«Kein Blanko-Scheck für Wall Street»

  • Publiziert: 23.09.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

WASHINGTON – Die US-Regierung will mit dem milliardenschweren Rettungspaket für die Wall Street vorwärts machen. Dumm nur, dass gleichzeitig Wahlkampf ist. Derweil leiden die Schweizer Bankentitel.

Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke wollen die Kongressabgeordneten zu einer schnellen Zustimmung bewegen. Sie treten deshalb in einer zweitägigen Anhörung vor die Politiker.

Trotzdem rechnete kaum noch jemand mit einer Einigung in dieser Woche, so dass die Ungewissheit über den Rettungsplan weiter auf der Finanzwelt lasten dürfte.

Am Finanzmarkt nahm die Skepsis über das Rettungspaket zu: Die Wall Street hatte gestern kräftige Verluste verbucht, und die Schweizer Börse notierte auch heute Mittag rund ein Prozent schwächer, mit deutlichen Verlusten bei den Finanzwerten.

Streit im Zeichen des US-Wahlkampf

Der erbitterte Streit zwischen US-Regierung und Kongress um Details des 700 Milliarden Dollar teuren Pakets steht nicht zuletzt im Zeichen der Präsidentenwahl in den USA in rund sechs Wochen.

Die Kongressabgeordneten wollen den Plan der scheidenden Regierung George W. Bushs nicht einfach durchwinken, weil sich viele von ihnen am 4. November ebenfalls zur Wahl stellen müssen.

«Wir stellen der Wall Street keinen Blanko-Scheck aus», sagte die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi. (SDA/gux)

UBS, CS fallen

ZÜRICH – Die Aktien der Banken und Versicherungen haben heute ihre Verluste im Verlauf merklich ausgeweitet. Vor allem die Aktien der Grossbank UBS stürzten um über zehn Prozent auf 18,66 Franken ab.
Die Papiere von Konkurrentin Credit Suisse verloren fünf und die des Rückversicherers Swiss Re 4,4 Prozent. Händler verwiesen auf eine Stellungnahme von US-Notenbankchef Ben Bernanke vor dem US- Kongress, die Reuters vorab vorlag.Darin sagte Bernanke, trotz des Rettungsplanes befänden sich die Finanzmärkte immer noch in extremen Turbulenzen. Das geplante Kreditpaket solle daher rasch vorangetrieben werden, um die Situation zu stabilisieren und «sehr ernsthafte Folgen» zu verhindern.

Teures Rettungspaket

Die US-Regierung will jene faulen Kredite aufkaufen, die den Finanzinstituten in der jüngsten Krise zum Verhängnis geworden sind. Mit Goldman Sachs und Morgan Stanley warfen gestern die beiden letzten grossen US-Investmentbanken ihr Geschäftsmodell über Bord und gaben ihre Umwandlung in gewöhnliche Geschäftsbanken bekannt. Zu Jahresanfang gab es in den USA noch fünf grosse Investmentbanken. Bear Stearns und Merrill Lynch retteten sich seither in die Arme der breiter aufgestellten Häuser JP Morgan und Bank of America, Lehman Brothers musste Insolvenz anmelden.

play «Madame Speaker» Nancy Pelosi und der Kongress wollen den Finanzplan nicht einfach durchwinken. (AP)

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