Riskanter Riesen-Deal Julius Bär muss tief in die Tasche greifen

Die Schweizer Privatbank schlägt in den USA zu und kauft von Merrill Lynch eine Vermögensverwaltungssparte. Sie ist aber noch alles andere als rentabel.

  • Publiziert: 13.08.2012
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Freudentag für Julius-Bär-Chef Boris Collardi (38).

(Keystone)

Das von Julius Bär übernommene Geschäft ist derzeit nicht profitabel. Das Verhältnis von Kosten und Einnahmen beträgt laut Finanzchef Dieter Enkelmann 105 Prozent. Julius Bär muss tief in die Tasche greifen, damit das Geschäft später läuft.

Mit Investitionen von rund 400 Mio Fr. von Julius Bär und von gut 120 Mio. Fr. durch die Bank of America, Mutterhaus von Merrill Lynch, soll das Geschäft aber bis 2015 profitabel gemacht werden, sagte Finanzchef Dieter Enkelmann der Nachrichtenagentur awp.

Ein Teil der Kundenberater bei Merrill Lynch - Enkelmann spricht von rund der Hälfte - müsse zudem aktiv entscheiden, ob sie zu Julius Bär wechseln wollten oder nicht. Mit den Kundenberatern, welche verloren gingen, fliesse dann auch Geld ab, so Enkelmann.

40 Prozent mehr Vermögen

Die Merrill-Lynch-Sparte verwaltet Vermögen von 84 Milliarden Dollar oder umgerechnet 81 Milliarden Franken und verfügt über mehr als 2000 Mitarbeitende, darunter mehr als 500 Finanzberater, wie Julius Bär heute Montag mitteilte.

Innerhalb von zwei Jahren will Julius Bär daraus Vermögen von 57 bis 72 Mrd. Fr. integrieren. Dies mache zusätliches Eigenkapital von 300 Mio. Fr. nötig. Der vereinbarte Kaufpreis entspricht 1,2 Prozent der transferierten Vermögen, also voraussichtlich rund 680 bis 860 Mio. Franken. Die Kosten für die Integration der Merill-Lynch-Sparte werden auf rund 400 Mio. Fr. geschätzt.

Die Übernahme werde das Geschäft in Europa sowie in den wichtigen Wachstumsmärkten in Asien, Lateinamerika und dem Mittleren Osten deutlich vergrössern, erklärte Daniel Sauter, der Verwaltungsratspräsident von Julius Bär, in der Medienmitteilung. Die verwalteten Vermögen von Julius Bär sollen um rund 40 Prozent auf 251 Mrd. Fr. und das Total der Kundenvermögen auf rund 341 Mrd. Fr. steigen.

Es braucht noch Zustimmung von Behörden und Aktionären

Die Übernahme hat auch ihren Preis für die Aktionäre: Der Kauf soll finanziert werden durch eine Kombination von bis zu 530 Mio. Fr. aus existierendem Überschusskapital, der Ausgabe von 200 Mio. Fr. an neuen hybriden Instrumenten sowie 740 Mio. Fr. neuem Aktienkapital.

Von neuen Aktienkapital sollen 240 Mio. Fr. an die Bank of America gehen und die restlichen 500 Mio. Fr. durch ein Bezugsrechtsangebot ausgegeben werden. Zugleich will Julius Bär weitere 250 Mio. Fr. neues Aktienkapital für künftige «strategische Flexibilität» aufnehmen. Die Kapitalerhöhung soll von einer ausserordentlichen Generalversammlung am 19. September genehmigt werden.

Der Abschluss der Übernahme wird nach Genehmigung durch wichtige Behörden und anderer Abschlussbedingungen gegen Ende 2012 oder Anfang 2013 erwartet. Der Deal soll ab dann positiv zum Gewinn beitragen. Julius Bär stellt überdies einen Zuwachs des Gewinns pro Aktie im Jahr 2015 von 15 Prozent in Aussicht.

Spätfolge der Finanzkrise

Merrill Lynch gehört zur Bank of America. Diese gilt als grosse Verliererin der Finanzkrise. Die Schwierigkeiten mit faulen Immobilienkrediten sind auch der Grund, weshalb Teile der Vermögensverwaltung überhaupt zum Verkauf standen.

Die Bank of America hat sich – zumindest im Nachhinein gesehen – mit der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch übernommen. Dazu hat sie auch noch den einst grössten US-Immobilienfinanzierer Countrywide gekauft, und zwar 2008 als sich die Finanzkrise bereits anbahnte. Schliesslich musste der Finanzkoloss vom Staat gerettet werden.

Bis heute hinkt die Bank of America der Konkurrenz hinterher und befindet sich in einem tiefgreifenden Umbau. Zehntausende Stellen werden gestrichen, wenig profitable Sparten veräussert.

Auch UBS und CS waren interessiert

Neben Julius Bär hatten anfangs laut früherer Medienberichte auch die Credit Suisse, die UBS und die US-Bank Wells Fargo Interesse an der Ausland-Vermögensverwaltung von Merrill Lynch gezeigt.

Erste Medienberichte zu einer möglichen Übernahme durch Julius Bär gab es im Juni. Damals wurde der Kaufpreis für die Sparte mit bis zu 3 Mrd. Dollar noch deutlich höher geschätzt. (SDA/alp)

Beliebteste Kommentare

  • Hans Peter  Schmid , via Facebook
    Ich hoffe nur dass wir Schweizer keine Garantie übernehmen müssen, denn auch dieses Geschäft wird den Bach runter gehen. Dass diese Bänker immer Monopoli spielen müssen. Unfassbar, mit dem Geld der andern lässt sich besser spielen
  • René  Widmer , Ersigen
    Da Julius Bär keine systemrelevante Bank ist, werden wir sie wenigstens dereinst nicht retten müssen...
    • 13.08.2012
    • 16
    • 3

Alle Kommentare (6)

  • René  Widmer , Ersigen
    Da Julius Bär keine systemrelevante Bank ist, werden wir sie wenigstens dereinst nicht retten müssen...
    • 13.08.2012
    • 16
    • 3
  • kurt  koller , calpe
    ich hoffe dass die bank ohne cds arbeitet,wieder mit papier wie frueher,sonst kaufft sie am ende so ein schlauer deutscher politiker
    • 13.08.2012
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  • Hans  Komisch
    Wenn uns das bloss nicht wieder Ärger einbringt den wir sonst schon mehr als genug haben. Diese Bankstergier lernt aber auch gar nichts!
  • Erich  Schmitter , Banglamung Chonburi
    Anscheinend haben die schweizer Banken noch nicht genug Aerger mit der amerikanischen Justitz, um sich noch in weitere Abenteuer einzulassen. Hoffe nur, dass man die Julius Bär Bank nicht wieder mit schweizer Steuergeldern retten muss.
  • Hans Peter  Schmid , via Facebook
    Ich hoffe nur dass wir Schweizer keine Garantie übernehmen müssen, denn auch dieses Geschäft wird den Bach runter gehen. Dass diese Bänker immer Monopoli spielen müssen. Unfassbar, mit dem Geld der andern lässt sich besser spielen
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