Markteintritt durch Hintertüre Deutscher Veganriese mit Lädeli-Offensive

WINTERTHUR - Erst plante Veganz eigene Läden in der Schweiz, dann sollte Coop oder Migros dessen Produkte ins Regal nehmen. Jetzt dürfen sich erst mal Kleinläden freuen.

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Maria Nowak in ihrem Winterthurer Laden Süss & Vegan: Seit Samstag darf sie viele Produkte des deutschen Vegan-Riesen Veganz in der Schweiz verkaufen. Zvg

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Maria Nowak (29) ist happy. Die Betreiberin des Lädeli Süss und Vegan in der Konradstrasse beim Bahnhof Winterthur hat geschafft, woran Grossverteiler sich bislang die Zähne ausbissen: Nowak ist die Erste, die in der Schweiz Produkte der deutschen Veganz-Kette verkaufen darf.

«Dass es jetzt doch so schnell geklappt hat, freut mich sehr», sagt Nowak. Seit Samstag ergänzten die ersten 24 Veganz-Artikel ihr Sortiment. Geplant sei gut das Doppelte, sagt Nowak. Vor vier Monaten fragte sie am Berliner Veganz-Sitz an – ohne grosse Erfolgschancen.

«Veganz hatte ja einen anderen Plan für den Markteintritt in die Schweiz», weiss Nowak. 

Veganz plante eigene Schweizer Supermärkte

Veganz, die erste vegane Supermarktkette Europas, plante ursprünglich eigene Supermärkte im Alpenland. Das verwarf man offenbar. «Für das kommende Jahr 2016 konzentrieren wir uns vor allem auf die Ausweitung der Grosshandelsaktivitäten in Europa, insbesondere in der Schweiz», sagte Veganz-Sprecherin Michèle Hengst im Dezember 2015 zu BLICK.

Hinter der Hand fielen die Namen der Grossverteiler Coop und Migros, die sich offenbar dafür interessierten, die Produkte der Vegan-Kette ins Regal zu nehmen. Anscheinend wurde auch daraus nichts, wie man anhand der Produktauflistung bei Süss und Vegan in Winterthur ZH sehen kann.

«Dranbleiben zahlt sich definitiv aus», sagt Nowak, für die der Gesundheitsaspekt beim Thema Veganismus weniger im Vordergrund steht als die Bestrebung, Tierleid, Ressourcenverschwendung und ökologische Folgen zu minimieren, wie sie im Gespräch erklärt.

Migros und Coop bauen Sortiment aus

Weder Veganz noch Coop noch Migros wollten sich zum Stand und Markteintritt äussern. Klar ist nur: Die beiden Detailhändler haben den – veganen – Braten längst gerochen. Und erweitern ihr Vegan-Sortiment laufend.

Ende Jahr hatte die Migros 220 Produkte mit dem Vegi-Label im Angebot, davon 119 vegane. Unter dem Label Alnatura führt die Migros zudem 150 Artikel, die mit der Vegan-Blume gekennzeichnet sind. Konkurrentin Coop führt 200 Produkte mit Vegi-Label, davon 100 vegane.

Kunden zahlen gerne mehr für Vegan-Produkte

Die Wirtschaft kommt nicht mehr um die auf pflanzliche Ernährung ausgerichteten Kunden herum – allein schon in finanzieller Hinsicht: «Veganer verschreiben sich ihrer Ernährungsweise sehr emotional. Sie sind deshalb bereit, mehr für entsprechende Produkte zu zahlen», sagt Bettina Höchli (29), Forscherin am Gottlieb Duttweiler Institut.

Laut Cristina Roduner (38), Sprecherin der Veganen Gesellschaft Schweiz (VGS), zahlen Vegan-Kunden auch dann gerne mehr für ihre Produkte, «wenn sie die Artikel nicht mehr in so vielen unterschiedlichen Läden zusammensuchen müssen». Roduner: «Davon profitiert Süss und Vegan mit der Veganz-Sortimenterweiterung.»

