Dank der Euro-Inflation Löst sich das 1,20-Franken-Problem von alleine?

Die tiefe Inflation macht die Schweiz günstiger. Der Franken ist heute weniger überteuert gegenüber dem Euro.

  • Aktualisiert: 17.08.2012
  • Von Claudia Gnehm
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Seit knapp einem Jahr ist der Euro-Franken-Wechselkurs bei 1.20 fixiert.

(Keystone)
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Euro-Fanken-Kurs.

Schon seit Monaten sind die Verfechter einer Anhebung der Euro-Kursuntergrenze verstummt. Unternehmen haben sich mit 1.20 arrangiert. Der Lebensmittelkonzern Hügli teilte gestern mit: «Wenn die Schweizerische Na­tionalbank (SNB) den Mindestkurs weiterhin verteidigt, wird dies für das zweite Semester 2012 zum ersten Mal seit 2007 in einem Halbjahr keine negativen Währungseffekte mehr nach sich ziehen.»

Die massive Überteuerung des Frankens schwindet. «Wir können bereits seit Jahren beobachten, dass der handelsneutrale Wechselkurs sinkt», sagt Felix Brill, Chefökonom von Wellershoff & Partners. Das illustriert die Grafik mit dem kaufkraftbereinigten (oder handelsneutralen) und dem realen Wechselkurs. Grosse Umwälzungen auf den Märkten ausgenommen, rechnet Brill in einigen Jahren mit einem handelsneutralen Wechselkurs von einem Franken für einen Euro.

Grund für die Annäherung ist die deutlich höhere Inflation der EU, die die Schweiz mit tiefer Teuerung günstiger macht. Der Chefökonom von Economiesuisse, Rudolf Minsch, beurteilt die Lage ähnlich: «Aufgrund der höheren Inflations­rate wird sich die Kaufkraftparität langsam auf 1.20 Franken zubewegen.» Gemäss seinen Berechnungen ist der Franken gegenüber dem Euro derzeit noch mehr als zehn Prozent überbewertet. Bei Einführung der 1.20-Untergrenze war der Franken mehr als 20 Prozent über­bewertet. Die Ökonomen sehen den fairen Wechselkurs derzeit bei rund 1.30.

Rolf Biland, Anlagechef vom VZ Vermögenszentrum, rechnet vor: «Die Inflationsdifferenz zwischen der Schweiz und der EU liegt derzeit bei 3,1 Prozent. Da die Teuerungstendenz so bleiben dürfte, ist mit einer Kaufkraftparität der beiden Währungen bis in 3,7 Jahren zu rechnen.»

Für den Chefökonomen des Gewerkschaftsdachverbands, Daniel Lampart, liegt die Parität in der Ferne: «Selbst wenn die Euro-Teuerung auf dem heutigen Stand bleibt, wäre der Franken bei einer Kaufkraftparität mindestens bis 2014/15 immer noch deutlich überbewertet.»

Die kurzfristigen strukturellen Probleme löse die Kursannäherung zwar nicht, betont der VZ-Anlagechef. «Allerdings kann dadurch die Verteidigung des Mindestwechselkursziels erleichtert werden.» Irgendwann mache es keinen Sinn mehr, eine Kursuntergrenze zu verteidigen. «Die Erstarkung des Euros hilft der SNB, die Untergrenze aufzuheben und eventuell auf ein Band überzugehen.»

Das ist Zukunftsmusik. «Je länger die Überbewertung des Frankens andauert, desto grös­ser ist die Gefahr, dass Unternehmen aufgeben müssen und damit Arbeitsplätze verloren­gehen», sagt Swissmem-Ökonom Jean-Philippe Kohl. Mit der Angleichung der Kaufkraftparität gewännen die Exportfirmen die preisliche Wettbewerbs­fähigkeit zurück. «Je schneller dies geschieht, desto besser.»

Alle Kommentare (2)

  • rolf  lehner , oberuzwil
    Der Euro wird verschwinden wie er gekommen ist. Leider werden auch wir Schweizer einige Nachteile haben. Vielleicht sollte man sich überlegen, ob wir die Schuldigen wieder wählen. Dank der SVP sind wir nicht noch übler da rein geschliitert. Da soll es doch tatsächlich noch heute Parteien und Leute geben, welche Europa beitreten wollen??? Kaum zu glauben. das mit den Tassen ist doch sehr gelinde ausgedrückt. Bravo
  • Ruedi  Lanz , Aarburg
    Ich traue diesen Spezialisten und Ökonomen nicht mehr über den Weg. Der Euro ist also unterbewertet und der Franken überbewertet? Soll mir heute jemand Euros für 90 Rappen anbieten - ich kaufe keinen Einzigen!

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