Krankenkassen versprechen Besserung Ist jetzt endlich Schluss mit Telefonterror?

ZÜRICH - Lästige Telefonanrufe von Krankenkassen-Vermittlern sind ein Dauerärgernis. Die Krankenkassen selbst versprechen Besserung – doch die Branchenregelungen sind löchrig.

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Man kommt abends müde nach Hause, sitzt hungrig vor einem dampfenden Teller Pasta – und schon wieder klingelt das Telefon. Eine Schweizer Nummer – wer mag das sein? Am anderen Ende meldet sich ein Vertreter eines angeblich unabhängigen Versicherungsberaters, der einem in gebrochenem Deutsch einen Krankenkassenwechsel andrehen will.

Der Absender ist ebenso erfunden wie die eingeblendete Telefonnummer. Die Stimme gehört einem schlecht bezahlten Call-Center-Mitarbeiter irgendwo in Deutschland, Rumänien oder der Türkei.  

Die Versprechen der Verbände 

Nun versprechen die Krankenkassen griffige Massnahmen gegen den Telefon-Terror. Die so genannte Kalt-Akquise, also Anrufe ohne vorherigen Kundenkontakt, sei für sie tabu, versprechen die beiden Verbände Curafutura und Santésuisse. Falsche Angaben zu Herkunft und geklaute Telefonnummern stünden sowieso auf dem Index. 

Nur: Warum hören die Anrufe dann nicht auf, wenn doch die Regeln so hart sind? 

Ein Grund dafür: Beim Verband Santésuisse beschränken sich die Regeln auf die Grundversicherung. Bei den Zusatzversicherungen sind die Santésuisse-Mitglieder nach wie vor frei, mit welchen Maklern sie zusammenarbeiten. Hier liegt ein Schlupfloch.

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Zusatzversicherungen sind das grosse Geschäft

«Die Regelung von Curafutura geht weiter, weil sie auch Zusatzversicherungen erfasst», sagt Felix Schneuwly, Versicherungsspezialist beim Vergleichsdienst Comparis. «Das ist wünschenswert.» In der Grundversicherung lohne sich die Jagd nach guten Risiken heute nicht mehr. Für solche Adressen zahle niemand mehr viel Geld.

Anders bei den Zusatzversicherungen: «Hier hat sich der Konkurrenzkampf verschärft», sagt Schneuwly. «Die Jungen sind kritischer geworden und hinterfragen vermehrt die Leistungen.» Umso härter sei der Kampf um Adressen von wechselwillige Kunden. 

Was bringt ein Verbot?

Das Problem der Kalt-Akquise lasse sich über eine Branchenregelung nicht lösen, entgegnet Santésuisse. Der Verband macht sich für ein Verbot auf Gesetzesebene stark. «Der Kampf gegen unseriöse Telefonwerbung kann nur mit einer Änderung im Gesetz über den unlauteren Wettbewerb (UWG) gewonnen werden», heisst es in einer Mitteilung. Denn die Anrufer und Makler operierten oft aus dem Ausland. Nötig sei ein generelles Verbot der Kaltakquise.

Manchen Beobachter sehen in der Verbotsforderung ein Ablenkungsmanöver, um Zeit zu gewinnen und die eigenen Mitglieder zu schonen. Schneuwly stellt den Nutzen in Frage: «Die Forderung von Santésuisse nach einem Verbot ist eine Bankrotterklärung. Ein solches würde nichts nützen. Ein Call-Center in Istanbul schert sich nicht darum.» Solange Versicherer und Makler Termine von Börsen kauften, gehe das Geschäft weiter.

Publiziert am 07.10.2016 | Aktualisiert am 05.12.2016
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11 Kommentare
  • Michael  Büchi aus Zürich
    08.10.2016
    Herr Schneuwly muss sich als ehemaliger Sprecher von Santesuisse perfekt mit diesen Telefonanrufen auskennen. Früher tatkräftiger Unterstützer dieser nervigen Paktiken, nun Kritiker: Vom Saulus zum Paulus?
  • Adrian  Schärli aus Nebikon
    07.10.2016
    Lasst euch einen Termin geben und trefft euch dann mit der Person, die eich beraten will. Dann werdet ihr sehen, welche Versicherer mit diesen Telefonterroristen zusammenarbeiten. Das muss man dann wiederum an die grosse Glocke hängen!
  • Hans  Baumann 07.10.2016
    Die heutige Gesellschaft lässt sich nicht mehr so leicht von einem Telefonanruf ins Boxhorn jagen wie früher. Früher hatte man Angst vor all diesen komischen Anrufen. Heute sieht man ja die Nummer und/oder kann ja unterdrückte Anrufer generell abweisen.
    Mir persönlich macht es seit der Installation des Digitalanschlusses von Swisscom regelrecht Spass, dass einer anruft. Ich bedanke mich beim Anrufer und sage ihm, dass ich ihn jetzt sperren werde :-)
    • Gerhard  Steinmann aus Winterthur
      08.10.2016
      das funktioniert aber nicht weil das nächste Mal mit einer anderen Nummer angerufen wird.
  • Rolf  Rossi aus Buchs
    07.10.2016
    Meine Antwort ist immer die gleiche. "Komme grad vom Arzt, brauch Bi_Pass". Dann wird freundlicherweise gleich aufgelegt. Dann Nummer sperren. Simpel.
  • Karen  Mind 07.10.2016
    Och, ich finde die amüsant... wer hat die besseren Nerven, wenn ich mich schwerhörig stelle und der Anrufer alles mind. 5x wiederholen muss ich es dann falsch wiedergebe..... irgendeinmal wird meine Telefonnummer auch bei denen auf der Blacklist stehen.