Kommt es nun zum Kahlschlag? Charles Vögele gehört jetzt Italienern

PFÄFFIKON SZ - Das traditionsreiche Modehaus Charles Vögele gehört neu zu 83 Prozent der italienischen Investorengruppe rund um den Modekonzern OVS. Kommt es nun zum Kahlschlag?

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Nach 61 Jahren ist bei Charles Vögele Schluss mit der Eigenständigkeit. Keystone

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Die Übernahme von Charles Vögele ist besiegelt: Nach 61 Jahren ist Schluss mit der Eigenständigkeit. 78,4 Prozent der Charles-Vögele-Aktien sind neu im Besitz der Sempione Retail AG, zu der die italienische Modekette OVS gehört.

Damit gingen 7,1 Millionen Aktien in die Hände der Italiener über. Zudem holten sich die Käufer gut 127'000 Aktien von der Börse oder im ausserbörslichen Handel.

Zusammen mit den bei Ablauf der Angebotsfrist von den Käufern und Charles Vögele gehaltenen Aktien besitzen die Italiener nun rund 83 Prozent der Stimmrechte und des Kapitals des Schweizer Modehauses.

OVS-Chef soll in den Verwaltungsrat

Charles Vögele führt am 2. Dezember in Pfäffikon SZ noch während der Nachfrist für das Übernahmeangebot eine ausserordentliche Generalversammlung durch.

Dabei sollen drei Vertreter von Sempione Retail in den Verwaltungsrat gewählt werden, so etwa OVS-Chef Stefano Beraldo (59). Der Abschluss der Übernahme wird frühestens Ende 2016 erwartet. Danach sollen die Aktien von der Schweizer Börse genommen werden. Die Traditionsmarke Charles Vögele verschwindet nächstes Jahr. Sie stand über 60 Jahre lang für den Modekonzern mit dem lila Anstrich.

Kommt es zum Kahlschlag?

Charles-Vögele-Chef Markus Voegeli (55) rechnet nach der Übernahme nicht mit einem Kahlschlag bei den über 6000 Beschäftigten. Wenn schon, werde es einen Personalabbau bei der Zentrale in Pfäffikon geben, sagte er unlängst in einem Interview. Die 163 Filialen seiner Modekette würden im Lauf des Jahres 2017 auf OVS umgestellt.

Sempione Retail besteht aus OVS und zwei Investoren. Der Anteil des Modekonzerns beläuft sich dabei auf 35 Prozent. Die Vögele-Übernahme ist der zweite Expansionsversuch des früher Oviesse genannten Konzerns in der Schweiz. 2001 vereinbarten Oviesse und Globus, dass der italienische Konzern 35 der 60 ABM-Filialen übernehmen sollte.

Oviesse hat es schon einmal in der Schweiz versucht

Erfolgreich war Oviesse damit jedoch nicht, unter anderem weil der italienische Konzern den schwedischen Konkurrenten H&M unterschätzte. Bereits 2004 brach Oviesse seine Zelte in der Schweiz wieder ab.

Diesmal ist OVS zuversichtlich. Oviesse sei nicht mit OVS von heute zu vergleichen, erklärte Konzernchef Stefano Beraldo. In Italien stieg OVS zur Nummer eins im Modegeschäft auf und überholte dabei Benetton. Nach Angaben Beraldos wächst sein Geschäft schneller als das der zwei wichtigsten Konkurrenten H&M und Inditex mit den Zara-Läden. (bsh/SDA)

Publiziert am 17.11.2016 | Aktualisiert am 17.11.2016
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