäre die teuerste Guerilla-Marketing-Aktion aller Zeiten. Wunderbar finde ich übrigens die Ragusa-Werbung, die just bei diesem Beitrag als Werbefilm gelaufen ist. Respekt!
  • Martin  Baumann 25.02.2016
    Gibts überhaupt noch jemand der Mars oder Milky-Way isst? Die sind doch so was von Out.