Boris Becker spricht über sein Verhältnis zu Geld «Man gewöhnt sich an Kaviar»

  • Publiziert: 17.01.2011, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Daniel Meier

Die Tennislegende würde sich nie ein Boot kaufen, lieber ein Haus für die Familie. Aktien und Online-Banking mag Becker nicht so. Dafür Andy Warhol.

Einst fragte Boris Becker (43) in einem Werbespot für AOL: «Bin ich schon drin?» Bald zwölf Jahre später traut er dem Internet noch immer nicht ganz. Jedenfalls nicht, wenn es um Finanzen geht. Auf die Frage, ob er Online-Banking nutze, sagt der Deutsche: «Manchmal, aber ich bevorzuge einen persönlichen Berater, vor allem für grössere Transaktionen.»

Im Interview mit der englischen Zeitung «Telegraph» spricht Becker über sein Verhältnis zu Geld. Und versucht es schon fasch philosophisch: «Je mehr Geld man verdient, desto weniger hat man ein Gefühl für seinen Wert. Man gewöhnt sich daran, Kaviar zu essen. Irgendwann schmeckt es so normal wie alles andere.»

Am liebsten zuhause bei der Familie

Nie würde Becker etwas nur zum Spass kaufen. «Ich besitze kein Boot, weil es keinen Sinn macht. Aber ich mag Wohneigentum, weil es sinnvoll ist. Wenn ich ein Haus kaufe, ist es für meine Familie.» Überhaupt gibt er sich ganz häuslich: «Ich bin geschäftlich so viel unterwegs, dass ich nichts lieber tue als daheim zu bleiben und mit meiner Frau und meinen Kindern normale Dinge zu tun und Freunde zu treffen.»

Die Zeit nach dem Rücktritt sei hart gewesen, erzählt Becker, der 1985 als 17-Jähriger Wimbledon gewann. «Ich hatte 1999 keine Ahnung, was ich tun sollte. Ich habe einige ernsthafte Fehler gemacht.» Damit meint er wohl nicht zuletzt die Steuerhinterziehung, wegen der er 2003 verurteilt wurde.

Sein Finanzberater kontrolliert alles

Im Rückblick gibt sich der Ex-Tennisstar reumeutig: «Ich hätte mehr darauf hören sollen, was man mir darüber sagte, wie ich mit meinem Geld umgehen soll.» Inzwischen tut er es: «Mein Finanzberater überwacht alle Einkünfte und Ausgaben. Wenn es nicht so gut läuft, spreche ich einmal pro Woche mit ihm, sonst nur alle drei Monate.»

Und wo legt Becker sein Geld an? «Ich glaube mehr an traditionelle Anlagen wie Immobilien. Ich bin kein Hochrisiko-Gambler. Die Börse mag ich nicht. Die Aktien gehen rauf und runter – und niemand kann dir genau sagen weshalb.» Dass er sein Vermögen so vorsichtig anlegt, erstaunt, denn immer ist Becker inzwischen auch als professioneller Pokerspieler unterwegs – also kann er durchaus zocken.

Auf die Frage, was seine beste Geschäftsentscheidung gewesen sei, sagt Becker: «In den späten Achtzigern als die Mauer fiel, erkannte ich eine Möglichkeit mit Mercedes-Benz und beteiligte mich an drei Mercedes-Händlern. Das war damals ein massives Risiko, denn ich hatte keine Ahnung vom Autogeschäft. Aber im Rückblick sollte es sich als meine beste Geschäftsentscheidung heraustellen.»

Der Warhol sah einfach schön aus

Und schliesslich verrät Becker im «Telegraph»-Interview, was sein liebster Besitz ist: Ein Bild von Andy Warhol! Das habe er vor vielen Jahren gekauft. «Damals habe nicht viel von Warhol oder seinem Werk gewusst, aber ich fand, dass es unglaublich schön aussah.»

Lange Zeit lag das Bild im Haus seiner Mutter. Als er es wieder entdeckte, liess er es schätzen. Offenbar liegt der Wert heute beträchtlich über dem Preis, den Becker bezahlt hat. Becker: «Ich verrate den Preis nicht, aber dieser Warhol ist sehr speziell für mich und eindeutig mein liebster Besitz.»

play Boris Becker 1999 im AOL-Werbespot: Bin ich schon drin? (Youtube)

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft