Krieg der Sterne So mogeln Hotels beim Rating

ZÜRICH - Gastrosuisse und Hoteleriesuisse wollen ein einheitliches Sterne-System. Sünder werden gebüsst. Doch damit lösen sie das Chaos nicht: Denn Online hat man als Hotel alle Möglichkeiten.

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Wie exklusiv ist ein Hotel? Was gehört zum Con­cierge-Service? Gibt es eine Minibar auf dem Zimmer, einen Föhn im Bad? Antworten darauf sollten die Hotelsterne geben. Doch Stern ist nicht gleich Stern.

Viele Länder haben eigene Hotel-Classements (siehe Box unten), die sich voneinander unterscheiden. Sogar innerhalb eines Landes ist Sterneföifi statt klarer Regelung angesagt: etwa in der Schweiz. Hier gibts Gastrosuisse-Sterne und solche von Hotelleriesuisse.

Beim Verband Gastrosuisse bedeuten zwei Sterne eine «funktionelle, praktische Ausstattung» und einen Dienstleistungsgrad, der «mittleren Ansprüchen» genügt. Hotelleriesuisse dagegen erwartet von Mitgliedern ganz konkret, dass sie etwa Internetzugang im Zimmer, Leselicht am Bett und Frühstücksbuffet bieten. Die Sterne von Hotelleriesuisse entsprechen denen der Hotelstars Union. Dieser wiederum sind Hotelvereinigungen aus 16 Ländern angeschlossen.
«Es herrscht grosse Verwirrung bei den Sternen», stellt Thomas Allemann (56) fest, Mitglied der Hotelleriesuisse-Geschäftsleitung. Seit 2010 hat Konkurrenzverband Gastrosuisse ein eigenes System. Bald aber soll es nur noch Schweizer Sterne geben. «Wir arbeiten derzeit gemeinsam an einer Lösung», bestätigt Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer (54) auf Anfrage. Wann es so weit ist, steht noch in den Sternen. Nur so viel: Man wird sich wohl auf das Rating der Hotelstars Union einigen.

Hotelverbände überprüfen regelmässig, ob die Mitglieder ihre Sterne rechtmässig führen. Pro Jahr geht Hotelleriesuisse im Schnitt gegen zwei Betriebe vor, die mehr Sterne führen, als sie gemäss ihrer Ausstattung eigentlich führen dürften. Wer einer Verwarnung nicht nachkommt, wird deklassiert oder aus dem Verband ausgeschlossen.

Gewiefte Hoteliers lassen sich davon nicht schrecken: Einige treten aus – und behalten ihre Sterne. So etwa das Hirschen am See in Obermeilen ZH. Der Hirschen trägt als Landgasthof eigentlich keine Sterne. Auf der Buchungsplattform Booking.com aber prangen drei davon.

Das klappt, weil sich Booking wie viele Online-Plattformen auf die Selbsteinschätzung der Häuser verlässt. So erklärt der Geschäftsführer des Fleming’s Hotel in Zürich auf Anfrage: «Wir fühlen uns als Vier-Sterne-Hotel und weisen das entsprechend aus.»Das sieht Hotelleriesuisse anders: Der Verband wollte das Fleming’s deklassieren, weil er die vier Sterne nicht für gerechtfertigt hielt. 2014 trat das Hotel aus – behielt aber seine Sterne. Die, so heisst es vom Fleming’s, dürfe man ohnehin führen, weil man als Hotel einer deutschen Kette nach dem dortigen System kategorisiert sei.

Hotelleriesuisse reagierte empört. Man dürfe sich nicht einfach auf eine ausländische Klassifikation berufen. «Jedes Hotel muss vor Ort überprüft werden, damit der Gast die Sicherheit hat, dass In­frastruktur und Service der publizierten Klassifikation entsprechen», sagt Allemann. Das Fleming's gibt sich dreist: «Sterne könnte man auch weglassen.» Wichtiger seien ja Kundenbewertungen, so der Geschäftsführer.

Stünde sein Hotel in einer deutschen Stadt, hätten wenigstens Online-Bucher mehr Durchblick. Denn die deutsche Booking-Seite unterscheidet Selbsteinschätzung von Sterne-Ranking. Die einen Hotels kriegen gelbe Punkte, die anderen richtige Hotelsterne. 

Publiziert am 02.10.2016 | Aktualisiert am 03.01.2017

Stern ist nicht gleich Stern

Es herrscht Chaos im Hotel-Sterne-Universum. Was bedeuten Sterne eigentlich?

Grundsätzlich gilt: Je mehr Sterne ein Hotel hat, desto luxuriöser ist es. Mehr als fünf Sterne, beziehungsweise fünf Sterne Superior, geht eigentlich nicht. Einige Betriebe behaupten dennoch, Sieben-Sterne-Häuser zu sein – so das weltberühmte Burj al Arab in Dubai.

Doch auch zwischen den einzelne Sterne-Systemen bestehen grosse Unterschiede. Manche Länder wie Italien oder Spanien haben die Aufgabe der Hotel-Klassifizierung an regionale Organisationen übertragen. In Frankreich dagegen legt die Organisation «Atout France» fest, was ein Stern bedeutet und wer wie viele führen darf.

Einige Hotelverbände in Europa – etwa in Schweden, Tschechien, Lettland sowie die Schweizer Hotelleriesuisse – haben sich bei der Klassifizierung der Hotelstars Union angeschlossen. Laut Experten gehören die Rankings in Australien, Ägypten und Kanada zu den besten. l

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4 Kommentare
  • Peter  Stark aus Basel
    03.10.2016
    Das selbe Sterne-Durcheinander gits im Fussball.
    In der Schweiz gibt es für 10 Meistertitel einen Stern.
    In Deutschland hat Bayern München 5 Sterne die müssten demnach 50 Mal Deutscher Meister geworden sein.
  • Daniel  Frei 02.10.2016
    Wie altmodisch die Schweizer Verbände doch sind: Leselicht am Bett ... also bitteschön. Erstens hat es das sowieso überall, zweitens manchmal zu düster und drittens ist das alles von Fotos und Ratings im Internet längst überholt.
  • Daniel  Metzener , via Facebook 02.10.2016
    Ich halte nichts von Kundenbewertungen, weil sie zu sehr subjektiv und momentbezogen sind. Frustrierte Besserwisser könnten somit den Ruf eines gastronomischen Betriebes in Missgunst bringen oder umgekehrt kann ein Gastro-Betrieb selbst durch Eigeneinträge das Gesamtbild verfälschen. Daher finde ich, dass hier ausschliesslich verifizierte Gastro-Prüfer, welche unangemeldet und anonym in Erscheinung treten, die Sterne vergeben dürfen aufgrund klarer Richtlinen und Definitionen der Sterne.
  • Michael  Berger aus St. Gallen
    02.10.2016
    Wir benötigen dringend ein Gesetz. Wir müssen regeln, dass Hotels und Ferienwohnungen auf Schweizer Boden nur noch mit Sternen von einer Schweizer Organisation werben dürfen. Auch muss die Zertifizierungsstelle und das Datum der Wertungsprüfung klar einsehbar sein.