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Was können Konsumenten tun, die sich über überhöhte Preise ärgern?
Rafael Corazza: Zuerst muss ein Konsument dem Händler sagen, dass ihm der Preis nicht passt, und ihm nötigenfalls drohen, das Produkt im Ausland einzukaufen. Wenn der Händler im Ausland nicht in die Schweiz liefern darf, dann soll sich der Konsument unter weko@weko.admin.ch bei uns melden.
Und dann?
Wenn Konsumenten Währungsvorteile nicht erhalten, weil ein Importkartell dies verhindert, leiten wir eine Untersuchung ein. Solche Importbeschränkungen – von Direktimporten durch Konsumenten oder von Parallelimporten durch Händler – schotten den Schweizer Markt ab und verhindern, dass die hiesigen Händler unter Druck kommen, die Wechselkursvorteile weiterzugeben.
Was nützt das dem Konsumenten?
Im Fall von BMW haben sich viele Kunden beklagt, sie könnten einen BMW nicht direkt in Deutschland kaufen, weil den Händlern eine direkte Lieferung in der Schweiz untersagt worden sei. Nach unserer Untersuchungseröffnung letzten Herbst hat BMW rasch reagiert, und plötzlich hat BMW Gratisausstattungen offeriert, um die Schweizer Kunden zu beruhigen. Wem der Preis weiterhin nicht passt, kann BMW jetzt direkt aus dem EU-Raum importieren. Andere Verfahren, die bei uns zu genau dieser Situation hängig sind, betreffen Musik-CDs, Nikon-Fotoprodukte, Bergsportartikel, Pauschalreisen und den Papiergrosshandel.
Die meisten Konsumenten fühlen sich nicht dazu berufen, der Weko zu helfen, ein Kartell aufzudecken, und sehen sich machtlos gegenüber einem abzockenden Händler.
Die Macht liegt doch bei den Konsumenten. Mich erstaunt, dass die Konsumentenschutzorganisationen nicht klarer auftreten und den Leuten sagen, sie sollen Druck aufsetzen. Wenn zehn oder zwanzig Kunden kommen und dem Händler drohen, macht das dem schon Eindruck. Man sollte sich direkt an den Filialleiter wenden, und der wird es dem obersten Chef dann schon sagen.
Wenn Kunden im Ausland einkaufen, schadet das aber der Schweizer Wirtschaft.
Kunden sollen sich von Patriotismus-Appellen nicht einschüchtern lassen. Die Unternehmen reagieren auf Signale des Marktes. Wenn die Schweizer weiter lammfromm überteuerte Produkte einkaufen, nehmen die Firmen an, ihre Preisen seien o. k. Da sind die Konsumenten selber schuld.
Konsumentenschützerin Sara Stalder sagt, die Weko solle intervenieren.
Das machen wir, wenn wir auf Kartelle stossen, aber wäre es nicht eher angezeigt, die Konsumenten zu mobilisieren? Sie können sich doch wehren. Ihre Portemonnaies sind das beste Argument. Umgekehrt macht es keinen Sinn, dass wir selber Tausende von Produkten untersuchen. Da verlieren wir uns. Doch wir haben fast acht Millionen Marktbeobachter, die sollen uns die Fälle bringen, wo sie sich nicht selber wehren können, und dann reagieren wir sofort, wie wir mit BMW gezeigt haben.
Wir gross schätzen Sie das Senkungspotenzial ein?
Es schenkt massiv ein, nicht nur wegen des starken Frankens. Die Grundproblematik ist die Abschottung der Schweiz vom Ausland. Die Schweizer sollen vom offenen Markt profitieren. Im Prinzip ist den meisten Konsumenten schon gedient, wenn sie die Möglichkeit haben, sich im Ausland eindecken zu können, besonders bei Grossanschaffungen wie Autos oder Möbeln.
Die Schere zwischen Ausland- und Inlandpreis öffnet sich weiter – dennoch wird die Weko nicht überrannt.
Die Konsumenten helfen sich offenbar selbst – umso besser. Aber der Fall BMW zeigt die Wirkung einer Untersuchung. Denn über BMW hinaus weiss jeder Autoimporteur spätestens jetzt, dass er Parallelimporte nicht verbieten kann. Der Markt ist wieder offen. Das bringt die Preise aller Autos ins Rutschen.
Und damit wird das Dossier BMW geschlossen?
Die Untersuchung von BMW läuft weiter – im schlimmsten Fall droht eine Busse.