Ankurbeln im globalen Stil Können wir den Banken noch trauen?

  • Publiziert: 30.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist Ringier

ZÜRICH – Die Lage ist ernst: Die Finanzwelt liegt am Boden und eine Lösung ist nicht in Sicht. Dennoch ist Panik fehl am Platz.

Die Lage war schon lange sehr ernst. Jetzt ist alles noch schlimmer geworden: Nach dem Nein im US-Kongress steht die Welt führungslos da. Die Führungsmacht präsentiert sich als chaotischer, in sich zerstrittener Haufen. Und das in einer Lage, in der grassierendes Misstrauen das Hauptproblem darstellt. Kann man den Banken noch trauen, wenn diese gegenseitig an ihrer Kreditwürdigkeit zweifeln und noch nicht einmal über Nacht Geld ausleihen?

Alles hängt jetzt an den Zentralbanken und – vor allem in den USA – an der staatlichen Einlageversicherung FDIC. Sie werfen den Banken das Geld zurzeit förmlich hinterher. Rund 600 Milliarden Dollar haben sie ihnen kurzfristig zur Verfügung gestellt, damit wenigstens der Zahlungsverkehr nicht zum Stillstand kommt – und mit ihm die reale Wirtschaft.

So wie es in dieser Sekunde aussieht, hat dieser Notfalltropfen – mehr ist es angesichts der Kreditpyramide nicht – vorerst gewirkt. Die Börsen halten sich in trotz der Hiobsbotschaft aus Washington erstaunlich ruhig. Doch darauf ist kein Verlass. Jetzt muss möglichst schnell ein neues Rettungspaket auf den Tisch des Capitols. Irgendetwas, was die Märkte beruhigt und ihnen das Gefühl gibt, dass die Welt nicht völlig führungslos dahin taumelt.

Was könnte das sein? Vielleicht reicht schon eine auf 650 Milliarden abgespeckte Kreditlimite. Denkbar wäre auch, dass notfallmässig die Buchhaltungsregeln geändert werden. Mit dem Zweck, dass die Banken ihre faulen Kredite nicht zum extrem tiefen Marktwert bilanzieren müssen, sondern zu einem wie immer definierten «inneren Wert». Damit würde zumindest Zeit gewonnen, um marode Banken in Ruhe zu sanieren.

Global handeln

Doch das allein reicht nicht. Wie viel ausstehende Kredite wert sind, hängt letztlich vor allem von der Konjunktur ab. Firmen die keine Aufträge und Haushalte, die kein Arbeitseinkommen haben, können auch keine Kreditzinsen bezahlen. Deshalb muss jetzt über Ankurbelungsprogramme geredet werden und zwar am besten im globalen Stil. Nur so kann die Kreditpyramide nachhaltig gestützt werden.

Und was soll der Anleger tun? Ihm bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass alles doch noch besser wird. In diesem Fall wäre es das dümmste, jetzt alles zu Tiefstpreisen zu verkaufen. Ausserdem wäre das auch ziemlich verantwortungslos. Die Lage ist ernst genug, da wäre Panik das Schlimmste.

Was unternehmen Sie angesichts der turbulenten Lage an den Finanzmärkten?
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Werner Vontobel, Wirtschaftspublizist.

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