Wirtschaftsministerin Doris Leuthard fordert: «Löhne der Banker müssen sinken»

Die Bankerlöhne sind in den letzten Jahren explodiert. Die Angestellten der übrigen Wirtschaft hatten das Nachsehen. Jetzt verlangt auch Doris Leuthard eine Korrektur.

  • Publiziert: 01.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Werner Vontobel
play <b>Bremst</b> Wirtschaftsministerin Doris Leuthard findet die Lohnunterschiede in der Schweiz zu gross. (Reuters)

Nach den milliardenschweren Rettungsaktionen sind die Bankerlöhne und Boni-Exzesse zum Politikum geworden. Kein Wunder, von 1998 bis 2007 ist die reale Lohnsumme pro Vollzeitstelle im Bankensektor um 63,4 Prozent gestiegen. Beim Rest der Wirtschaft betrug der Zuwachs nur gerade 8,2 Prozent.

Diese Zahlen spiegeln vor allem die extreme Steigerung der Topsaläre. Doch auch im mittleren Kader (oberste zwei von vier Qualifikationsstufen) fällt die Bilanz für Nicht-Banker bitter aus. Ihr mittlerer Lohn ist laut Bundesamt für Statistik von 1998 bis 2007 um rund drei Prozent gesunken, während die Bankkader real 14 Prozent zugelegt haben. Im Klartext: Seit 1998 haben praktisch nur noch die Banker (oder deren Kader) ihre Einkommen erhöhen können.

Inzwischen liegt das Niveau der Banklöhne weit über demjenigen aller übrigen Branchen. Wie der auf offiziellen Zahlen beruhende Lohnrechner des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes zeigt, gilt das vor allem für die Kaderjobs.

Ein 40-jähriger Akademiker im oberen Kader verdient bei den Banken monatlich zwischen 20580 und 23080 Franken (Jahreslohn mit Boni geteilt durch 12). Nur die Pharmaindustrie hält da einigermassen mit. In allen anderen Branchen verdient man mit denselben Qualifikationen nur etwa die Hälfte (siehe Grafik, unten). Beim unteren Kader sind die Unterschiede deutlich geringer.

Hohe Banklöhne bedeuten teure Bankdienstleistungen. Zum Vergleich: Der Personalaufwand der Stadt Zürich liegt bei 116000 Franken pro Vollz eitstelle. Bei der Zürcher Kantonalbank sind es 169000 Franken plus gut 80000 Franken übriger Aufwand. Die Bruttogewinnmarge liegt typischerweise bei 50 Prozent. Insgesamt berechnen die Banken ihren Kunden pro Mannjahr etwa 500000 Franken beziehungsweise rund 250 Franken pro Arbeitsstunde. Zum Vergleich: Echte Ingenieure verrechnen 140 bis 150 Franken.

Weil die Ingenieure des Finanzwesens nicht nur teuer, sondern auch grobfahrlässig sind, regt sich jetzt Widerstand. Sogar die sanftmütige Wirtschaftsministerin Doris Leuthard (45) meinte diese Woche im Interview mit dem «Tages-Anzeiger»: «Für mich ist klar, dass die Lohnunterschiede zwischen dem Bankensektor und dem übrigen Bereich zu gross geworden sind.»

Die Unterschiede von Bank zu Bank

Die Mitarbeiter des Kreditgewerbes sind in der Schweiz etwas Besonderes. Zumindest verdienen sie deutlich mehr als durchschnittliche Angestellte. Nur, Bank ist nicht gleich Bank. Während UBS und Credit Suisse durchschnittlich zwischen 140000 und 150000 Franken an ihre Schweizer Angestellten zahlen, kommen deren Kollegen bei anderen Instituten auf weit bescheidenere Jahreslöhne (siehe Tabelle unten). Beispiel Migros Bank: Dort wurden 2008 im Schnitt 125000 Franken bezahlt. Boni machen dabei weniger als fünf Prozent des Personalaufwands von 155 Millionen aus. Oder die Bank Coop: Sie hat ein Bonus-Malus-System. Kein Gewinn, kein Bonus, heisst die simple Losung. Die ist bei der UBS aber angeblich nicht durchsetzbar.Trotz bescheidener Saläre und Verzicht auf überrissene Boni betonen diese kleineren Banken, sie hätten in den letzten Jahren keine Probleme gehabt, Leute zu rekrutieren. So nahm in den letzten zehn Jahren die Belegschaft der Migros Bank um 53 Prozent zu. CEO Harald Nedwed (48): «Das zeigt, dass die Migros Bank auch ohne exzessive Bonuszahlungen viele hochqualifizierte und motivierte Mitarbeiter finden konnte.» Marcel Odermatt Bank Coop Fr. 105600.– Hypothekarbank Lenzburg Fr. 112000.– Valiant Bank Fr. 116000.– Raiffeisen Fr. 122000.– Migros Bank Fr. 125000.– UBS Fr. 140000.– Credit Suisse * Fr. 150000.–Alle Angaben sind zusammen mit den einzelnen Banken berechnet worden (Die gesamten Personalkosten geteilt durch den durchschnittlichen Mitarbeiterbestand von 2008). Angaben von UBS und Credit Suisse beziehen sich auf 2007. * Personalkosten des Corprate & Retail Banking der Credit Suisse (klassisches Schweizer Retail- und Firmenkundengeschäft)

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Verdienen die Banker zu viel?»

  • 82,8% Ja.
  • 17,2% Nein.