Kein Stundenlohn unter 22 Franken, fordert der Gewerkschaftsbund. Jetzt geben die Unternehmer Kontra: Als Mindestlohn sei das viel zu viel.
Lautstark macht die Unia im ganzen Land auf die Mindestlohninitiative aufmerksam. Ein Salär von mindestens 22 Franken pro Stunde verlangen die Gewerkschaften – das entspricht einem Monatslohn von 4000 Franken.
Vor Coiffeurgeschäften und Schuhladenketten, vor Tankstellenshops, einem Gemüse-Grossisten und einer Bonbonfabrik, vor einem Gartenbaugeschäft und einer Modeboutique setzte es in den vergangenen 14 Tagen Proteste.
Auch vor den Toren der Eugster/Frismag in Amriswil TG machte die Gewerkschaft mobil. Nach Werksangaben verdienen Fliessbandmitarbeiter des Kaffeemaschinenherstellers um 18 Franken brutto in der Stunde, also rund 3400 Franken im Monat. Mehr liegt nicht drin, sagt Paul Meiler, Geschäftsleitungsmitglied von Eugster/Frismag: «Ein Stundenlohn von 22 Franken ist jenseits von Gut und Böse.» Bei solchen Löhnen könne die Firma keine konkurrenzfähigen Preise mehr bieten; sie müsste ihre Arbeitsplätze an Standorte in China und Portugal verlagern.
Ins gleiche Horn bläst Silvia Huber-Meier von der Bonbonfabrik Domaco in Lengnau AG: «Wir bieten sichere Arbeitsplätze für teils wenig oder gar nicht ausgebildete Menschen, die sonst kaum eine Chancen haben, Arbeit zu finden.» Das Familienunternehmen zahlt Fr. 18.45, brutto rund 3100 Franken pro Monat. Die Ferienentschädigung ist da schon einkalkuliert.
Unia-Geschäftsleitungsmitglied Vania Alleva kommentiert: «Für ein Leben in Würde reicht ein Lohn weit unter 4000 Franken nicht. Das ist nicht fair.» Wer voll arbeite, solle von seinem Lohn auch voll leben können. Landauf, landab träfen die Gewerkschafter auf Vollzeitbeschäftigte mit tiefen Löhnen, die auf zusätzliche Unterstützung vom Sozialamt angewiesen seien.
Laut Unia arbeiten 300000 Frauen und mehr als 100000 Männer zu Löhnen von weit unter 4000 Franken – bei vollem Pensum. Michael Claussen, Leiter der Basler Schuldenberatung Plusminus: «Ausreichende Löhne sind wie eine genügend gute Sozialhilfe für die Bekämpfung der Armut dringend nötig.»
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