KV-Präsident Jositsch schlägt Alarm Digitalisierung gefährdet bis zu 100'000 Jobs

ZÜRICH - Jeder fünfte Bürojob könnte in den nächsten Jahren ins Ausland verlagert werden. Dies zeigt eine Studie des KV Schweiz. Besonders gefährdet sind Buchhalter und Computer-Supporter.

KV-Präsident schlägt Alarm: Digitalisierung kostet 100'000 Stellen play
Wie zukunftsträchtig ist ihre Ausbildung? KV-Stifte in der Schule am Zürcher Escher-Wyss-Platz.

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Die Digitalisierung wird Bürojobs in den kommenden Jahren komplett verändern. Dies ist das Fazit zweier Studien des Kaufmännischen Verbandes (KV) Schweiz. 30’000 bis 100’000 Jobs sind akut von einer Verlagerung ins Ausland bedroht, wo die Löhne tiefer sind – «Offshoring», heisst das. Für nochmals fast gleich viele Jobs besteht eine «moderat vorhandene Exposition», wie es in der Studie des Beratungsbüros Infras heisst.

KV-Präsident schlägt Alarm: Digitalisierung kostet 100'000 Stellen play
Daniel Jositsch ist SP-Ständerat und Präsident von KV Schweiz. KEY

Besonders gefährdet sind Routinejobs mit einem hohen Anteil von repetitiven Tätigkeiten und wenig komplexen Aufgaben. Das sind etwa Buchhalter, Controller, IT-Supporter, Callcenter-Mitarbeiter, Marketing-Supporter, Personalverwalter, aber auch Software-Entwickler und Programmierer. Vergleichsweise sicher sind Management- und Beratungsjobs. Gewisse Experten glauben, dass auch Ingenieure, Planer und Berater zunehmend unter Druck geraten könnten.

130’000 Bürolisten müssen nachsitzen

Als Gegenmittel empfehlen die Experten eine Weiterbildungsoffensive. Besonders für die 130’000 Bürolisten, die neben der kaufmännischen keine weitere Ausbildung haben, müssen sich nach der Decke strecken, wenn sie ihren Job behalten wollen. Betroffen sind fast alle Branchen, aber besonders Multis mit hohem Wettbewerbs- und Kostendruck und einem internationalen Netzwerk greifen zu Auslagerungen.

Die KV-Jobs, die in der Schweiz verbleiben, werden sich laut Studie von ausführenden zu analytischen und strategischen Tätigkeiten entwickeln. Konkret: Der Sachbearbeiter hat ausgedient, Vermittler und Manager, die gleichzeitig über eine breite Allgemeinbildung, ein ausgeprägtes Spezialwissen und über hohe Sozialkompetenzen verfügen, sind hingegen auch in Zukunft gefragt.

Die kaufmännische Berufslehre ist noch immer mit grossem Abstand die beliebteste berufliche Ausbildung in der Schweiz. Knapp 15'000 junge Männer und Frauen traten letztes Jahr eine KV-Lehre an. Das ist rund drei Mal so viel wie bei der Detailhandelslehre.    

Publiziert am 23.11.2016 | Aktualisiert am 08.12.2016
Ulrich Rotzinger, Stv. Leiter Wirtschaft
Das meint BLICK

Die Chance packen!

Seien wir ehrlich: Die Digitalisierung trifft alle Arbeitnehmer. Wann, wie und in welchem Mass sich die Berufe ändern, weiss heute noch keiner. Aber die Gefahr, dass Sie oder ich bald einem Automaten Platz machen müssen, ist real.

Arbeitszeitreduktion, Weiterbildung und Umverteilung – das ist die Antwort der Gewerkschaft Syndicom auf die Digitalisierung. Sie greift zu kurz und scheint etwas sehr defensiv. Denn die Berufsleute kommen so nicht aus der Sackgasse heraus.

Der kaufmännische Verband (KV) Schweiz nimmt eine zweckoptimistische Haltung ein. Im Fokus steht weniger die Fortbildung im eigenen Beruf, sondern die lebenslange Erweiterung von Sozial- und Selbstkompetenz. Die eigenen Fähigkeiten und der Umgang mit anderen werden wichtiger. Neue Jobs bauen darauf.

In den eigenen Fähigkeiten liegen Chancen, die man jetzt packen muss!

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31 Kommentare
  • peter  Schaad 23.11.2016
    Die allermeisten Leute hier begreifen offenbar nicht, dass es hier nicht um Automatisation oder Abbau sondern um Auslagerung ins billigere Ausland geht. Das geht bei allen digitalisierten Jobs nämlich recht gut. Und das Thema wird uns noch sehr heftig betreffen, habe ich so das Gefühl.
  • Widmer  René aus Ersigen
    23.11.2016
    Hat Herr Jositsch die letzten 30 Jahre geschlafen? Dieser Trend ist voll im Gange und hat vor über 30 Jahren begonnen. Sämtliche Routinenjobs werden in den nächsten Jahren durch Roboter und Software ersetzt. Darum sollten wir uns schon langsam Gedanken über ein Grundeinkommen machen, welches jedem Bürger zustehen wird. Vor allem die Frage dessen Finanzierung wird spannend.
  • Marco  Weber 23.11.2016
    Und wieder einmal wird nur über die Digitalisierung gejammert! Was bestimmt sein wird, ist dass diejenigen welche Ihre Zeit mit Jammern und Motzen über den bösen Fortschrit und die Digitalisierung verbringen auf der Strecke bleiben werden! Alle anderen nehmen sich diese Chance und bilden sich weiter etc.
    • kurt  oberle aus Havelsee
      23.11.2016
      Ich habe 1965 meine Schriftsetzer-Prüfung noch mit Winkelhaken und Blei-Lettern wie zu Gutenbergs Zeiten abgeschlossen. 15 Jahre später hat der Computer das Druckgewerbe völlig verändert. Nachher wurden eher mehr Leute gebraucht, einfach mit völlig anderer Aus- oder Weiterbildung. Neue Technologien eröffnen immer Möglichkeiten, die nicht vorhersagbar sind, also kein Grund zur Panik.
  • Walter  Krebs 23.11.2016
    SP-Nationalrat Jositsch endlich ein Vernünftiger mit Durchblick, im Gegensatz zu FDP-Nationalrat Voser. Er will 2 Milliarden für eine digitale Schweiz, damit nicht nur 100‘000 Arbeitsplätze, sondern alle wegrationalisiert werden. Sie werden nicht wegrationalisiert, nur umgelagert, wird Noser sagen. Wie und auf was? Die FDP-Hochfinanz gräbt sich so das Wasser selber ab. Auch ihre egoistische Geldgier wird dann gestoppt.
    W. Krebs, Bern
    • Marco  Weber 23.11.2016
      Genau Herr Krebs! Was ist mit all den Berufen die es früher mal gab? Zum beispiel Strassenlaternen Anzünder? Alles weg und dreht sich die Welt noch? Ja macht Sie.... gibt es anstelle des Strassenlaternen Anzünders neue jobs? ja gibt es! Entweder Sie gehen mit dem Fortschritt und nutzen Ihn oder Sie bleiben auf der Strecke!
  • Christian  Kurmann , via Facebook 23.11.2016
    So so,dann bilden sich alle weiter und jobs hat es trotzdem nicht mehr.
    Wir müssen langsam grundlegende veränderungen an unserem system vornehmen und zwar nicht nur im büro!
    Irgendwann kommen auch hoch entwickelte roboter zum einsatz und dann wirds für viel mehr als ein paar huntertausende brenzlig.