Liechtensteinische Privatbank Valartis bleibt hart «Wir machen keine Deals mit Erpressern»

BENDERN (FL) - Unbekannte drohen damit, Namen und Kontodaten von Steuerbetrügern zu veröffentlichen. Für ihr Schweigen fordern sie zehn Prozent der Kontoguthaben. Die Bank beruhigt die Betroffenen, die Erpresser hätten nur alte Daten.

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Im Ländle spielt sich dieser Tage ein Wirtschaftskrimi erster Güte ab. Hacker erpressen vermögende Kunden der Privatbank Valartis mit Sitz in Bendern (FL). Hunderte sind betroffen, unter ihnen sollen Politiker und Schauspieler sein. «Unser Internetbanking wurde gehackt», bestätigt ein Sprecher der Bank gegenüber BLICK

Letzten Freitag wurden die Kunden per E-Mail kontaktiert. «Guten Tag, wir sind für diesen Datendiebstahl verantwortlich», schreiben die Betrüger. Und: «Wir haben mehr als zwei Monate versucht, die Bank auf das Sicherheitsproblem hinzuweisen, und Hilfe gegen Entgelt angeboten», heisst es in der von der «Bild am Sonntag» veröffentlichten Erpresser-Mail.

Und weiter: «Mehrfach wurde der Vorstand mehr als eindringlich gewarnt. Die Bank weigerte sich jedoch, Zahlungen an uns zu leisten und unsere Hilfe anzunehmen.» Will heissen: Auch die Valartis Bank selbst wurde erpresst. Entweder sie akzeptiert die «Hilfe» der Unbekannten – oder die Daten der Kunden werden Medien und Steuerbehörden zugespielt. Eine Horrorvorstellung für jedes Finanzhaus.

«Die Schreiben wurden immer aggressiver»

Wie die Bank ausführt, die im März vom chinesischen Milliardär Hon Kwok Lung (61) gekauft wurde und 3,5 Milliarden Franken Kundengelder verwaltet, haben die Unbekannten vor zwei Monaten als Beweis Kundendaten geschickt. Und gleichzeitig offeriert, das Datenleck zu schliessen. Dreist: «Die Bank sollte mehr als zehn Mal so viel zahlen wie üblich», sagt der Sprecher. Weitere E-Mails folgten. Der Ton wurde immer aggressiver. «Sie haben uns erpresst und ein Ultimatum gesetzt.»

Zwei Tage nach dem ersten E-Mail erstattet die Privatbank Anzeige und schaltet die Finanzmarktaufsicht ein. Denn: «Wir zahlen nichts! Wir machen keine Deals mit Erpressern», so der Sprecher. Das Datenmaterial des Hackers sei schlecht. «Es sind alte Daten von 2013. Es geht um Logindaten und Namen. Kein Kunde hat einen finanziellen Schaden erlitten», heisst es. Zugriff auf Kontostände habe der Unbekannte nie gehabt.

Die Erpresser behaupten das genaue Gegenteil. «Wir haben Einsicht in alle Transaktionen und den Kontostand. Von den Anfängen der Bank Ende der 90er-Jahre bis Oktober 2016.» Man habe immer noch Zugriff auf die Datenbank und stehe mit Behörden in Kontakt. Es sei bekannt, dass die Valartis dazu genutzt werde, Steuern zu umgehen und Schwarzgeld anzulegen. Dazu wollte sich der Sprecher nicht äussern.

Erpresser fordern zehn Prozent

«Wir bieten die Daten zum Kauf an», drohen die Erpresser. Dann machen sie den Opfern aber einen «Vorschlag»: «Sie werden garantiert von der Liste gelöscht, wenn sie eine Gebühr an uns entrichten.» Somit würden die Namen weder in der Presse erscheinen, noch an die Behörden übermittelt. Das sei eine sehr gute Lösung. «Wenn man bedenkt, dass ihr guter Ruf unbeschadet bleibt», heisst es.

Für ein Butterbrot gibt es das aber nicht: Die Kriminellen fordern für ihr Schweigen zehn Prozent des Kontoguthabens der Opfer. «Lange haben wir überlegt, welcher Betrag fair und angemessen ist», begründen die Erpresser. Falls man bezahlt. Wenn nicht, sollen die Namen der Kontoinhaber morgen in einer Woche veröffentlicht werden.

Publiziert am 29.11.2016 | Aktualisiert am 07.12.2016
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8 Kommentare
  • Sonja  Zwicker 29.11.2016
    Wenigstens dieses Problem haben wir "Normal-Sterblichen" nicht ;-) Da wird jeder Heller und Pfennig des bescheidenen Einkommens nachgewiesen, und sogar die kleine Rente ist zu versteuern! Macht gar nichts, wenn die Reichen auch mal schlaflose Nächte haben, den Armen geht es ständig so - auch aus weniger luxuriösen Gründen :-(
  • Elsbeth  Schmid 29.11.2016
    Was hinter dieser Aussage abläuft, evtl. wurde ja bereits bezahlt, wissen wir nicht. Sollte es so sein wie angekündigt, dann finde ich die Reaktion der Bank super. Unsere Banken haben ja sofort gekuscht vor den Regierungen der einzelnen DE Bundesländer. Die Regierungen welche eine solche CD für Millionen kaufen, sollten angeklagt werden. Aber da fehlt der Mut der Banken oder unserer Bundesanwaltschaft. Wäre es nicht ein Offizialsdelikt, welches die Bundesanwaltschaft hätte eröffnen müssen.
  • Baldrian  Hugentobler 29.11.2016
    Well....die Bank kann lange sagen, dass sie mit den Betruegern nicht cooperiert. Die Betroffenen sind am Schluss die Kunden, die dieser Bank und ihrer Daten-Sicherheit vertraut haben. Ich denke, dass da wohl erst mal einige IT Kapazitaeten intern zur Rechenschaft gezogen werden muessten. Der Versager ist auf jeden Fall die Bank und nichts schuetzt sie vor diesem Vorwurf.
  • Gustav  Gans 29.11.2016
    zu: wir machen keine Deals mit Erpressern: Sind ja nicht seine Daten, deshalb ist es ihm auch egal
  • Markus  Immer aus Dumagete
    29.11.2016
    Die Bank kennt ja den Typen der die Daten gestohlen hat. Er lebt in Saus und Braus in den USA! Die Daten u. die Quelle der Erpressungen stammen wohl aus der Artefaktenkammern von US-Behörden.