Nach 0,0%-Entscheid der EZB Schockt den Franken nichts mehr?

Folgt jetzt der nächste Frankenschock? Oder kann den Franken nichts mehr schocken?

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Exakt eine Woche vor dem Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sorgte Europas höchster Notenbanker Mario Draghi (68) gestern für die Überraschung: Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) senkte den Leitzins erstmals auf null Prozent. Damit hatte niemand gerechnet. Banken können sich jetzt Geld leihen – und müssen dafür keinen müden Cent mehr bezahlen!

Aber nicht nur das. Draghi will mit einem ganzen Bündel von Massnahmen die Kreditvergabe der Banken ankurbeln. Dafür öffnet er die Geldschleusen weiter als je zuvor: Die EZB erhöht den Strafzins für Banken, die ihr Geld bei ihr horten, von minus 0,3 auf neu minus 0,4 Prozent. Zudem weitet sie das Anleihekaufprogramm von bisher 60 Milliarden Euro pro Monat auf 80 Milliarden aus. Ausserdem stellt Draghi den Kauf von Unternehmensanleihen in Aussicht.

Draghis Ziel ist eine Inflation von knapp zwei Prozent. Derzeit liegt die Teuerung bei gerade einmal 0,7 Prozent. Mehr Wirtschaftswachstum, die tiefen Konsumentenpreise wieder zum Steigen bringen – beides gelang Draghi bisher nicht so richtig.

Dass die EZB noch mehr Geld in die Märkte pumpt, verärgert jedoch Europa, allen voran die Deutschen. Doch der Schweizer Franken sah das nicht «dra­ghisch» und zuckte nur kurz. Als der EZB-Entscheid gestern um 13.45 Uhr über die Ticker ging, verteuerte sich der Franken für wenige Minuten, um dann über den bisherigen Eurokurs von 1.10 Franken hinauszuschiessen. Bis zum Abend stabili­sierte sich der Kurs.

«Der EZB-Entscheid führt nicht zu einem nächsten Frankenschock», sagt Thomas ­Stucki (52), Devisenexperte der St. Galler Kantonalbank, zu BLICK. Viele der Massnahmen seien erwartet worden und bereits in den Börsenkursen enthalten.

Hat der gestrige Entscheid nichts für Schweizer Konsumenten zu bedeuten? «Solange der Euro nicht unter 1.08 Franken fällt, spürt das der Konsument nicht gross», beruhigt Stucki. Sollte die SNB jedoch die Strafzinsen für Banken, die ihr Geld bei ihr horten, doch noch erhöhen, dann würden auch Zinsen von Obligationen einbrechen. «Pensionskassen etwa hätten es dann noch schwieriger, anständige Renditen zu erzielen», sagt Stucki.

Dass es zum Äussersten kommt und Kunden Strafzinsen auf ihr Erspartes auf dem Bankkonto zahlen müssen, erwartet der Devisenprofi nicht.

Und was ist mit der Schweizer Wirtschaft? Über ein Jahr nach dem Aus des Mindestkurses zeigen sich immer deut­licher die Folgen des Frankenschocks. Im Wochentakt muss BLICK von Firmenschliessungen, Jobverlagerungen und steigender Arbeitslosigkeit berichten. «Auch für Unternehmen spielt die magische Grenze von 1.08 Franken pro Euro», sagt Stucki. Werde diese deutlich unterschritten, drohe ein Rückfall in dieselbe Situation wie bei der Aufhebung des Mindestkurses.

Darauf wird die SNB ein Auge haben, wohl aber ihr Pulver am kommenden Donnerstag trocken halten. «Die SNB kommt unter Druck, wenn der Schweizer Franken aufwertet. Solange das nicht der Fall ist oder die Interventionen am Devisenmarkt ausreichen, kann sich die SNB zurücklehnen», sagt UBS-Ökonom Alessandro Bee (41). Doch dass die Nationalbank bereits in den letzten Wochen an den Devisenmärkten eingegriffen hat, um den Franken zum Euro stabil zu halten, steht ausser Frage. 

Publiziert am 11.03.2016 | Aktualisiert am 20.03.2016
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Rekordtiefe von 0,0 Prozent EZB senkt Leitzins erneut

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9 Kommentare
  • Guerrino  Case , via Facebook 11.03.2016
    Draghi ist einer der grössten Mafiosi und nicht die kleine Fische in Frauenfeld...... oder fragen Sie Draghi nach der Lehmann Brothers er war ja auch der Boss dort und ist auch Mitschuldig..... das hört er gar nicht gerne....
  • Peter  Kaufmann aus Oftringen
    11.03.2016
    Nicht zuletzt auch Schuld an der ganzen Währungskriese ist nicht nur die Schweiz sondern auch die EU, die mal endlich nach dem Schweizer Franken sich einreihen sollte und sich unserer qualitativen Wirtschaft anzupassen hat.
  • Urs  Schaad aus Zürich
    11.03.2016
    Wir sind in der geschichtsträchtigen Zeit, wo die Zentralbanken mit Negativzinsen den Arbeitern die zukünftige Rente stehlen, die Belastungen für die Rentenumverteilung von Jung nach Alt erhöhen und das verbleibende Restguthaben mit der nachfolgenden Inflation vernichten. Und wenn es so weit ist wird der Steuerzahler dreifach abgezockt: Durch die kalte Progression, bei der Sanierung ihrer PK und über Zusatzsteuern zur Sanierung der Beamten-PKs. Und keiner regt sich auf oder merkt es keiner?
  • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
    11.03.2016
    Die globale Wirtschaft harzt wodurch jedes regionale Wachstum nur auf Kosten anderer erfolgen kann. Genau das provoziert Herr Draghi. Kurzfristig wird damit Wachstum generiert, längerfristig schädigt es die Konsumenten außerhalb der EURO-Zone weil deren Industrie Marktanteile verliert. Irgendwann fällt das auf die Exportindustrie der EURO-Zone zurück, wenn auch mit Verzögerung. Herr Draghi kauft Zeit und zerstört gleichzeitig die Entwicklung der Schwellenländer aus den letzten 20 Jahren.
  • Mike  Egger 11.03.2016
    Kein "Strafzins" für Private? Bei den meisten Banken liegt der aktuelle Zinsfuss bei 0.0 Prozent! Trotzdem verrechnen die Banken weiterhin Kontoführungsgebühren und verlangen 8 Prozent bei einer Hypothek oder einem Darlehen.
    Eigentlich kann Mann hier schon heute von einer Strafgebühr sprechen!
    Das Geld ist zu Hause unter dem Kopfkissen bald sicherer.