Otto Ineichens neuster Coup Jobmaschine für 10000 Schweizer

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Werner Vontobel
Otto Ineichen: «Für Schweizer Stellenvermittler ist es oft leichter, im Ausland zu rekrutieren».- RDB

Ein kleiner Fehler kostet die Schweizer 10000 Jobs. Nationalrat Otto Ineichen will ihn beheben.

Otto Ineichen (68) ärgert sich: «Für Schweizer Stellenvermittler ist es oft leichter, im Ausland zu rekrutieren. Ich bin sicher, dass Schweizer mindestens 10000 Jobs an Ausländer verloren haben.» Als Beispiel nennt der FDP-Nationalrat und Unternehmer die rund 3000 Schweizer Arbeitslosen, welche über eine Pflegeausbildung verfügen. «Dennoch werden massenweise ausländische Pfleger und Krankenschwestern eingestellt.»

Georg Staub (59), Direktor des Personaldienstleister-Verbandes Swissstaffing, gibt Ineichen recht: «Wenn ein privater Vermittler geeignete Kandidaten sucht, findet er sie oft viel leichter bei der Stellendatenbank Eures in Bonn als beim Schweizer Pendant Avamst, der öffentlichen Datenbank für Stellensuchende.»

Kommt hinzu: Ausreisewillige EU-Arbeitnehmer sind meist gut ausgebildet, gesund, frei von familiären Verpflichtungen. Arbeitsuchende in der Schweiz hingegen haben Kinder, pflegebedürftige Eltern oder andere Handicaps.

Wenn sich Ineichen ärgert, dann tut er auch etwas. Zusammen mit Staub hat er die Lage wie folgt analysiert. Punkt 1: Die Datenbank Avamst ist unvollständig. Vor allem fehlen oft Telefonnummern, die es erlauben, Stellensuchende rasch zu kontaktieren. Punkt 2: Die privaten Arbeitsvermittler benützen zunehmend die europäische Stellendatenbank Eures. Punkt 3: Die Zusammenarbeit zwischen Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und privaten Vermittlern funktioniert in vielen Kantonen schlecht, wie eine Umfrage von Swissstaffing bei ihren Mitgliedern gezeigt hat.

Fazit: Private Vermittler und RAV müssen besser zusammenarbeiten. Die Datenbank Avamst muss so verbessert werden, dass auch private Vermittler optimal damit arbeiten können. Die Privaten sollten vom Staat für die Vermittlung 1000 Franken erhalten. Für Temporäre beträgt die Provision zwei Franken pro Stunde während drei Monaten. «Auch unser Geschäft lebt vom Geld», meint Staub. «Wenn der finanzielle Anreiz da ist, laufen die Drähte heiss.»

Serge Gaillard (54), Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, hat noch keine konkreten Zusagen gemacht, meint aber: «Private Stellenvermittler rekrutieren oft im Ausland. Es gibt aber in der Schweiz noch viele motivierte Stellensuchende, die von einer besseren Vermittlung profitieren können. Zu diesem Zweck muss die Zusammenarbeit zwischen RAV und privaten Vermittlern weiter verbessert werden.»
Anfang März setzt sich Gaillard mit Ineichen und Staub an einen Tisch.

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