Kahlschlag im Aargau Alstom-Poker: Die Schweiz zahlt den Preis

Bei Alstom im Aargau werden 1300 Stellen gestrichen, obwohl General Electric im Juni noch versicherte, dass alle Angestellte in der Schweiz ihre Arbeit behalten können.

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Wirtschaft

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Noch immer sitzt der Schock tief: Der US-Industriemulti General Electric (GE) gab am Mittwoch bekannt, dass im Aargau 1300 Stellen ausradiert werden. Dies, nachdem Bundesrat Johann Schneider-Ammann (63) von den Amerikanern noch im Juni Zusagen bekam, dass sämtliche 5500 ehemaligen Alstom-Angestellten in der Schweiz weiterbeschäftigt werden. Wie konnte es so weit kommen?

Rückblende: Im Frühling 2014 war bekannt geworden, dass GE die Energiesparte des französischen Konkurrenten Alstom übernehmen will, die über 70 Prozent des Alstom-Umsatzes ausmachte. Die aufgescheuchte Regierung in Paris lehnte den Verkauf ab.

Doch GE liess nicht locker. Im November 2014 stimmte Frankreich schliesslich doch zu. Aber nicht gratis: Der US-Industriemulti musste dem französischen Staat Zugeständnisse machen. «GE muss die vertraglichen Konditionen erfüllen», sagt der frühere Alstom-Schweiz-Chef Walter Gränicher zu SonntagsBlick. Die Amerikaner hatten den Franzosen 1000 neue Jobs in Frankreich versprochen. Diese entstehen nun am GE-Sitz in Belfort (F), nordöstlich der Schweizer Grenze. «Belfort wird gestärkt», so Gränicher.

Soll die Schweiz genauso offensiv vorgehen wie die Franzosen? Der zuständige Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann (59) plädiert dafür, dass sich der Staat verstärkt einmischt, vorerst bei der Bewältigung der Krise: «Es soll mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft geprüft werden, wie die Betroffenen optimal unterstützt werden können.» Zum Beispiel durch spezielle Angebote  für Weiterbildungen und Stellenvermittlung.

Doch Hofmann denkt grösser. Er fordert ein spezielles Gremium aus Bundesrat, Gewerkschaften, Arbeitgebern und Kantonen, welches die Industrie in der Schweiz fördert. Ins gleiche Horn bläst Mathias Regotz (38), Vizepräsident der Gewerkschaft Syna: «Wir wünschen uns eine nationale Zusammenarbeit mit allen wichtigen Playern wie bei der Landwirtschaft. Dort ist das selbstverständlich.»

Dumm nur: Wirtschaftsminister Schneider-Ammann spielt da nicht mit.

An der SVP-Albisgüetli-Tagung am Freitagabend betonte der Bundespräsident, dass er eine Schweizer Industriepolitik ablehne.

Den GE-Jobabbau im Aargau hätte die Politik sowieso kaum verhindern können. So sieht es  zumindest der ehemalige Alstom-Chef Gränicher: «Im Kraftwerksbau in Europa läuft nichts mehr.» Europa verzeichnet ein Überangebot an Strom, der Bau von Kraftwerken erfolgt nur noch auf Sparflamme.

Der Industrieprofi: «Die Restrukturierung ist deshalb nachvollziehbar und logisch.»

Publiziert am 17.01.2016 | Aktualisiert am 17.01.2016
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  • Henri  Steinlin aus Courchavon JU
    17.01.2016
    Das Problem ist doch dass zu viele seht gute Schweizer Firmen ins Ausland verkauft wurden und auch werden. Bei Alstom sehen wir jetzt die Folgen. Sika wird die nächste Firma sein und bei Syngenta wird es auch kommen.
    Warum wohl - mit der Produktion kann man nicht mehr reich werden - mit Firmen kaufen, "zerlegen" und verkaufen schon. Das beste Beispiel ist Herr Blocher, schaffte er es doch in einem Berufsleben zum Milliardär - auf wessen Kosten?
  • jürg  frey aus teufen
    17.01.2016
    Hat nichts mit dem Franken zu tun. Qualität kostet halt und wer das nicht mehr will geht eben in Billig-Lohn-Länder, oder holt billiges Personal. Siehe Swiss. Sicherheitstechnisch auf Rang 32 der Fluggesellschaften. Früher immer in den Top-Ten! Wie weit ist Swiss Made gekommen.
    • Holger  Merk 17.01.2016
      Kompletter quatsche bei Frankreich von einem billiglohn Land zu reden. Und das Märchen mit der überragenden Schweizer Qualität glauben auch nur die, die sich die hochpreisinsel Schweiz schönreden wollen. Die Wahrheit tut einfach manchmal weh!
  • Pierre  Glöckli , via Facebook 17.01.2016
    Wenn die Amerikaner etwas kaufen wird immer "optimiert". Die Lohnkosten sind 60 Prozent günstiger im Ausland, also kann man immer davon ausgehen das beim Verkauf an die Amerikaner die Stellen ins Ausland verlegt werden! Ich war selber schon betroffen!
  • Peter  Leo 17.01.2016
    Warten wir doch erst mal ab. Schweiz: Kein Streik, keine radikalen Gewerkschaften. Frankreich: Kürzere Arbeitszeiten, hoher Kündigungsschutz, Staat unterstützt Industrie, will demzufolge dreinreden, radikale Gewerkschaften.Wenn GE merkt, wie die Arbeitsmoral in Frankreich auf die Länge funktionert, könnte das Pendel zugunsten der Schweiz schwingen und der Abbau ist weniger drastisch. Schon zuz oft wurde zu sehr dramatisiert.
  • Loris  Frey 17.01.2016
    Ich verstehe diese Aufregung nicht. Da wird seid Jahren auf den Ausländern rumgehackt was das Zeugs hält, Abstimmung über Abstimmung und nun gehen sie von alleine und das ist nun auch wieder nicht gut. Verschwinden die Firmen kommen auch keine Migranten mehr, da der Arbeitsplatz Schweiz unattraktiv ist. Tja, so ist es halt. Die Zeiten vom füfi und Weggli sind endgültig Geschichte.
    • Hanspeter  Elmer aus Glarus
      17.01.2016
      Die USA und Kanada beschränken die Zuwanderung im Gegensatz zu Schweiz rigoros. Im übrigen hat die Übernähme von Alstom durch einen amerikanischen Betrieb rein gar nichts mit den Bilateralen zu tun. Es werden jetzt wohl auch ganz sicher nicht nur die Ausländer ihren Job verlieren. Aber eines ist sicher: Trotz Stellenabbau werden auch dieses jahr wieder 80000 Ausländer in die Schweiz kommen. Spätestens wenn sie ausgesteuert sind, werden sie es auch begreifen, Hr. Frey.