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Dank dem Pilotversuch: Erste-Klasse-Passagiere haben es gut. (Georg Anderhub)
Erste-Klasse-Passagiere auf der Gotthard-Strecke haben es gut: Seit letztem August müssen sie nicht mehr in den Speisewagen, wenn der Magen knurrt. Sie können sich Essen und Trinken direkt am Platz servieren lassen. Vom Gourmet-Frühstück bis zu Züri-Gschnätzletem – der Zugbegleiter bringts.
Doch der Pilotversuch der SBB kommt nicht bei allen an. Den Zugbegleitern stinkt der Rollenwechsel vom Kondukteur zum Kellner gewaltig. Dies zeigt eine Umfrage der Eisenbahner-Gewerkschaft SEV. Von den 91 Zugbegleitern, die antworteten, sprachen sich 84 (92 Prozent) gegen die Fortführung des Versuchs aus. Nur fünf waren dafür. «Wir sind nicht gegen das Angebot, meinen aber, dass wir dafür die falschen Personen sind», sagt Andreas Menet (46), Zentralpräsident des Zugpersonalverbands (ZPV). Das speziell geschulte Personal des Bahngastronomie-Unternehmens Elvetino ist nach seiner Meinung besser für den Servicejob geeignet.
Die SBB kontern mit einer eigenen Umfrage. Resultat: Gut die Hälfte (51 Prozent) von 77 befragten Mitarbeitenden bezeichnete den Service als Bereicherung für ihre Arbeit oder waren neutral. Doch nur 22 Prozent der Befragten möchten die Zusatzaufgabe beibehalten. Trotz des Anreizes, dass der «Kellner des Monats» eine Prämie von 100 Franken in Reka-Checks erhält.
Den Reisenden der ersten Klasse gefällt das neue Service-Angebot, wie eine weitere SBB-Umfrage zeigt. Danach sind 96 Prozent der 400 Befragten mit dem Service der Zugbegleiter «eher bis sehr zufrieden». Gar 81 Prozent der Passagiere sind dafür, dass das Pilotprojekt weitergeführt und ausgedehnt wird. Für SBB-Sprecher Reto Kormann ist darum klar: «Wir wollen die Gastgeberrolle des Zugpersonals künftig weiter stärken.»
Doch SEV-Vizepräsident Manuel Avallone (48) bleibt «sehr skeptisch»: «Wir glauben, dass der Kunde im Speisewagen besser bedient ist.» ZPV-Präsident Menet betont, dass das Zugpersonal Mühe hat, mit den Menübestellungen nachzukommen, wenn der Zug voll belegt ist: «Dann müssen wir halt die Billettkontrolle in der zweiten Klasse vernachlässigen.»
Finanziell ist der Food-Service bislang kein Erfolg. Laut SBB betrug der Umsatz von August 2009 bis März 2010 nur 52 000 Franken. Das sind rund 230 Franken pro Tag. Ob sie das Angebot weiterführen und ausdehnen wollen, entscheiden die SBB im Herbst.
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Doppelrolle: Auf der Gotthard-Strecke kontrollieren Zugbegleiter Billette und servieren Menüs. (Georg Anderhub)