Firmen wie UBS, Hotelplan oder Swiss schicken ihre Angestellten länger in die Ferien, statt ihnen zu kündigen. Damit lassen sich Hunderte von Arbeitsplätzen retten.
Nicole Hasenfratz (22) macht gerne Ferien. Als Beraterin in der Hotelplan-Filiale am Zürcher Limmatplatz weiss sie auch, wie sie ihre Reiseträume wahr machen kann. Dieses Jahr sogar mehr denn je: Wegen der Wirtschaftskrise hat sie eine Woche Ferien extra, allerdings unbezahlt. «Wenn ich mithelfen kann, dass im
Unternehmen keine Stellen gestrichen werden, nehme ich den Lohnverlust von ein paar Hundert Franken gerne in Kauf», sagt Hasenfratz. Im September will sie eine Kollegin in Peru besuchen. Zweieinhalb Wochen lang werden die beiden das Land von der
Hauptstadt Lima bis zum Amazonas bereisen. «Lässig, so lerne ich die Welt noch besser kennen.»Wie die junge Frau denken bei M-Travel Switzerland viele: Die 1200 Angestellten der Migros-Tochter haben bisher 900 Wochen unbezahlte Ferien angemeldet. Pro Woche unbezahlten Urlaub schenkt M-Travel Switzerland den Angestellten einen bezahlten freien Tag. Reiseanbieter profitieren von unbezahlten Ferien ihrer Angestellten gleich doppelt: Sie sparen Lohnkosten und füllen die leeren Plätze in den Flugzeugen und Hotels mit eigenen Leuten. Den Angestellten von M-Travel Switzerland steht es frei, bei der Aktion mitzumachen. Für die Geschäftsleitung sind dagegen zwei Wochen unbezahlte Freizeit Pflicht. «Diese Zeit ist für mich wie geschenkt», sagt CEO Thomas Stirnimann (47). «Ich werde sie mit der Familie und Freunden verbringen, die leider oft zu kurz kommen.»Auch bei anderen Firmen arbeiten Angestellte dieses Jahr freiwillig weniger, damit andere ihren Job behalten können: Beim Hotelplan-Konkurrenten TUI Suisse machen 570 Angestellte durchschnittlich eine Woche unbezahlt Ferien. Bei der Airline Swiss haben die Mitarbeitenden Anträge für mehrere Hundert Wochen unbezahlten Urlaub gestellt.Bei der
UBS nehmen 200 Banker auf eigene Kosten eine Auszeit von durchschnittlich zwei bis drei Monaten. Zudem arbeiten 400 Angestellte der Grossbank neuerdings in Teilzeit. «Vor allem jüngere Mitarbeiter und solche in niedrigeren Rängen nutzen diese Möglichkeit», sagt UBS-Sprecherin Eveline Müller. Experten sind sich einig: Jede Stelle, die mit Extraferien oder Teilzeitpensen erhalten werden kann, ist ein Erfolg. «Es lohnt sich, die Möglichkeiten auszuschöpfen», sagt Arbeitgeber-Direktor Thomas Daum (60). Allerdings: So locker wie Reiseberaterin Nicole Hasenfratz, die noch bei den Eltern wohnt und kaum Fixkosten hat, kann nicht jeder Angestellte auf einen Teil des Lohns verzichten. «Für Leute mit Familie ist das oft nicht möglich, weil sonst der Lohn nicht mehr reicht», sagt Martin Flügel (42), Präsident der Gewerkschaft Travail Suisse. Er fordert deshalb, dass auch die Arbeitgeber einen Beitrag leisten. Dazu gehört ein Kündigungsschutz während der freiwilligen Auszeit. Wichtig ist auch, dass bei Teilzeitarbeit der volle Lohn versichert bleibt. Bei den Reiseveranstaltern und der UBS ist das der Fall. «Dies ist das absolute Minimum, damit die Massnahmen überhaupt greifen», sagt Denise Chervet (51), Zentralsekretärin des Bankenpersonalverbands.