Kampf um Sika Franzosen wollten Verwaltungsräte feuern

ZÜRICH - Der Geheimvertrag zwischen Saint-Gobain und der Familie Burkard zeigt: Saint-Gobain-Chef de Chalendar wollte missliebige Verwaltungsräte knallhart aus dem Weg räumen.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Mittagessen mit Hollywood-Traumpaar Clooneys exklusive Tafelrunde
2 Lehrlinge zeigen ihren Arbeitsalltag Coop startet Snapchat-Offensive
3 Theresa May hat Grosses vor Die Briten träumen wieder vom Empire

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
16 shares
8 Kommentare
Fehler
Melden

Pierre-André de Chalendar (58) zeigte sich sich gönnerhaft: Unter dem Dach von Saint-Gobain werde «Sika ein Schweizer Unternehmen bleiben», verkündete der Chef des französischen Baukonzerns in ganzseitigen Zeitungsinseraten.

Sika werde sich nach der Übernahme durch Saint-Gobain «einer grossen Autonomie erfreuen», versprach de Chalendar. Die Mitarbeiter hätten nichts zu befürchten: «Ich bin entschlossen, mit jedem Einzelnen von Ihnen auch in Zukunft zusammenzuarbeiten.»

Falsche Versprechen

Das waren leere Worte. Tatsächlich wollte Chalendar alle Verwaltungsräte feuern, die nicht spuren. Das geht aus dem Kaufvertrag hervor. Darin schreibt de Chalendar der Familie Burkard vor, dass sie Verwaltungsräte, die sich dem Verkauf widersetzen, unverzüglich aus dem Amt zu entfernen hat.   

Der Kaufvertrag zwischen de Chalendar und der Familie Burkard war bis anhin streng geheim. Erst durch das Urteil des Zuger Kantonsgerichts vom vergangenen Freitag wurde er öffentlich. De Chalendar und die Familie Burkard kassieren dort eine Niederlage auf ganzer Linie.

Verkauf ist blockiert

Das Gericht kommt zum Schluss, dass die geplante Auswechslung der Verwaltungsräte ein unzulässiges Manöver war, um die Sika-Statuten auszuhebeln und das Unternehmen an die Franzosen zu verscherbeln. Angesichts des drohenden Verlustes der Unabhängigkeit habe der Verwaltungsrat zu Recht die Stimmrechte der Familie beschnitten. 

Damit ist der Verkauf des Schweizer Bauchemiekonzerns blockiert. Urs Burkard (59) hat angekündigt, er werde bis vor Bundesgericht gehen, um die Sache zu drehen und die von den Franzosen gebotenen 2,8 Milliarden Franken kassieren zu können. Ob die Familie das Risiko angesichts der deutlichen Abfuhr in der ersten Instanz wirklich auf sich nehmen wird, ist aber offen.

Der Sika-Verwaltungsrat um Präsident Paul Hälg (62) will den Burkards ein Gegenangebot unterbreiten. Gemäss dem Urteil soll dieses 2,25 Milliarden Franken betragen. Das wäre zwar deutlich weniger als das Gebot von de Chalendar. Auf den aktuellen Börsenwert von knapp 1,9 Milliarden Franken würde die Familie aber noch immer eine flotte Prämie kassieren.  

Publiziert am 02.11.2016 | Aktualisiert am 13.11.2016
teilen
teilen
16 shares
8 Kommentare
Fehler
Melden

8 Kommentare
  • Helga  Grand aus susten
    02.11.2016
    Ich kann nur jeder Firma raten, keine Franzosen rein zulassen, das wird der Untergang sein, glaubt mir, ich weiss wovon ich rede.
  • Patrick  Müller aus steffisburg
    02.11.2016
    Die Firma ist Gesund und braucht absolut kein Franzosen die dann sagen was sie zu machen haben. Dies wollen nur die Gierigen Aktionären die immer zu wenig haben. Sika sollte ganz Einfach ein Schweizer Unternehmen bleiben.
  • Pascal  Meister , via Facebook 02.11.2016
    In Zukunft werden wohl solche Eigentümerfamilien darauf achten, im Verwaltungsrat immer die Mehrheit der Mitglieder zu stellen. Dann kann nicht plötzlich der Verwaltungsrat gegen die Interessen der Eigentümer der meisten Stimmrechte handeln.
    • Rolf  Oehen aus Hünenberg See
      02.11.2016
      Leider gibt es auf dieser Welt nicht nur nette u. faire Firmenbesitzer. Insofern sind Aussen- bzw. Fremdkontrollen oft hilfreich, insbesondere dann, wenn über Jahrzehnte die Mitarbeiter halfen das Unternehmen nach vorne zu bringen. Wo bleibt dann die Verantwortung diesen gegenüber, wenn jeder "Inhaber" komplett frei schalten u. walten kann - nur auf den eigenen Geldbeutel schielend? NUR nehmen, geht heute weder «links» noch «rechts»! Partnerschaft heisst die Zukunft, sonst geht alles kaputt.
    • Erwin  Huber 02.11.2016
      Mit Eigentum hat die Sache nichts zu tun, hier geht es um Aktinärsrechte. Das begreifen die Massenmedien leider auch nicht. Selbst wenn man auf eigentumsrechtlicher Basis argumentieren wollte, würde den Erben nur 16 Prozent des Kapitals gehören, den restlichen Aktionären aber 84 Prozent. Zur Erinnerung: 84 ist mehr als 16! Von Eigentümerfamilie kann also keine Rede sein. Dieser Fall gehört eindeutig nicht zu Ihrem Fachbereich.
  • thomas  brunner aus Bönigen
    02.11.2016
    Bleibt nur zu Hoffen, dass das Bundesgericht die schweizer Gesetze wieder Herstellt. Wenn ein Familien Unternehmen an die Börse geht und sich die Stimmmehrheit in den Statuten sichert, MUSS jeder Investor dies Berücksichtigen und Akzeptieren. Oder wurde Herr Gates gezwungen, Aktien der Firma Sila zu kaufen ? Möchte mal bei seiner Firma schauen, seine Reaktionen schauen, wenn Hedgefonds, Norwegischer Staatsfond oder gar die SNB sagen was mit der Firma passieren soll.
    • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
      02.11.2016
      @thomas brunner
      Dieser Schwindel gehört abgeschafft. Das sollte bei der nächsten Revision des schweizerischen Aktienrechtes angepackt werden. Das zweite Thema ist, dass bei jeder schweizerischen AG zwingend die Mehrheit der Verwaltungsräte Schweizer sein müssen. Dann hören Gaunereien wie rund um den Verkauf der Syngenta ebenfalls auf.
    • Erwin  Huber 02.11.2016
      Lesen Sie doch mal die Statuten der Sika bevor Sie sich hier blamieren! Die werden Sie zwar auch nicht verstehen, aber daraus geht ganz klar hervor, dass der Verwaltungsrat rechtmässig gehandelt hat. Art. 4 der Statuten sieht nämlich für den zugrunde liegenden Fall eine Beschränkung der Stimmrechte vor. Würde nur die gesetzliche Regelung angewendet, würde die Sache für die Erben noch schlechter aussehen. Wirtschaftsrecht verlangt halt etwas mehr, als nur einen Fensterplatz in der Realschule.