Anhänger des Veganismus kommen komplett ohne tierische Produkte aus. «Ihre Nachfrage ist riesig, das Wachstumspotenzial ebenso. Ein veganes Sortiment ist deshalb nicht nur finanziell lohnenswert, sondern auch ein wichtiges Instrument, um sich von der Konkurrenz abzuheben», sagt Roduner weiter. 

Weitere Kleinläden mit Veganz im Sortiment

Gemäss Informationen von BLICK werden in den nächsten Wochen und Monaten weitere Kleinläden in der Schweiz Produkte der deutschen Kette Veganz in den Verkauf nehmen. 

Die Nachfrage ist offenbar da. Unklar ist, wie viele Schweizer sich auch wirklich vegan ernähren. Zahlen gibt es nicht. Die Vegane Gesellschaft geht von 80 000 Personen aus, was ungefähr einem Prozent der Bevölkerung entspricht. Zum Vergleich: Die Zahl der Vegetarier beträgt gegen 500 000 Personen.

Dass weitere Läden Veganz-Produkte ins Sortiment nehmen können, freut Nowak ebenfalls. Sie weiss aber auch, dass der Direktimport in Eigenregie «ein ganz schön bürokratischer Spass ist», wie sie sagt. «Statt Veganz übernehmen wir den ganzen Vorgang der Zollabwicklung.» Jetzt zahle sich die Mühe aber hoffentlich aus.  

 

 

Publiziert am 29.02.2016 | Aktualisiert am 08.06.2016
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26 Kommentare
  • Friedrich  Nellen aus Naters
    01.03.2016
    @Niederer:
    Ein ausgewachsener männlicher Gorilla nimmt bei ca. 200 kg Körpergewich 30 kg pflanzliche Nahrung zu sich. Das heisst ein ausgewachsener Mann von ca. 80 kg müsste dann 12.5 kg pflanzliche Nahrung zu sich nehmen?
  • Gil-Dominique  Matthey , via Facebook 01.03.2016
    Aber dann sollen Sie bitte die Produkte auch als das bezeichnen was es ist. Es gibt kein Veganes Schnitzel sondern wohl nur ein plattgedrücktes bratfähiges Produkt bestehend aus Tofu und Algen oder so ähnlich. Wer sich bewusst ernährt kommt ohne all den Mist aus. Ich kaufe mein Obst, Gemüse, Milch, Käse und Fleisch seit zig Jahren bei meinem Biobauern gleich ums Eck, das kostet zwar etwas mehr als bei Lidl oder so, dafür ist aber die Qualität so hochwertig, dass es unter dem Strick günstiger ist
  • Marion   Jost aus Schönenwerd
    01.03.2016
    Eine gute Entwicklung, darauf freue ich mich schon! Auch wenn ich nicht vegan lebe suche ich immer wieder Alternativen zu Fleisch. Was viele Fleischesser nicht verstehen ist der Grund weshalb man weniger davon vertilgen will: Es ist die Art und Weise wie heute die Würde der Tiere aufs gröbste verletzt wird, die Massentierhaltung die schlussendlich auch umweltschädigend ist und dafür sorgt, dass Lebensmittel zu Tierfutter verarbeitet werden! Es sind bei den meisten ethische Gründe!!!
  • Monte  Reto 01.03.2016
    Und schon wieder wird geplant, Menschen mit gesunder Einstellung abzuzocken? Warum kostet Vegan mehr als Fleisch?
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      01.03.2016
      Es ist halt schon so, dass die Entwicklung eines veganen Produktes etwas Zeit und Geld kostet, nicht so wie bei billigster Massentierhaltung.... ich bin bereit für ein gutes vegetarisches Produkt mehr zu bezahlen, ein anständiges Stück Fleisch - sofern nicht billigst hergestellt und mit Chemie vollgepumpt - kostet ja auch einiges...
  • Gregor  Samsa 01.03.2016
    Vegan hin oder her, ich bleibe bei meiner bewährten AAT-Diät: Alles Ausser Tofu.