Schweizer Händler halten im Preiskampf mit Lidl enttäuscht als Preisbrecher

  • Publiziert: 19.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Guido Schätti

Die Preisrevolution findet nicht statt. Der deutsche Marken-Discounter ist zwar günstig. Doch Coop & Co. schlafen nicht.

Gestern vor einem halben Jahr eröffnete Lidl die ersten 13 Läden in der Schweiz. Und schlug ein wie eine Bombe: Bei einem Vergleich von 40 Markenartikeln war Lidl bei neun Produkten zwischen 5 und 60 Prozent billiger.

Inzwischen hat der deutsche Hard-Discounter an Tempo verloren. 1-Rappen-Differenzen nicht eingerechnet, ist Lidl zwar noch immer bei sechs Artikeln günstiger. Doch die Abstände haben sich markant verkleinert. Und in drei Fällen haben die Schweizer Anbieter Lidl unterboten. Dies zeigt eine Erhebung des Internet-Vergleichsdienstes Comparis (siehe die PDF-Preisliste oben zum Download).

Die Schweizer Händler senkten bei mehr als einem Viertel der Vegleichsartikel die Preise. «Bei Discount-Markenartikeln garantieren wir seit Anfang Jahr gleiche Preise wie die Discounter», so Coop-Sprecher Nicolas Schmied. Einzige Ausnahme ist Markenbutter: «Wir wollen keinen unnötigen Druck auf den Butterpreis ausüben.»

Markant billiger ist Lidl nur dann, wenn derselbe Artikel in einer grösseren Verpackung angeboten wird. Ansonsten kann sich der Schweizer Ableger des viertgrössten Detailhändlers Europas der Marktmacht grosser Nahrungsmittelhersteller nicht entziehen. Experte Gotthard F. Wangler (61) ist enttäuscht: «Lidl will die hohen Margen in der Schweiz abholen und weicht dem Preiskampf aus.»

Der Freiburger Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger (48) widerspricht: «Dank Lidl und Aldi hat sich der Wettbewerb markant verstärkt.» In den vergangenen vier Jahren seien die Schweizer Preise schneller gesunken als in Deutschland.

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