Der heisse Streit zwischen Gewerkschaften und Chefs Lohnerhöhung trotz Krise?

  • Publiziert: 20.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Valeria Ancarani, Daniel Meier und Marcel Speiser
play So sind die Lohn-Aussichten in den wichtigsten Branchen. (Keystone)

Kommt es zu einer Nullrunde? Gewerkschafter, darunter Paul Rechsteiner, und Arbeitgeber treten an zum BLICK-Duell.

Dieses Jahr ist die Ausgangslage für die Lohnrunde speziell: Gemäss den Voraussagen geht es mit der Wirtschaft steil aufwärts. Für die Schweiz sollte nächstes Jahr ein Wachstum von rund 1,5 Prozent drinliegen. Und das bei praktisch stabilen Preisen. Gleichzeitig aber steigt leider auch die Arbeitslosigkeit an – auf rund 5,5 Prozent.

Wegen der miesen Aussichten auf dem Jobmarkt ist für Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner klar: «Ohne spürbare Lohnerhöhungen wird der Konsum schrumpfen.»

Andreas Rieger von der Unia sagts noch deutlicher: «Wer jetzt Lohnerhöhungen verweigert, verschärft die Krise. Alle Firmen, die schwarze Zahlen schreiben, müssen ihren Beitrag leisten und die Kaufkraft stützen. Sonst säuft die Binnenwirtschaft ab.»

Von diesen Argumenten hält Arbeitgeberdirektor Thomas Daum wenig. Er sagt: «In unsicheren Zeiten geht ein Teil der Lohnerhöhungen in den Sparstrumpf.» Für ihn ist klar: «Höhere Löhne bedeuten für die Unternehmen höhere Kosten, was ihre Konkurrenzfähigkeit vor allem im Export vermindert. Wenn deshalb Stellen gestrichen werden müssen, führen Lohnerhöhungen zu einem beschäftigungs-politischen Eigengoal!»

Wenig Spielraum sieht Daum vor allem bei Verlust-Firmen: «Hier werden häufig Nullrunden diskutiert werden müssen.» Und in welchen Branchen? «Vor allem in jenen, die sehr unter der Rezession leiden. Dazu gehören grosse Teile der Exportwirtschaft wie die Maschinen- und Elektroindustrie. Und natürlich die Uhrenbranche.»

Wäre Daum wenigstens bereit, Nullrunden mit Arbeitsplatzgarantien zu verbinden? «Nullrunden helfen bei der Krisenbewältigung. Eine Job-Garantie kann daraus nicht abgeleitet werden.»

Von Nullrunden will Gewerkschafter Rechsteiner sowieso nichts wissen: «Zwei Drittel der Schweizer Firmen geht es gut bis sehr gut!» Auf saftige Lohnerhöhungen pocht er insbesondere «im Detailhandel». Dort laufe das Geschäft, zudem sei der Nachholbedarf bei den Löhnen besonders gross.

Auch «auf dem Bau und im Baunebengewerbe» sowie «in der Chemie und bei den Pharmafirmen» will Rechsteiner reale Lohnerhöhungen durchsetzen.

In allen Branchen pocht Rechsteiner zudem auf «Lohngerechtigkeit»: «Die ist wichtig. Es kann nicht sein, dass die hohen Löhne ständig steigen, die unteren und mittleren Einkommen aber stagnieren oder sogar sinken!»

Schwebt ihm also so etwas wie bei Coop vor? Der Detailhändler hat durchgesetzt, dass die besser bezahlten Angestellten zugunsten der schlechter Entlöhnten auf mehr Lohn verzichten. Rechsteiner: «Der Abschluss bei Coop ist ein positives Beispiel. Das geht in die richtige Richtung. Es müsste generell so sein, dass die extreme Ungleichentwicklung der Löhne seit den Neunzigerjahren korrigiert wird.»

Auch Arbeitgeberpräsident Daum beurteilt das Beispiel Coop positiv: «Das ist eine ausserordentliche Solidaritätsaktion. Sie wurde zwischen den Sozialpartnern vereinbart und passt zur Unternehmens-kultur. Sie kann aber nicht als Modell für alle Unternehmen gelten.»

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft