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Eine riesige Verspätung gab es schon vor dem Start. Statt wie geplant am 2. Juni 1996 fuhren die Züge erst mit vier Monaten Verspätung. Und die Pannen gingen weiter. Eine Chronologie:
29. September 1996: Die ersten Pendolino-Züge von Cisalpino nehmen Fahrt auf. Wegen Problemen in der Software mit vier Monate Verspätung. Doch es stehen nur vier Zugskompositionen zur Verfügung. Statt neun. Weil Hersteller Fiat nicht nachkommt mit dem Liefern.
Oktober 1996: Passagiere beklagen sich: Es wird ihnen schlecht im Zug. Denn der Pendolino neigt sich in den Kurven, damit er schneller fahren kann.
Januar 1997: Fiat bezahlt einen Schadenersatz in Millionenhöhe, weil die Züge zu spät geliefert wurden. Bezahlt wurden für die 9 Kompositionen insgesamt 225 Millionen Franken.
Juli 1997: Der Pendolino wird zum «Pannolino». In einem Monat kommt es zu 131 Vorfällen. WCs funktionieren nicht, Türen klemmen – Verspätungen. Sechs Mal gibt es sogar einen Totalausfall.
Juni 1998: Weitere Ausfälle. In Basel bleibt ein Cisalpino wegen einem defekten Stromabnehmer stehen. Und noch immer kämpfen Passagiere in den Zügen mit Übelkeit.
Mai 1999: Die Böden in den Restaurantwagen und den Wagen 2. Klasse schlagen Wellen. Sie müssen ersetzt werden.
Juni 2000: Auf die Kinderkrankheiten der Züge folgen gleich die Alterbeschwerden, heisst es unter den Bähnlern. Zum Beispiel Sensoren, die falschen Alarm schlagen.
November 2000: Schock in Deutschland: Achsenbruch bei einem Pendolino. Die SBB unternimmt nichts, weil die Cisalpino-Neigezüge nicht mit den deutschen Pendolini verwandt seien. Hersteller ist aber ebenfalls Fiat Ferroviaria.
August 2001: Schock in der Schweiz: Die Intercity-Neige-Züge werden aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr genommen, wegen lockeren Schrauben an den Fahrgestellen. Sofort taucht die Frage auf: Und was ist bei Cisalpino? Dort gibt man Entwarnung. Andere Technik.
Januar 2002: Immerhin: Cisalpino fährt in die Gewinnzone: Im Jahr 2001 verdient die Tochterfirma von SBB, Trenitalia und Lötschbergbahn 5,79 Millionen Franken.
September 2002: Flucht nach vorn: Wenn die Cisalpino-Züge über eine halbe Stunde Verspätung haben, erhält der Passagier 21 Franken zurück.
April 2004: Cisalpino bestellt 14 neue Pendolino-Züge. Diesmal bei Alstom. Das ist aber ein Etikettenschwindel. Denn der französische Alstom-Konzern hat zwischenzeitlich die Mehrheit an Fiat Ferroviaria übernommen. Die Neigetechnik kommt deshalb nach wie vor aus derselben Küche. Kostenpunkt 500 Millionen Franken. Liefertermin Ende 2007.
2005: Bilanz: Die Ausfallrate der Cisalpino-Züge bleibt hoch: Bei 1,5 Prozent. Die der Neigetechnik bei 5,4 Prozent. Jene der Toiletten bei 8 Prozent.
April 2006: Schock im Zimmerberg: Eine Cisalpino-Lock ist defekt, es kommt zu einem Brand. 117 Passagiere müssen aus dem Zimmerberg-Tunnel evakuiert werden. Drei Personen müssen in Spitalobhut gebracht werden.
Dezember 2006: Die Statistik sagt: Jeder dritte Pendolino von Cisalpino hat Verspätung. Und zwar massiv. Bei den SBB kritisiert man die Wartung in Italien.
Dezember 2007: Auch der Liefertermin für die neuen Züge wird nicht eingehalten. Der Schaden für die Verspätung wird auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.
Juli 2008: Die neuen Cisalpino-Züge, die noch immer nicht startklar sind, sollen nur nach Genf sowie Bern und Basel fahren. Obwohl sie auch für die Gotthartrampe konstruiert wurden. Das Problem: Die Neigetechnik.
22. Dezember 2008: Ein Cisalpino bleibt auf der Fahrt von Mailand nach Basel im Lötschberg-Basistunnel stecken. 200 Passagiere müssen evakuiert werden.
Januar 2009: Die Cisalpino-Züge werden aus dem Verkehr gezogen, damit sie gewartet werden können. Konventionelle Kompositionen kommen zum Einsatz.
Februar 2009: Das Bundesamt für Verkehr droht: Cisalpino soll die Konzession entzogen werden, wenn sich die Situation nicht bessere.
Juli 2009: Erste Testfahrten mit den neuen Cisalpino-Zügen in Italien verlaufen problemlos.
August 2009: Zwei der neuen Testzüge werden ausser Betrieb gesetzt. Wegen Problemen mit dem Bremssystem.
7. September 2009: Kurzes Aufatmen: Cisalpino behält die Konzession.
11. September 2009: Massenschlägerei im Cisalpino von Zürich nach Mailand. Für einmal ist die Konstruktion des Zuges nicht für die Schäden verantwortlich.
25. September 2009: Die Firma Cisalpino wird fallengelassen und aufgelöst. Die Muttergesellschaften SBB und Trenitalia nehmen die Verbindung nach Italien wieder selber in die Hand.
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Eigentlich blieb es immer ein Projekt – mit vielen Pannen. Heute wird die Firma Cisalpino nach 13 Jahren Betrieb aus dem Verkehr gezogen. (Keystone)