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Die Schweiz kauft Libyen Erdöl und Erdölprodukte ab. Etwa 20 Prozent unseres Öls stammt aus dem Wüstenreich. Das könnte die Schweiz relativ schnell ändern. Und den Import des Öls auf ein anderes Land verlagern. Dieses Szenario drohte bereits im vergangenen Jahr, als Libyen-Diktator Gaddafi drohte, den Ölhahn zuzudrehen (Blick.ch berichtete).
Für Libyen steht mehr auf dem Spiel: Die Schweiz ist für Gaddafi der fünftwichtigste Exportpartner. Nach der EU, den USA, der Türkei und China. Und beim Import steht die Schweiz aus der Perspektive von Libyen immerhin an 10. Stelle.
Die Handelsbilanz mit Libyen ist aus Schweizer Sicht negativ. Das heisst: Wir importieren mehr, als wir exportieren. Im letzten Jahr wurden aus Libyen Produkte im Wert von 3,3 Milliarden Franken eingeführt.
Starke Zunahme des Handels
Ein Blick weiter zurück zeigt: Der Handel mit Libyen hat über die letzten Jahre stark zugenommen. Doch Libyen behält als Exportland aus Schweizer Sicht eine kleine Bedeutung. Würden die Handelsbeziehungen gekappt: Die Folgen wären für Libyen schlimmer.
Die Schweiz verkauft vor allem Maschinen, Fahrzeuge und Pharmaprodukte in den Wüstenstaat. Zudem wird wohl auch die eine oder andere Luxusuhr an die Gaddafi-Familie geliefert, wie aus der Exportstatistik hervorgeht. Allein zum 40. Jahrestag Gaddafis Herrschaft soll der Genfer Luxusuhren-Hersteller Chopard Uhren im Wert von 80 Millionen nach Tripolis verkauft haben.
Und immerhin hat die Schweiz mit dem Unternehmen Tamoil ein libysches Pfand in der Hand. Zur Firma gehören 350 Tankstellen, 126 davon mit einem Shop. Auch die Erdöl-Raffinerie in Collombey (VS) gehört Tamoil. Dort wird das Rohöl aus Libyen zu Benzin, Diesel und Heizöl verarbeitet. Der Hauptsitz von Tamoil liegt in Holland, das Unternehmen gehört jedoch dem libyschen Staat. Also Herrn Gaddafi persönlich.
Rechtsparteien gegen Boykott
Die SVP spricht sich jedoch gegen einen Boykott aus, da sie die Wirkung eines solchen sowieso als minimal einschätzt. «Derzeit heisst es vor allem: Nerven behalten und nicht überreagieren», betont Silvia Bär, stellvertretende Generalsekretärin der SVP. Das Wohl der Geiseln stehe schliesslich im Vordergrund.
Auch die FDP hält den Ball flach: Es gehe vorerst darum, dass die Libyer die Verpflichtungen einhielten, auf die sie sich im Vertrag mit der Schweiz eingelassen haben, betont Pressesprecher Noé Blancpain. Über spätere Schritte, falls sich Libyen weiterhin querstellt, mag er nicht spekulieren. «Wir stehen aber generell zum Freihandel und sind der Meinung, dass man mit Boykotten gegenüber solchen Regimen kaum etwas erreichen kann.» (pft/hhs)
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350 Tamoil-Tankstellen gibts in der Schweiz: Sie gehören der Familie Gaddafi. (SoBli)