BLICK mit Bundespräsident Hans-Rudolf Merz auf dem Kronberg «Kaum Januar, schon ist der Merz da!»

  • Publiziert: 03.01.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Georges Wüthrich

Der neue Bundespräsident macht uns Mut! Auf einem der schönsten Aussichtsberge des Appenzellerlandes verrät Hans-Rudolf Merz (65), wie wir die Krise meistern können, wie wir die Ärmel hochkrempeln müssen.

Strahlend blauer Himmel plötzlich. 300 Meter unterhalb der Bergstation ist die Kronberg-Bahn aus dem dicken Nebelmeer gestossen. Symbolisch für das schwierige Jahr 2009? Sieht alles doch nicht so schwarz aus? Kommen wir plötzlich wieder aus dem Nebel heraus?Oben auf seinem geliebten Kronberg – 1600 Meter liegt er über Meer – schaut Bundespräsident Hans-Rudolf Merz durchs Fernrohr auf das mächtige Säntis-Massiv. Ein Appenzeller mit Weitsicht: «Packen wir die Krise», sagt er.Merz baut auf die traditionellen Schweizer Werte: Selbstbehauptungswille Zuverlässigkeit Qualität.«Krisen haben uns noch stärker gemacht.» Hungersnöte, Kriegsmobilmachungen, Wirtschafts-Einbrüche. «Bleiben wir, wie wir sind, dann schaffen wir’s», sagt er voller Zuversicht.Dabei baut er vor allem auf die Jungen: «Sie sollen jetzt ihre Energien freimachen.»Aber der Bundespräsident will nicht falsch verstanden werden. Obwohl er sich als Insider auf mehr Radargeräte und Antennen stützen kann, räumt er ein: «Ich kann die Entwicklung auch nicht genau voraussehen.»Deshalb war er in seiner Neujahrs-Ansprache alles andere als schönfärberisch: Er hat Menschen direkt angesprochen, die vielleicht ihren Arbeitsplatz verlieren werden.Am Berchtoldstag packte Hans-Rudolf Merz die Gelegenheit, um auf dem Kronberg nochmals Sonne zu tanken. Es vergeht kaum ein Sonntag in schneefreier Zeit, ohne dass Merz auf den Kronberg wandert. Das bleibt auch nach seinem «kurzzeitigen Ausfall» im Herbst so. Der Respekt vor der schweren Krankheit bleibt aber. Heute fühlt sich Merz wieder topfit. «Manchmal habe ich das Gefühl, es gehe mir besser als vorher.»Die Reaktion der Skifahrer und Berggänger ist auch typisch schweizerisch: Grüezi Herr Merz da, Grüezi Herr Merz dort! Ein junger Appenzeller wird sogar typisch appenzellisch witzig: «Kaum hat der Januar begonnen, ist schon der Merz da.»Aber der Merz ist auch schnell wieder gegangen. Zu Hause wartet Arbeit. In der kommenden Woche kommt der neue österreichische Bundeskanzler. Die Botschafter aus aller Welt erwarten am Neujahrsempfang eine gute Rede des schweizerischen Bundespräsidenten. Die Eröffnung des WEF in Davos naht. Er wird es gemeinsam mit dem früheren russischen Präsidenten Wladimir Putin eröffnen.Merz wird einen neuformierten Bundesrat zusammenschweissen müssen. Das wird gar nicht so einfach werden: Bis es Eveline Widmer-Schlumpf und Ueli Maurer wieder miteinander können, wird es einige Zeit dauern. Merz wird mit seiner versöhnlichen Haltung viel dazu beitragen können – und müssen.Der 8. Februar bereitet ihm Sorge. Die heisse Abstimmung über die Personenfreizügigkeit naht: «Es wäre absolut fatal, wenn wir die offenen Grenzen zu Europa wieder künstlich zumachen würden.» Gerade in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit.Merz arbeitet hinter den Kulissen nicht nur für ein gutes Ende des Steuerstreits mit der EU. Die Probleme mit den USA wegen Steuerbetrügereien amerikanischer UBS-Kunden brennt ihm genauso heiss unter den Nägeln.Immer noch steht die Drohung im Raum, der UBS die Banklizenz zu entziehen, wenn die Schweiz die Kundendaten nicht herausrückt. Merz leistet Amtshilfe, auch wenn die UBS die Probleme selber verursacht hat. Der Bundespräsident will partout nicht verraten, mit wem er in den USA alles telefoniert hat, damit es nicht zum Schlimmsten kommt. Er macht es auf seine Weise: «Erklären, erklären, wie die schweizerischen Mühlen mahlen.»Die Schweiz ist schliesslich nicht untätig: Die ersten Amtshilfefälle sind abgeschlossen. Jetzt ist das Bundesverwaltungsgericht an der Reihe: «Wenn wir einen Präzedenzfall haben, können wir vorwärts machen.» Ob die US-Justiz so lange warten will?Langfristig sieht der schweizerische Finanzminister nur eine Lösung: «Ein Zinsbesteuerungsabkommen mit den USA, wie mit der EU.»Viel Glück, Herr Merz!

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