Konsumentenforum steigt aus Der Todesstoss für den Preisbarometer?

Kein Mensch interessiert sich mehr für das Vergleichsportal gegen die Währungsabzockerei. Darum hat das Konsumentenforum jetzt die Nase voll. Die Tage des Preisbarometers sind gezählt.

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Eigentlich hätte die Website preisbarometer.ch die Konsumenten laufend über willkürliche Preisunterschiede zwischen der Schweiz und den Nachbarländern informieren sollen. Doch das Interesse ist so schwach, dass sich die Frage stellt: Lohnt sich das noch?

Nein, sagt jetzt das Konsumentenforum (KF). Es ist eine der insgesamt vier Organisationen, die für das Portal regelmässig Preise vergleicht. Federführend ist die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

«Das Konsumentenforum hat entschieden auf Ende 2014 aus dem Preisbarometer auszusteigen», schreibt das KF in einer Mitteilung. «Gründe dafür sind der grosse Aufwand für die Erhebung der Preise und das geringe Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten.»

Eine halbe Million gegen Währungsabzockerei

Der Preisbarometer war die erste Massnahme, die der Bundesrat 2011 im Kampf gegen die starken Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem Ausland beschloss. Weil damals der Euro rapide an Wert verlor, stieg die Preisdifferenz von Markenprodukten. Viele Schweizer Händler weigerten sich, die Preise von Importprodukten zu senken. Dadurch stieg der Einkaufstourismus.

Der Bundesrat sprach dafür 500'000 Franken. Jedes Jahr erhalten die Konsumentenorganisationen für den Betrieb der Website und die Preiserhebungen 50'000 Franken. Dem Schweizer Handel war die Seite von Anfang an ein Dorn im Auge.

Höhepunkt des Konflikts war Anfang April, als die Migros die SKS hart angriff. In einer neuen Erhebung hat die SKS ermittelt, dass Coop im direkten Preisvergleich 2 Prozent günstiger sei als die Migros. Dies stand in einer Mitteilung an die Medien.

Später zogen die Konsumentenschützer die Aussage zurück, als sie entdeckten, dass beim Vergleich krasse Fehler gemacht hat und nicht die exakt gleichen Produkte verglichen wurden.

Im «SonntagsBlick» ärgerte sich Migros-Sprecher Urs-Peter Naef: «In der ersten Erhebung, die uns die SKS zustellte, war jede dritte Preisangabe falsch. Das Vorgehen war unglaublich dilettantisch.»

Höchstens 120 Klicks pro Tag

Derweil nahm das Interesse der Konsumenten am Portal ab. Zwar steigt der Einkaufstourismus weiter an, gleichzeitig korrigierten aber die grossen Detailhändler Migros und Coop die Preise vieler Importprodukten nach unten.

In den letzten vier Wochen wurde der Preisbarometer lauf KF nur gerade 2900 Mal angeklickt. Im ersten Monat nach dem Start Ende 2012 waren es noch 135'000. Pro Tag wird die Seite zwischen 55 und 120 Mal aufgesucht.

Für KF-Geschäftsführer Michel Rudin ist der Preisbarometer «zu wenig aktuell und nutzenstiftend». Und das werde sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern.

Vertrag läuft Ende Jahr aus

Ganz anders sieht es SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Der Preisbarometer ist kein Flop – aber auch kein hochfrequentiertes Schnäppchenportal.» Die Besucherzahlen würden eine untergeordnete Rolle spielen, wichtiger sei es, damit den politischen Druck aufrecht zu erhalten.

Wie weiter jetzt? Ende Jahr läuft der Vertrag mit dem Bund aus. Beim zuständigen Büro für Konsumentenfragen (BfK) bleibt man schwammig: Man werde mit den Konsumentenorganisationen abklären, ob das Portal weitergeführt werden könne, heisst es auf Anfrage. Es sei «unter anderem eine Frage der Finanzierung».

Stalder sagt dazu: «Wir haben das in unserer Allianz intensiv besprochen. Die Bereitschaft, den Preisbarometer weiterzuführen, ist da.» (alp)

Publiziert am 21.05.2014 | Aktualisiert am 21.05.2014
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2 Kommentare
  • Sabi  Limmar 21.05.2014
    Da wir tatsächlich auch ohne Mindestlohn in der Schweiz kräftig mehr verdienen als das Ausland, erübrigt sich ein Preisbarometer, welcher sehr wahrscheinlich durch Steuergelder finanziert wird!
  • Claudio  Kälin aus Buchs
    21.05.2014
    Der Webauftritt von Preisbarometer.ch lässt doch sehr zu wünschen übrig... die Aktualität lässt auch sehr zu wünschen übrig. Die Bürger und Bürgerinnen im Land wissen wohl besser wo sie welche Produkte günstiger einkaufen können